Ersthelfer-Ausbildung

Ärzte starten Herznotfall-Projekt an Bredeneyer Gymnasium

Die Achtklässlerinnen des Grashof-Gymnasiums übten die Wiederbelebung an Puppenteilen.

Foto: Knut Vahlensieck

Die Achtklässlerinnen des Grashof-Gymnasiums übten die Wiederbelebung an Puppenteilen. Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Bredeney.   Mediziner-Team will nach der Premiere am Grashof-Gymnasium alle weiterführenden Schulen in Essen einbeziehen. Achtklässler üben Druckmassage.

13-jährige Schüler, die auf dem Boden knien und an Puppen Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung üben – ist das sinnvoll? „Auf jeden Fall. Man sollte früh anfangen, um dann irgendwann die nötige Routine zu haben, um tatsächlich im Notfall helfen zu können“, sagt Prof. Heinrich Wieneke, Chefarzt der Kardiologie am Elisabeth-Krankenhaus.

Gemeinsam mit seinem Team startete er das Pilotprojekt Herznotfall. „Wir haben schon mal Sportler in Vereinen geschult, das Training für Schüler ist aber neu und soll in Zukunft möglichst an allen weiterführenden Schulen installiert werden“, so Wieneke. Es gebe derzeit Kontakte zu rund 30 Schulen.

Nach der Theorie folgten praktische Übungen

Das Bredeneyer Grashof-Gymnasium ist die erste Schule, die die Mediziner besucht haben. „Das Projekt wurde von der Contilia-Gruppe und den Essener Chancen im Rahmen der Initiative ,1000 Herzen für Essen’ ins Leben gerufen. Die Initiative organisiert zum Beispiel auch den Herz-Kreislauf-Triathlon“, erklärt Contilia-Sprecher Moritz Thevissen. Bei der Premiere waren die 90 Achtklässler des Grashof-Gymnasiums einen Schultag lang mit dem Thema Herznotfall beschäftigt. Sie bekamen eine theoretische Einführung, um dann selbst an der Puppe zu üben.

Kinder ab einem gewissen Alter könnten durchaus als Ersthelfer im Herznotfall in Aktion treten, so Prof. Wieneke. Falsch machen könne man eigentlich nichts, aber die richtige Technik und vor allem Übung seien sinnvoll, um die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungswagen eintreffe. Bisher kämen Jugendliche meist erst in der Fahrschule oder beim Sport mit dem Thema in Berührung. Unternehme man nichts, könne der Patient sterben oder schwerste Schäden erleiden. Deshalb sei das Coaching der Schüler durch die Experten sinnvoll, so Schulleiter Matthias Rink.

„Wir bilden schon länger Achtklässler zu Ersthelfern aus. Aber meist geht es in der Praxis um Sportverletzungen oder Schnittwunden, nicht um lebensbedrohliche Situationen“, so Christian Richter, Englisch- und Politik-Lehrer, der seine Schüler beim Coaching begleitete.

Übungen sollen in die Lehrpläne integriert werden

In Sachen Herznotfall sei Deutschland Entwicklungsland. Während hier nur 20 Prozent der Bürger die lebensrettenden Maßnahmen beherrschten, liege die Quote in Holland oder Norwegen bei etwa 70 Prozent – auch weil die Übungen dort in den Unterricht integriert seien.

Inzwischen sei es auch vom Schulministerium gewollt, solche Übungen in den Lehrplan einzubauen und das Wissen regelmäßig aufzufrischen. Die Premiere im Bredeneyer Grashof-Gymnasium jedenfalls lief erfolgreich: „Bis jetzt ist keiner umgefallen, alle machen engagiert mit“, betont Lehrer Christian Richter und hofft, dass die Schüler auch zu Hause für das Thema sensibilisieren.

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