Sozialer Arbeitsmarkt

Städtische EABG stemmt Großteil des sozialen Arbeitsmarktes

Die Metall- Werkstatt der EABG. Hier haben ehemalige Langzeitarbeitslose über den sozialen Arbeitsmarkt nun eine neue Job-Perspektive erhalten.

Die Metall- Werkstatt der EABG. Hier haben ehemalige Langzeitarbeitslose über den sozialen Arbeitsmarkt nun eine neue Job-Perspektive erhalten.

Foto: Klaus Micke

Essen.   120 Langzeitarbeitslose beschäftigt derzeit allein die Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft. Man habe Soforthilfe geleistet, heißt es.

Der neue soziale Arbeitsmarkt in Essen wird derzeit stark von der stadteigenen Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft, der EABG, getragen. Der kommunale Weiterbildungs- und Beschäftigungsträger allein beschäftigt 120 ehemalige Langzeitarbeitslose. Damit wird die kürzlich gezogene Erfolgsbilanz des Jobcenters zumindest ein Stück weit relativiert. Das Jobcenter hatte von 239 vermittelten Langzeitarbeitslosen gesprochen, die bis Ende April über den sozialen Arbeitsmarkt einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz fanden.

Der soziale Arbeitsmarkt, das so genannte Teilhabechancengesetz des Bundes, sieht folgendes vor: Arbeitgeber, die einen Langzeitarbeitslosen einstellen, erhalten in den ersten beiden Jahren die Lohnkosten zu 100 Prozent erstattet. Danach fallen sie sukzessive. Die maximale Förderdauer beträgt fünf Jahre. Einzige Bedingung: Der Mitarbeiter muss mindestens fünf beziehungsweise sechs Jahre lang Hartz IV bezogen haben.

Teilnehmer aus Bundesprogramm übernommen

Die Jobs bei der EABG sind zwar sozialversicherungspflichtig und werden nach dem Haustarifvertrag bzw. dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes entlohnt. Vom klassischen ersten Arbeitsmarkt sind sie dennoch entfernt. „Wir haben aber nicht vor, die Leute fünf Jahre lang zu beschäftigten“, sagte EABG-Geschäftsführer Hartmut Kütemann-Busch. „Sondern sie sollen zunächst an produktive Arbeit herangeführt werden.“ Deshalb liefen die Arbeitsverträge auch kürzer als fünf Jahre.

Die große Zahl bei der EABG hat vor allem diesen Grund: Ende des vergangenen Jahres lief das alte Teilhabegesetz des Bundes aus. Zuletzt gab es dort noch 80 Teilnehmer, die nun über den sozialen Arbeitsmarkt weiter beschäftigt werden. Ohne diesen Anschluss hätten sich die Betroffenen wieder arbeitslos melden müssen, betont Kütemann-Busch. „Dann wäre das ganze Geld, das man in die Leute investiert hat, herausgeworfen gewesen.“ Die EABG habe also „Soforthilfe geleistet.“ Aber auch darüber hinaus hat sie weitere Stellen geschaffen und werde dies auch weiterhin tun, wie es im Jahresbericht heißt.

Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Die ehemaligen Langzeitarbeitslosen arbeiten beispielsweise in den Metall- und Tischlerwerkstätten der EABG oder im Programm „Wege zum Wasser“, bei dem u.a. die Radwege in Essen gepflegt werden. Kütemann-Busch spricht von einem neuen Selbstwertgefühl, das die Leute bekommen, wenn sie nun nicht mehr nur Teilnehmer einer Maßnahme sondern Arbeitnehmer mit einem Arbeitsvertrag seien. Manche hätten bislang in ihrem Lebenslauf noch nie eine sozialversicherungspflichtige Arbeit stehen gehabt, sondern sich nur von Maßnahme zu Maßnahme gehangelt. Die Chancen, so einen Job in einem Unternehmen zu bekommen, tendieren gegen Null. Kütemann-Busch glaubt, dass sich das mit dem sozialen Arbeitsmarkt ändern könnte. „Aber es braucht sicher noch viel Überzeugungsarbeit bei Arbeitgebern.“

666 Langzeitarbeitslose vermittelt

Im vergangenen Jahr, als es den sozialen Arbeitsmarkt noch nicht gab, gelang es der EABG nach einer Weiterbildung oder anderen Maßnahme 666 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt „zu integrieren“. Das sind fast sieben Prozent mehr, als im vergangenen Jahr. „Da spielte uns weiterhin die gute Arbeitmarktsituation in die Hände“, räumte Kütemann-Busch ein.

Allerdings werde die Vermittlung derjenigen, die trotz guter Konjunktur bislang keine Arbeit gefunden haben, schwieriger und damit aufwendiger. Im Schnitt sind die Arbeitslosen, die von der EABG betreut werden, 9,1 Jahre erwerbslos. Auch die Voraussetzungen, die sie mitbringen, werden schwieriger. So hat jeder Betroffene fünf so genannte „Vermittlungshemmnisse“. Dazu zählen neben der langen Arbeitslosigkeit Faktoren wie keine abgeschlossene Berufsausbildung, fehlender Führerschein oder gesundheitliche Einschränkungen. Beides: Dauer der Arbeitslosigkeit als auch die Zahl der Vermittlungshemmnisse seien in den vergangenen Jahren gestiegen, so die EABG.

<<<Die Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft>>>

  • Die Firmengruppe EABG zählte im vergangenen Jahr 1771 Teilnehmer im Bereich Beschäftigungsförderung und 1252 Teilnehmer im Bereich Qualifizierung.
  • Die städtische Gesellschaft selbst beschäftigt 591 Mitarbeiter und erhält für ihre Aufgaben jährlich 1,7 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt. Dazu kommen Mittel aus diversen Förderprogrammen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben