Mieterkritik

Ärger um fehlende Spielmöglichkeiten in Essener Siedlung

Mieter der Covivio-Wohnungen auf der Margarethenhöhe, hier an der Wortbergrode, ärgern sich über fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder. Unterstützung bekommen sie von den örtlichen SPD-Politikern.

Mieter der Covivio-Wohnungen auf der Margarethenhöhe, hier an der Wortbergrode, ärgern sich über fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder. Unterstützung bekommen sie von den örtlichen SPD-Politikern.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Essen-Margarethenhöhe.  Auf der Margarethenhöhe fehlen Spielflächen. Mieter haben mit Spielgeräten Abhilfe geschaffen – Eigentümer Covivio fordert nun den Rückbau.

Mieter der Wohnungsgesellschaft Covivio auf der Margarethenhöhe sind enttäuscht: Im Umfeld fehlen Spielmöglichkeiten, vor allem für Kleinkinder, finden sie. Doch statt Abhilfe zu schaffen, fordere das Immobilienunternehmen jetzt Mieter auf, von ihnen selbst in den Gärten installierte Spielgeräte wie Schaukeln und Trampoline aus Sicherheitsgründen zu entfernen. Bei den Familien stößt das auf Unverständnis.

Die Spielgeräte passten optisch nicht ins Bild und würden Unfallgefahren bergen, vor allem, wenn sie von Kindern von außerhalb genutzt würden. So begründe die Wohnungsgesellschaft die Aufforderung zum Abbau der Geräte. Beide Argumente können die Anwohner nicht verstehen. „Covivio wirbt doch ausdrücklich um junge Familien als Mieter“, sagen sie. Gerade die großen Wohnungen an der Lührmannstraße, Wortbergrode und Lehnsgrund im ruhigen und grünen Umfeld der Margarethenhöhe seien sehr gut geeignet für Familien mit Kindern.

Anwohner erhalten Unterstützung von örtlichen Politikern

Die Anwohner haben sich mit ihrer Kritik nicht nur an Covivio, sondern auch an die örtlichen SPD-Vertreter gewandt. „Laut geänderter städtischer Satzung von 2019 besteht eine Verpflichtung, im Umfeld Spielmöglichkeiten für Kinder zu schaffen“, bestätigt Bezirksvertreter Günther Schröder.

Ratskandidat Michael Manderscheid hat sich inzwischen schriftlich an die Covivio Immobilien GmbH gewandt, um sich für das Anliegen der Bürger einzusetzen. „Andere Wohnungsbaugesellschaften in unserem Stadtteil kommen dieser Regelung auch in der Wahrnehmung der Mieter in akzeptablem Umfang nach, was auf zusätzliches Unverständnis in der hiesigen Nachbarschaft trifft“, schreibt er. In der städtischen Satzung sei gewünscht, dass Vermieter und Mieter gemeinsam Konzepte für die Hausspielflächen entwickelten, um einen größtmöglichen Mehrwert für alle Beteiligten zu erzielen. Solche Gespräche habe es nicht gegeben, so die Mieter.

Der nächste Spielplatz ist weit entfernt

„Der nächste Spielplatz befindet sich an der Schule an der Waldlehne auf der anderen Seite der Sommerburgstraße“, beklagt eine Mutter. Dass die selbst angeschafften Spielgeräte, die mit Erdankern befestigt seien und weder bauliche Veränderungen noch Schäden verursachten, entfernt werden sollen, kann sie nicht verstehen. Die Sicherheitsbedenken von Covivio können die Bürger nicht nachvollziehen. Kinder von außen gelangten nicht in die umzäunten Gärten und die eigenen Kinder habe man hinter dem Haus gut im Blick. Das ermögliche ein gefahrloseres Spielen als auf öffentlichen Flächen.

