Mieterstreit

Nachbarn in Essen klagen über Lärmbelästigung durch Klavier

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Der Gesanglehrer Ergin Hamdi hat Ärger mit einem seiner Nachbarn. Dieser fühlt sich durch das Klavierspiel und den Gesang gestört.

Der Gesanglehrer Ergin Hamdi hat Ärger mit einem seiner Nachbarn. Dieser fühlt sich durch das Klavierspiel und den Gesang gestört.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  Streit unter Mietern: Nachbarn fühlen sich in Essen durch die Musik eines Gesangslehrers gestört. Auch das Ordnungsamt hat sich eingeschaltet.

Ein Musiklehrer in Essen hat Streit mit seinen Nachbarn: Normalerweise ist Ergin Hamdi ein Mann der feinen Töne und der Harmonie. Doch seit der 27-Jährige eine Wohnung in Essen-Frohnhausen mietete, um dort zu unterrichten, fühlen sich andere Mieter des Hauses durch den Lärm belästigt.

Der Vorwurf: Lärmbelästigung. Das Ordnungsamt war zweimal vor Ort, beim ersten Termin gab es keine Auffälligkeiten, beim zweiten schon. Die Polizei war ebenfalls zweimal dort, hatte nichts zu beanstanden. Aber der Reihe nach:

Als Ergin Hamdi im März die Wohnung anmietete, war er noch voller Euphorie: „Bislang habe ich in meiner Privatwohnung in der Nähe unterrichtet.“ Vier Jahre lang – und nie sei es zu Beschwerden gekommen. „Doch ich wollte mich neu aufstellen und meinen Kunden ein professionelleres Ambiente bieten.“

Nachbar beschwerte sich über Lärm schon vor dem Start des Gesangsunterrichts

Ergin Hamdi, ein Bulgare, der seit 2013 in Essen lebt und arbeitet, ließ die Wohnung an der Leipziger Straße renovieren. Decke, Wände, Böden – alles neu. Auch eine Büroecke und eine Küchenzeile fand Platz. „Auch der Klaviertransport war teuer“, sagt Hamdi, der knapp 10.000 Euro in seine Zukunft investierte. Doch die steht nun auf dem Spiel.

Der Mieterstreit begann schon während der Renovierung, als er noch gar nicht unterrichtete. Und dies, obwohl Hamdi zuvor alles mit seinem Vermieter besprochen hatte und dies im Mietvertrag verankern ließ. „Dort wurden auch die Übungszeiten festgelegt, damit ich niemanden in der Mittagspause oder am Abend störe.“ Diese Zeiten habe er stets eingehalten.

Ordnungsdienst stellte beim ersten Besuch keine Lärmbelästigung fest

Im Mai, der Unterricht hatte gerade begonnen, ging eine anonyme Meldung beim Ordnungsamt ein. Der kommunale Ordnungsdienst stellte aber keine Lärmbelästigung fest. Die Verkehrsgeräusche auf nahen Hauptstraße seien deutlich lauter als der Unterricht. „Da müsse man schon genau hinhören, dass man da ein Klavier hört, hat man mir gesagt“, so Hamdi. Daher bemühte er sich um ein Gespräch, lud seine Nachbarn zweimal ein. „Doch da hieß es ‘Wir könnten reden, aber bringen wird dies nichts’.“

Stattdessen verfassten die Nachbarn ein langes Lärmprotokoll. Der Vermieter (Name der Redaktion bekannt) kann die Vorwürfe nur bedingt nachvollziehen, zumal sich nur ein Seniorenehepaar beschwerte, sonst niemand. „Das Ehepaar wohnte bereits hier, als ich das Haus vor über 40 Jahren übernommen habe. Sich auf eine Seite schlagen, will er sich im Streit der Nachbarn nicht.

Ganz unberechtigt sind die Vorwürfe zudem nicht. Als der Ordnungsdienst kürzlich eine Hörprobe in der Wohnung der Nachbarn machte, bestätigte sich eine erhebliche Lärmbelästigung. „Der Betroffene wurde aber nur belehrt“, sagt Stadtsprecherin Jasmin Trilling auf Anfrage. Im Wiederholungsfall drohen 120 Euro Geldstrafe. „Doch weitere Beschwerden sind dem Ordnungsamt nicht bekannt.“

Klopfgeräusche aus der Nachbarwohnung stören den Unterricht empfindlich

Indes gärt der Mieterstreit weiter: Mittlerweile vernimmt Hamdi vermehrt Klopfgeräusche aus der Wohnung über ihm, die den Unterricht stören. „Ich musste zuletzt einige Termine absagen“, sagt er. Eine Liste dieser Vorfälle schickte er dem Vermieter. Mit der Bitte, für den Hausfrieden zu sorgen.

Doch die Fronten sind verhärtet. Auf Nachfrage dieser Redaktion waren die Nachbarn zu keiner Stellungnahme bereit. Nun klagen sie gegen den Vermieter, weil er die Wohnung an den Gesangslehrer vermietet hat. Der Vermieter ist entnervt: „Jetzt muss ein Richter entscheiden, ob Herr Hamdi bleiben darf oder nicht. „Ich kenne mich da nicht aus, aber ich will endlich wieder Ruhe im Haus haben.“ Wie der Rechtsstreit endet, ist offen. Die Vereinbarung mit dem Vermieter hilft Ergin Hamdi wenig: „Generell müssen auch bei der Festlegung von privatrechtlichen Regelungen gesetzliche Vorgaben eingehalten werden“, erklärt Jasmin Trilling.

Baurechtliche Genehmigung steht laut Bauordnungsamt noch aus

Und weiter: „Nach Rücksprache mit dem Bauordnungsamt ist eine baurechtliche Genehmigung notwendig, sofern die Wohnung ausschließlich für gewerblichen Unterricht genutzt wird. Diese liegt aktuell nicht vor.“ Doch dieses Problem sei durch einen entsprechenden Nutzungsänderungsantrag zu lösen. Das ist aber wohl nur Formsache und geht schnell.

Ob Ergin Hamdi diese Genehmigung beantragt, ist noch offen. „Wegen des Mieterstreits gebe ich derzeit nur Online-Stunden in meiner Privatwohnung. Aber mein Weihnachtsgeschäft ist kaputt, weil ich keine neuen Aufträge abschließen konnte.“ Noch will er abwarten, hofft auf ein klärendes Gespräch aller Beteiligten, aber denkt auch schon daran, eventuell zu kündigen. „So kann ich nicht arbeiten.“

André Juffern, Geschäftsführer des Mieterbundes NRW, zeigt Verständnis: „Wenn ein Mieterstreit über mehrere Monate geht, dann endet er zumeist erst dann, wenn eine der Parteien klein beigibt. Und das bedeutet in der Regel den Auszug.“ In diesem Essener Fall ist es soweit bisher noch nicht gekommen.

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