Advent

Adventsaktion stärkt Gemeinschaft in der Eyhof-Siedlung

Die Nachbarn der Siedlung singen jeden Abend gemeinsam.

Foto: WAZ

Die Nachbarn der Siedlung singen jeden Abend gemeinsam. Foto: WAZ

Essen-Stadtwald.   Die Bewohner der Eyhof-Siedlung organisieren zum ersten Mal vorweihnachtliche Treffen. Die traditionsreiche Kolonie entstand Anfang der 1920er Jahre.

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Gute Nachbarschaft wird in der Eyhof-Siedlung seit langem großgeschrieben. Sommer- und Straßenfeste gehören seit vielen Jahren dazu. Seit Anfang Dezember hat sich dieser Kontakt noch einmal intensiviert. Zwei Bewohnerinnen der Siedlung hatten die Idee, unter dem Motto „Lebendiger Advent“ für jeden Tag bis Weihnachten ein Fenster zu schmücken. Die Familie, die mit der Gestaltung an der Reihe ist, lädt alle, die mitmachen wollen, zum Singen, Plaudern, Geschichten und Gedichte hören, einem Glas Glühwein oder Kinderpunsch vor das Haus oder in den Garten ein.

Schnell waren 24 Anwohner gefunden, die bei der ersten Aktion dieser Art in Stadtwald mitmachen wollten. Und so treffen sich jetzt jeden Abend um 18 Uhr die Nachbarn, darunter viele Familien mit Kindern, an dem jeweiligen Haus zu einer stimmungsvollen Viertelstunde. „Wir wollten das Angebot für Familien bewusst kurz und niederschwellig halten“, sagt Christoph Gekle, dessen Frau zu den Organisatorinnen gehört. „Sie hat das auf Sylt erlebt und fand, wir könnten das hier auch mal starten.“

Sogar kleine Gesangsbücher haben die Nachbarn angeschafft – ein Zeichen dafür, dass der „Lebendige Adventskalender“ keine einmalige Aktion bleiben soll. Jeder Abend verläuft unterschiedlich. Meist gibt es Getränke und Kekse, einige Gastgeber hatten aber auch schon Grillwürstchen oder Tomatensuppe vorbereitet.

„Wir haben Handzettel an rund 450 Leute verteilt. Jeden Abend kommen, je nach Wetter, 40 bis 60“, freut sich Gekle über den Erfolg der Aktion. An Heiligabend sind die Gekles der letzte Gastgeber der diesjährigen Aktion. „Morgens um zehn kommen die Kinder, abends um zehn die Erwachsenen zum gemütlichen Ausklang“, so Gekle. Wenn alle, die jetzt Interesse bekunden, im nächsten Jahr mitmachen würden, müsste der Advent wohl doppelt so viele Tage haben. . .

Dass die Nachbarn eine so lebendige Gemeinschaft pflegen, war offenbar schon von den Erbauern zwischen 1921 und 1924 so gewollt. So hat Anwohner Friedhelm Wenzel, der seit 1967 in der Straße Hagelkreuz wohnt, in alten Unterlagen gefunden, „dass die Siedler nicht als Eigenbrötler, sondern in Gemeinschaft“ leben sollten. Architekt Josef Rings hatte die Siedlung im Auftrag des Gemeinnützigen Bauvereins Stadtwald geplant. Gedacht war sie nicht für Arbeiter, sondern für „Beamte und Bürger, die sich den Luxus eines Einzelwohnhauses leisten konnten und die Fahrt in die Stadt nicht scheuten“.

Die Eyhof-Siedlung wurde als geschlossene Einheit mit 183 Häusern mit Gärten erbaut. Ursprünglich waren die Häuser recht karg gestaltet, ein gewisses Maß an Individualität sollte sich erst später entwickeln. Insgesamt umfasst die Siedlung rund 300 Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 100 und 160 Quadratmetern. Schon 1924 fanden dort wohl erste Feste statt. „Die Siedlung hieß in der Bevölkerung Pappschachtel-Kolonie, weil sich die Fenster alle an der Außenfront befanden und sie sich nach außen öffnen ließen. Das sah wie Pappe aus“, weiß Wenzel aus Erzählungen.

In den letzten Jahren hat ein Generationswechsel in der Eyhof-Siedlung stattgefunden. Doch der Zusammenhalt stimmt noch immer.

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