Einigen Mietern sei gar nicht klar gewesen, dass sie keine Spielgeräte im Garten installieren dürften. „Uns wurde gesagt, wir könnten mit dem Garten machen, was wir wollten“, berichten sie. Nur Planschbecken und Teiche seien nicht erlaubt. Man würde sich aber auch über eine öffentliche Spielfläche als Treffpunkt freuen.

Bei Covivio habe man grundsätzlich großes Verständnis für den Bedarf und den Wunsch nach Spielmöglichkeiten im direkten Wohnungsumfeld, insbesondere für kleinere Kinder, heißt es in der Stellungnahme der Gesellschaft. Aktuell sei die Situation besonders belastend wegen der stark eingeschränkten Betreuungs-, Spiel- und Tobemöglichkeiten für kleinere Kinder.

Wohnungsgesellschaft verweist auf Einschätzung des Amtsgerichts

Covivio-Sprecherin Barbara Lipka verweist jedoch auf den rechtlichen Aspekt. Als Eigentümerin des Grundstücks obliege Covivio die Verkehrssicherungspflicht. Diese werde nicht dadurch ausgehebelt, dass der Mieter eigenverantwortlich ein Trampolin aufstelle oder sogar einen Haftungsausschluss vorschlage. „Darüber sowie über die allgemeine Rechtslage haben wir die Mieter aufgeklärt, unser Bedauern ausgedrückt und um Verständnis gebeten“, so Barbara Lipka.

Sie verweist darauf, dass das Amtsgericht Essen jüngst für die Wohnanlage auf der Margarethenhöhe entschieden habe, dass Trampoline bereits nach allgemeiner Lebenserfahrung erhebliche Haftungsrisiken bergen würden und die Vermieterin zu Recht zur Beseitigung der Trampoline aufgefordert habe. Als Beispiel habe das Gericht Kinder genannt, möglicherweise auch von auswärts, die auf das Grundstück gelangen und auf dem Trampolin verunglücken könnten.

Covivio habe generell in den Wohnanlagen einen hohen Anteil an Spielplätzen. Die Spielgeräte dort würden monatlich von den Gärtnern kontrolliert, quartalsweise gründlich durchgecheckt und einmal jährlich durch einen Sachverständigen geprüft. Hier werde deutlich, dass mit dem Aufstellen der Geräte auch eine hohe Verantwortung und Vorsorgepflicht seitens des Eigentümers verbunden sei.

Anlage einer kleinen Spielfläche sei möglich

„Diese Verantwortung scheuen wir keineswegs, ebenso wenig die Kosten, da wir wissen, wie wichtig solche Angebote für Familien sind – insbesondere in diesen Zeiten. Ganz sicher haben wir dabei auch nicht eine mögliche optische Beeinträchtigung im Blick“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Bislang habe es seitens der Familien nach Kenntnis des Unternehmens den Wunsch nach Genehmigung der privaten Spielgeräte gegeben, jedoch keine Vorschläge oder Ideen, welche Alternativen es geben könnte.

„Wir nehmen an dieser Stelle den Ball gern auf. So können wir uns beispielsweise vorstellen, einige Kleinkinderspielgeräte wie Sandkiste, Schaukel und Wipptier in einer kleinen Spielanlage anzulegen. Dies kann natürlich nur in Abstimmung mit allen Mietern geschehen, da es auch hier, nicht zuletzt generationsbedingt, häufig unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche nach Nutzungsart und Intensität, Lautstärke und möglichen Beeinträchtigungen gibt“, so Barbara Lipka.

Beide Seiten hoffen auf konstruktiven Dialog

Gern sei Covivio bereit, einen Beitrag zu leisten und gemeinsam mit den Mietern eine nachhaltige, kindergerechte und zugleich nachbarschaftliche Lösung zu finden, um eine optimale Nutzung der Außenflächen zum Wohle aller anbieten zu können. „Wir würden uns über eine konstruktive Rückmeldung freuen, um gemeinsam die nächsten Schritte planen zu können“, so die Sprecherin.

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