Gemeinde-Organisation

Erstmals leiten jetzt Ehrenamtliche eine Essener Gemeinde

Die Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe wird von Ehrenamtlichen geleitet. Zum Team gehören (v.l.) Franziska Gärtner, Robin Leisen und Britta Pöllen.

Die Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe wird von Ehrenamtlichen geleitet. Zum Team gehören (v.l.) Franziska Gärtner, Robin Leisen und Britta Pöllen.

Foto: Ramona Richter

Essen-Margarethenhöhe.   Das Bistum überträgt Ehrenamtlichen der Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe jetzt offiziell die Leitung der Gemeinde. Erster Fall in Essen.

Die Ehrenamtlichen der katholischen Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe übernehmen am Samstag, 30. März, offiziell die Leitung ihrer Gemeinde. Damit ist sie die erste Gemeinde in Essen, die komplett ohne Hauptamtliche geführt wird. Die Gründungsfeier beginnt mit einem feierlichen Gottesdienst mit Generalvikar Klaus Pfeffer. Anschließend lädt die Gemeinde zur Party ein.

Die Gemeinde Zur Heiligen Familie ist mit 2150 Mitgliedern eher klein. Das Gemeindeleitungsteam aus zwölf gleichberechtigten Mitgliedern, das im November 2018 gewählt wurde, hat sich bereits eingearbeitet. „Wir freuen uns, dass es jetzt auch offiziell losgeht“, sagt Britta Pöllen. Die 57-Jährige lebt seit über 30 Jahren auf der Margarethenhöhe. „Für mich ist die Gemeinde Freundeskreis, Familie, Zuhause, Lebensmittelpunkt“, sagt Britta Pöllen. Für sie sei es deshalb selbstverständlich, sich ehrenamtlich zu engagieren, damit es in der Gemeinde weitergehe.

Die Umstrukturierung in der Gemeinde, die zur Pfarrei St. Antonius gehört, begann 2009, als der damalige Pfarrer Rainer Streich versetzt wurde. Damals hatte der Pfarreiumstrukturierungsprozess im Bistum Essen gerade begonnen, um auf Priestermangel und immer weniger werdende Einnahmen der Kirche zu reagieren. Nach anderthalbjähriger Vakanz sei 2010 die engagierte und beliebte Gemeindereferentin Andrea Hurlebusch als Gemeindeleitung eingesetzt worden, die 2016 überraschend verstarb.

Am Ende der Pilotphase wird eine Bilanz gezogen

„Wir standen plötzlich allein da“, blickt Britta Pöllen zurück. Bei ersten Treffen habe man überlegt, wer welche Aufgaben in der Gemeinde übernehmen könne. Während sich die mit 120 Mitgliedern sehr große Messdienergruppe weitgehend selbst organisiere, mussten Ehrenamtliche für andere Aufgaben erst gefunden werden: für den Kommunionunterricht, die Vorbereitung der Andachten zur Advents-, Fasten- und Osterzeit, aber auch für den sogenannten parallelen Wortgottesdienst, bei dem Kinder während der Messe gesondert betreut werden.

„Im März 2017 hat uns das Bistum angesprochen, ob wir nicht an einem Modellprojekt zur ehrenamtlichen Gemeindeleitung teilnehmen wollen“, sagt Robin Leisen (28), der zum Leitungsteam gehört. Insgesamt beteiligen sich an dem Projekt, das bis 2020 läuft, noch zwei weitere Gemeinden im Bistum außerhalb Essens. Am Ende der Pilotphase werde man Bilanz ziehen. „Noch probieren wir uns aus, dürfen Fehler machen“, erklärt Britta Pöllen. Im ersten Jahr habe ihnen ein Jesuitenpater als Moderator zur Seite gestanden.

Die Strukturen erarbeiten die Ehrenamtlichen selbst

„Die neuen Strukturen mussten und wollten wir aber selbst entwickeln“, so Robin Leisen. Das sei komplexer gewesen, als gedacht, denn man wolle ja Angebote für alle Alters- und Interessengruppen schaffen. „Wir versuchen, die Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen“, sagt er. Schließlich sei es ein Ehrenamt, und jeder habe auch andere Verpflichtungen in Familie und Beruf. Jeder solle nach seinen Talenten und Vorlieben eingesetzt werden. Dennoch ist der Zeitaufwand beträchtlich: „Täglich ein bis zwei Stunden verbringt man schon mit der Arbeit für die Gemeinde“, sagt Franziska Gärtner (26) vom Leitungsteam.

Das Team, das aus bis zu 15 Leuten bestehen kann, wird alle vier Jahre neu gewählt, eine Fluktuation sei durchaus erwünscht. „Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Britta Pöllen. Die Gemeindearbeit ruhe auf mehreren Säulen: Gemeindeorganisation, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Liturgie, Gottesdienst, Kirchenmusik, Immobilien und Finanzen, Feste und Veranstaltungen, karitative und soziale Arbeit sowie besondere Aufgaben.

Fortbildungen sind für die Zukunft geplant

Für die Eucharistiefeier und die Sakramente stellt die Pfarrei weiterhin einen Priester. Andere Aufgaben, die früher vom Pfarrer erledigt wurden, haben die Ehrenamtlichen bereits übernommen. Britta Pöllen: „Wir führen Trauergespräche, wenn jemand verstorben ist. In Planung ist auch ein Lehrgang, der uns zum Beispiel für Beerdigungen qualifiziert.“

>>>GRÜNDUNGSFEIER IN DER GEMEINDE

  • Der Festgottesdienst in der Gemeinde Zur Heiligen Familie am Ginsterweg beginnt am Samstag, 30. März, 18 Uhr.

  • Im Anschluss steigt eine Party mit Mitbring-Buffet und Livemusik mit der Familienband Sixsixteen.

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