Steele

Demos in Steele – Essener Polizei entsendet Großaufgebot

Kundgebung in Steele: Unter dem Motto „Der Pott ist unteilbar“ demonstrierten am vergangenen Samstag mehr als 2000 Menschen gegen die rechten Steeler Jungs. Am 18. September folgen weitere Kundgebungen.

Kundgebung in Steele: Unter dem Motto „Der Pott ist unteilbar“ demonstrierten am vergangenen Samstag mehr als 2000 Menschen gegen die rechten Steeler Jungs. Am 18. September folgen weitere Kundgebungen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  In Steele stehen die Zeichen Donnerstag auf Konfrontation: hier die rechten Steeler Jungs, dort Antifa. Christen beten Mittwoch für den Frieden.

Die drohende Konfrontation in Essen zwischen den rechten Steeler Jungs und antifaschistisch-linken Gruppierungen an diesem Donnerstag hat die großen Kirchen im Stadtteil auf den Plan gerufen. Die katholische Kirchengemeinde St. Laurentius, die Evangelische Kirchengemeinde Königssteele und die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung rufen für den heutigen Mittwoch, 18. September, zu einem öffentlichen, ökumenischen Friedensgebet auf. Es beginnt um 19 Uhr an der Mariensäule auf dem Grendplatz. Die Essener Polizei hat unterdessen angekündigt, die geplanten Demonstrationen am Donnerstag mit Großaufgebot zu begleiten. „Teile der Steeler Mitte werden durch Sperr- und Verkehrsmaßnahmen für den Fahrzeug- und Fußgängerverkehr nicht mehr passierbar sein“, so die Polizei.

„Suche Frieden und jage ihm nach“ – dieser biblische Palmvers sei nicht nur die ökumenische Jahreslosung 2019, sondern auch das Motto des Friedensgebetes. Mit Liedern, Fürbitten und der Friedenstaube als Symbol wollen die Kirchenvertreter ein Zeichen setzen.

„Wir sind bereit, uns um den Frieden zu bemühen, dafür zu beten und unser Mögliches dafür zu tun, dass alle Menschen in Steele ein gutes Leben haben“, sagt der evangelische Pfarrer Johannes Heun (Königssteele), und fügt hinzu: „Abgrenzung und geschlossene Gruppen führen nicht zu einer Lösung unserer alltäglichen Probleme.“

Kirchen in Steele wenden sich gegen „Abgrenzung und geschlossene Gruppen“

Pfarrer Andreas Geßmann von Sankt Laurentius ergänzt: „Als Kirchengemeinden und soziale kirchliche Einrichtungen treten wir für den respektvollen Umgang miteinander in unserem Stadtteil ein. Denn die Würde jedes Menschen ist unantastbar und als Geschöpf Gottes ist jede Person wertvoll.“

Nach der Demonstration des Aktionsbündnisses „Essen stellt sich quer“ mit mehr als 2000 Teilnehmern am vergangenen Samstag ist Steele an diesem Donnerstag erneut Schauplatz von Kundgebungen. Unter der Losung „Nazimackern entgegentreten – in Essen-Steele und überall“ haben weithin unbekannte Aktivisten aus dem eher antifaschistischen Milieu zu einer Demo um 17.30 Uhr am S-Bahnhof Steele aufgerufen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin gehen die Veranstalter von rund 100 Teilnehmern aus. Die Sorge im Stadtteil ist groß, dass sich dahinter gewaltbereite Demonstranten verbergen.

Nur wenige hundert Meter entfernt treffen sich die Steeler Jungs zu ihrem wöchentlichen Stadtteil-Rundgang in Kompanieformation. In den letzten Wochen ist deren Teilnehmerzahl auf knapp 100 gestiegen.

Zweite Demonstration auf dem Kaiser-Otto-Platz mit voraussichtlich 150 Teilnehmern

Auf dem Kaiser-Otto-Platz soll es nach Polizeiangaben eine zweite Gegendemonstration geben mit etwa 150 Teilnehmern. Die Versammlung habe das Motto „Lasst Nazis nicht marschieren und auch nicht mitregieren.“

Sowohl Max Adelmann von „Essen stellt sich quer“ als auch Irene Wollenberg von „Steele bleibt bunt“ betonen, nicht zu wissen, wer der Veranstalter der Demo am S-Bahnhof ist. Letztere hat sich sogar klar von dieser Demo distanziert. „Wir planen für diesen Donnerstag nichts, ich will aber mit den Leuten sprechen“, sagt Irene Wollenberg.

Die Essener Polizei hält sich am Vorabend der Veranstaltungen sehr bedeckt. Die Polizei habe das Grundrecht der Versammlungsfreiheit zu schützen, werde aber gegebenenfalls durch Sperrmaßnahmen ein direktes Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Gruppen zu verhindern wissen, sagte eine Polizeisprecherin. „Wir gehen von einem friedlichen Verlauf aus, sollte es aber zu Straftaten kommen, werden diese konsequent verfolgt.“

Verkehrsteilnehmer müssen sich während der Demonstrationen auf Einschränkungen vorbereiten. Beispielsweise bleiben der Dreiringplatz und der Parkstreifen auf der Grenoblestraße zwischen Isinger Tor und Bochumer Straße gesperrt. „Diese Beeinträchtigungen werden durch die Polizei auf das unumgängliche Maß beschränkt“, heißt es in einer Presseerklärung.

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