Stadtteilgeschichte

Essener Moltkeviertel: Erinnerung an Planer Robert Schmidt

Die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und der alte Baumbestand prägen das Moltkeviertel, das von Stadtplaner Robert Schmidt entworfen wurde.

Die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und der alte Baumbestand prägen das Moltkeviertel, das von Stadtplaner Robert Schmidt entworfen wurde.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Moltkeviertel.  Vor 150 Jahren wurde Stadtplaner Robert Schmidt geboren, der das Moltkeviertel und die Margarethenhöhe konzipierte. Bürgerverein lädt zum Vortrag.

Der Bürgerverein Moltkeviertel erinnert zum 150. Geburtstag von Robert Schmidt an den bekannten Stadtplaner, der das Viertel vor über 100 Jahren entwarf. Bis heute prägen seine Ideen die Straßenzüge rund um den Moltkeplatz.

Nach dem Stadtplaner (1869-1934) ist das Robert-Schmidt-Berufskolleg benannt. Dort findet am 150. Geburtstag Schmidts am Freitag, 13. Dezember, 16 Uhr, ein Vortrag über Leben und Werk des als visionär geltenden Stadtplaners und Verbandsdirektors statt, der dieses Amt von 1901 bis 1932 innehatte.

Architekt informiert über Leben und Werk des Stadtplaners

Peter Brdenk, Architekt vom Bund deutscher Architekten, wird den Vortrag in der Aula des Berufskollegs, Robert-Schmidt-Straße 1/Ecke Moltkestraße, halten. Er wird unter anderem Pläne und Fotos zeigen und auf weiterführende Bücher verweisen. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung richte sich an alle Bürger, die sich für das Viertel und seine Entstehungsgeschichte interessierten, betont Philipp Heiermann, Schriftführer des Bürgervereins.

Mit dem Gedenken an den Stadtplaner will der Bürgerverein Moltkeplatz, der im Sommer kurz vor der Auflösung stand und sich im September mit einem vierköpfigen Vorstandsteam neu aufstellte, sein vorrangiges Ziel weiterverfolgen: Aufmerksamkeit für die besondere Architektur und den alten Baumbestand schaffen.

Robert Schmidt zeichnet weitgehend verantwortlich für die Planung der beiden Essener Gartenstadtteile Margarethenhöhe und Moltkeviertel, so Philipp Heiermann. Natürlich gebe es Parallelen zwischen beiden Stadtteilen, „aber wir im Moltkeviertel würden gern aus dem Schatten der berühmteren Margarethenhöhe heraustreten“, so das Vorstandsmitglied.

Parallelen zur Gartenstadt Margarethenhöhe sind vorhanden

„Während die Margarethenhöhe, die Schmidt ab 1906 gemeinsam mit dem Architekten Georg Metzendorf plante, vorwiegend für die Arbeiter und Angestellten der Firma Krupp konzipiert wurde, sollte das Moltkeviertel eher dem preußischen gehobenen Beamtentum eine attraktive Heimat bieten“, erläutert Heiermann die Absichten des Stadtplaners, der mit seiner Familie auf dem Parkfriedhof in Huttrop begraben liegt.

„Das war quasi die erste klassische Stadtplanung ohne Industrieeinfluss, bei der berühmte Architekten wie Georg Metzendorf, Edmund Körner und Otto Bartning sich mit ihren Ideen einmal richtig austoben konnten.“

Das betreffe unter anderem die Straßenführung: So gebe es zum Beispiel im Moltkeviertel keine gerade Straßen. Dahinter stecke das Konzept, dass man, wenn man Kurven fahre, die Häuserfassaden in ihrer Schönheit viel besser wahrnehmen könne. Wenn man auf der Moltkebrücke stehe, wirke die Moltkestraße unheimlich breit, wie eine Prachtallee. Sie beginne breit und verenge sich später. „Ein Scheinriese sozusagen“, so Heiermann.

Der auf den Tag genau am 13. Dezember vor 150 Jahren geborene Robert Schmidt stammte eigentlich aus Frankfurt am Main und studierte in Hannover Bauingenieurwesen. 1901 war er als Stadtbauinspektor in den Verwaltungsdienst der Stadt eingetreten, wo er später das Stadterweiterungsamt leitete. Schon damals beschäftigte sich Schmidt offenbar nicht nur mit Häusern, sondern später auch mit Bäumen. Er veröffentlichte 1912 eine Denkschrift zur Aufstellung eines General-Siedlungsplanes für den Regierungsbezirk Düsseldorf.

Denkschrift zur Gründung des Siedlungsverbandes

Diese Denkschrift war Grundlage für die Gründung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk, dessen erster Verbandsdirektor Schmidt wurde. In einer weiteren Denkschrift ging es Schmidt 1927 dann um die Walderhaltung im Ruhrkohlenbezirk.

Wer in dem von Robert Schmidt geplanten Viertel lebt, sieht noch heute die Spuren dessen Wirkens in der Architektur sowie der Anlage von Straßen, Plätzen und Grünflächen. Für den Bürgerverein Grund genug, am 13. Dezember an den Ideengeber zu erinnern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben