Naturfreundehaus

Essener Oberbürgermeister erteilt den Naturfreunden Absage

Das ehemalige Haus der Naturfreunde liegt versteckt im Grünen am Ende der Wienenbuschstraße in Essen-Fulerum.

Das ehemalige Haus der Naturfreunde liegt versteckt im Grünen am Ende der Wienenbuschstraße in Essen-Fulerum.

Foto: Grundmann

Essen-Fulerum.  Die Naturfreunde wollen ihr altes Domizil in Fulerum für Kinder und Senioren nutzen. OB Kufen erklärt, warum für das Haus nur der Abriss bleibt.

Abriss statt Treffpunkt für Jugendliche und Senioren: Enttäuscht reagieren die Naturfreunde Essen-West auf die Antwort von Oberbürgermeister Thomas Kufen auf ihren offenen Brief. Darin hatten sie deutlich gemacht, dass sie das alte Bruchsteinhaus an der Wienenbuschstraße in Essen-Fulerum gern wieder nutzen würden.

Die Naturfreunde, die im Sommer ihre Ortsgruppe Essen-West neu gegründet hatten, hatten im Oktober ihr Interesse geäußert, das seit zehn Jahren leerstehende Gebäude wieder für ihre Arbeit zu nutzen. Das Haus war viele Jahre ihre Heimat gewesen, die sie jetzt gern ehrenamtlich mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln sanieren würden. Laut Oberbürgermeister ist das Objekt allerdings für den Abbruch vorgesehen – was er in seinem Schreiben begründet.

„Natürlich freuen wir uns, dass der Oberbürgermeister uns überhaupt geantwortet hat. Aber wir hätten uns gewünscht, dass er sich mit den Interessenten an einen Tisch setzen würde. Wir sind überzeugt, dass eine Lösung möglich gewesen wäre“, sagt Simon Grundmann, erster Vorsitzender der Ortsgruppe Essen-West der Naturfreunde.

Oberbürgermeister findet die Ideen der Naturfreunde interessant

Die Reaktion des Oberbürgermeisters zeige, dass die Stadt offenbar nie ein ernsthaftes Interesse am Erhalt des im 19. Jahrhundert gebauten Hauses gehabt habe, so Simon Grundmann. Dabei habe der Oberbürgermeister ausdrücklich die Idee der Naturfreunde, dort eine Anlaufstelle für Jugendliche und Senioren zu schaffen, als „sehr interessant“ bezeichnet.

Die Naturfreunde hatten in ihrem offenen Brief bedauert, dass sich bei der Stadt in Sachen Naturfreundehaus nichts bewege. Der Verein habe es von 1965 bis zur Auflösung der Gruppe Frohnhausen 2009 genutzt, ehrenamtlich renoviert und das Außengelände entsprechend gestaltet. „Mit großem Unverständnis müssen wir heute feststellen, dass sich weder ernsthaft um dieses wunderschön gelegene historische Bruchsteinhaus, welches absolut denkmalwürdig erscheint, von Seiten der Stadt gekümmert, noch sich um eine weitere Nutzung bemüht wurde“, heißt es in dem offenen Brief der Naturfreunde.

Nach Ansicht der Naturfreunde gebe es vor allem im Essener Westen einen großen Bedarf an Einrichtungen, die Kinder- und Jugendarbeit, aber auch generationenübergreifende Arbeit mit Senioren anböten. Das Haus sei gut gelegen und biete für beide Bereiche geeignete Räume. „Gerade in Zeiten, in denen das Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft eine immer größere Rolle einnimmt, würde dieses Haus mit seinem Grundstück eine sehr gute und passende Heimat für Vereine, Institutionen und Initiativen darstellen“, so die Argumentation der Naturfreunde, die selbst Räumlichkeiten für ihre Aktivitäten suchen und gern mit anderen Vereinen zusammenarbeiten würden.http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/227401353

Laut Oberbürgermeister Thomas Kufen sei das Gebäude an der Wienenbuschstraße als nicht denkmalwürdig eingestuft worden. Nachdem die Naturfreunde das Haus aufgegeben hätten, habe sich die Stadt bemüht, es zu verkaufen. Diese Bemühungen hätten allerdings kurz vor Vertragsabschluss eingestellt werden müssen. Das habe zwei Gründe gehabt: Zum einen gebe es keine gesicherte Erschließung des Grundstücks, zum anderen gelange man nur über private Grundstücke zum Gebäude. „Die Bemühungen der Stadt Essen, die Zuwegung durch Eintragung einer Baulast öffentlich rechtlich zu sichern, haben nicht zum Erfolg geführt, da die angrenzenden Eigentümer die hierfür erforderlichen Zustimmungen nicht erteilt haben“, schreibt der Oberbürgermeister an den Vorsitzenden der Naturfreunde-Gruppe.

Gebäude wurden teils ohne baurechtliche Genehmigung errichtet

Die Anbauten und Schuppen seien ohne baurechtliche Genehmigung errichtet worden, die Fläche liege zudem in einem Landschaftsschutzgebiet, das Teil einer Verbandsgrünfläche sei. Aus diesen Gründen habe die Stadt die Vermarktungsbemühungen eingestellt und das Haus für den Abbruch vorgesehen – eine Aussage, die den Naturfreunden natürlich nicht gefällt. „So lange das Gebäude noch steht, lässt uns die Idee vom ,Haus für alle’ aber trotzdem nicht los“, erklärt Simon Grundmann.

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