Bahnhof Süd

Der früheren Kultkneipe im Bahnhof Süd droht das Aus

Ziemlich marode sind die Anlagen am Bahnhof Süd und das linke Gebäude, das als Gaststätte genutzt wird. Der Pachtvertrag läuft Ende September aus.

Ziemlich marode sind die Anlagen am Bahnhof Süd und das linke Gebäude, das als Gaststätte genutzt wird. Der Pachtvertrag läuft Ende September aus.

Foto: Uwe Möller

Essen-Südviertel.   Der Pachtvertrag endet im September. Verhandlungen über den Verkauf des Denkmals laufen. Stammgäste bedauern den drohenden Verlust des Treffs.

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Das Ende der früheren Kultkneipe Bahnhof Süd scheint besiegelt. Der Vertrag von Pächter Holger Walterscheid, auch Betreiber des Seaside Beach Baldeney, läuft nach fünf Jahren zum 30. September aus. Die Zukunft des denkmalgeschützten, aber inzwischen ziemlich maroden Gebäudes an der Rellinghauser Straße 175 ist noch ungewiss. Im Stadtteil wird das drohende Aus für die Gaststätte, die viele Jahre Treffpunkt im Viertel und Ort zahlreicher Konzerte war, seit Tagen diskutiert.

Pächter will das Kapitel schnell abschließen

Fest steht, dass Thomas Draheim, Besitzer des Gebäudes und selbst Betreiber der Gaststätte von 1987 bis 2012, das Haus verkaufen will. „Es gibt zwei ernsthafte Bewerber, die Verhandlungen laufen“, sagt Draheim. Ob das Gebäude tatsächlich verkauft oder neu verpachtet werde, stehe noch nicht fest, auch nicht, ob es dort weiter Gastronomie geben werde.

Der aktuelle Pächter Holger Walterscheid ist nach eigenen Angaben froh, das Kapitel Bahnhof Süd abschließen zu können: „Das hat mir viele Kopfschmerzen bereitet, hat Nerven und Geld gekostet.“

Viele Gäste hoffen allerdings auf den Erhalt der Gaststätte. „Ich würde es sehr bedauern, wenn dieser Treffpunkt verloren ginge, der jahrelang auch Anlaufstelle für Musiker und andere Künstler war“, sagt Ulla Diallo, Anwohnerin und langjähriger Stammgast im Bahnhof Süd. Nicht nur die Live-Musik am Sonntagabend habe lange Tradition gehabt, auch die Disco Samstagnacht sei immer sehr beliebt gewesen.

„Ich wünsche mir, dass sich ein neuer Investor findet, der das Gebäude instand setzt und mit Herzblut die Kneipe weiterbetreibt“, so Ulla Diallo, die allerdings wenig Hoffnung hat, dass sich jemand dafür findet. „Viele werden da wohl die Investitionskosten scheuen“, befürchtet sie. Bei einigen Gästen habe sich inzwischen Resignation breitgemacht, beobachtet Diallo, die zuletzt die Atmosphäre früherer Tage im Bahnhof Süd vermisste.

Jüngere Leute besuchen heute andere Lokale

„Die Zeiten haben sich geändert, ich schaue dem Wandel ins Gesicht“, sagt Stammgast Elmar Damke, Mitbegründer des Theaters Freudenhaus und bis heute der Künstler- und Schauspielszene eng verbunden. Der Bahnhof Süd sei ein Relikt vergangener Zeiten. Heute seien bei den jungen Leuten andere Kneipen aktuell als bei der Generation vor 20, 30 Jahren. Er könne aber verstehen, dass dem ein oder anderen schwer ums Herz werde, wenn der Bahnhof Süd schließe. „Ich wünsche mir, dass dort ein ähnliches kulturelles Zentrum entsteht, mit Live-Konzerten und Sessions, wo man ein klein wenig das Gefühl hat, etwas noch nicht Gehörtes zu erleben“, sagt Damke.

„Auch wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht, kann der Eigentümer es vermieten, an wen er möchte. Da hat die Stadt keinen Einfluss, das sind privatrechtliche Verträge“, erklärt Isabel Razanica vom Presseamt. Wenn es allerdings zu einer Nutzungsänderung oder zum Umbau des Gebäudes kommen sollte, müsste das mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden.

Sanierung liegt seit langem auf Eis

„Wir haben derzeit keine Kenntnisse darüber, was mit dem Bahnhof Süd künftig passieren wird“, so die Stadtsprecherin. Eigentümer von Baudenkmälern müssen für den Erhalt der Gebäude sorgen. Allerdings: Die Sanierung des Bahnhofs Süd, auch der ungenutzten Gebäudeteile, die der Deutsche Bahn Netz AG gehören, liegt seit Jahren wegen der komplizierten Eigentumsverhältnisse und der vielen Beteiligten auf Eis.

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