Gemeindeleben

Gemeinde auf der Margarethenhöhe organisiert sich selbst

Die Gemeinderatsvorsitzende ist Ansprechpartnerin bei vielen Fragen, die das Gemeindeleben betreffen.

Foto: Socrates Tassos

Die Gemeinderatsvorsitzende ist Ansprechpartnerin bei vielen Fragen, die das Gemeindeleben betreffen. Foto: Socrates Tassos

Essen-Margarethenhöhe.  Die Gemeinde Zur Heiligen Familie ist Modellgemeinde im Bistum: Sie kommt ohne Hauptamtliche aus. Die Zwischenbilanz fällt positiv aus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit Mai ist die katholische Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe Modellgemeinde des Bistums. Sie organisiert sich selbst, ohne Priester und ohne hauptamtliche Gemeindereferentin. Was angesichts von Priestermangel und Sparzwang vielleicht bald an der Tagesordnung sein wird, entwickelte sich auf der Margarethenhöhe aus der puren Not.

2009 wurde Pastor Rainer Streich versetzt. Viele Aufgaben übernahm Gemeindereferentin Andrea Hurlebusch. Sie starb überraschend Ende 2016 und die Gläubigen waren von heute auf morgen auf sich selbst gestellt.

„In der Übergangsphase zwischen Pastor und Gemeindereferentin hatten wir uns schon überlegt, wie man das Gemeindeleben ohne Pastor gestaltet, wer welche Aufgaben übernehmen kann, wofür man Hauptamtliche braucht und was auf ehrenamtlicher Basis zu realisieren ist“, sagt die Gemeinderatsvorsitzende Britta Pöllen.

Gemeinde wird von einem Bistumsmitarbeiter betreut

Somit habe die Gemeinde schon einen gewissen Vorlauf gehabt, als das Bistum entschieden habe, sie zur Modellgemeinde in Sachen ehrenamtliche Leitung zu ernennen – als einzige Essener Gemeinde zusammen mit Gemeinden in Duisburg-Hamborn und Oberhausen. Betreut wird das Projekt von einem Mitarbeiter des Bistums.

„Eigentlich haben wir bereits mit dem Trauergottesdienst für unsere verstorbene Gemeindereferentin begonnen, selbst zu gestalten, haben Gebete und Fürbitten vorbereitet, um unsere Trauer zu verarbeiten. Die Menschen haben ganz unterschiedliche Talente, die man nutzen kann“, sagt Britta Pöllen. Sie ist überzeugt, dass nicht immer ein ausgebildeter Theologe erforderlich ist. Die pastorale Arbeit werde von vielen getragen und das passiere Hand in Hand, Alt und Jung arbeiteten eng zusammen.

Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten

Das gelte für Bereiche wie Jugendliturgie, Bücherei, Wortgottesdienste, Kommunionkindertreff, Gemeindebüro, Kinderchor, Musikgruppen oder auch die sechs Messdiener-Gruppen, die von 40 jungen Leuten geleitet würden. Sie kümmerten sich um die 120 Messdiener, Tendenz steigend. Genau kann Britta Pöllen die Zahl der Ehrenamtlichen nicht beziffern, schätzt sie aber auf rund 200. Eine Gruppe von 40 Leuten erarbeite neue Wege zur ehrenamtlichen Leitung der Gemeinde. „Wir haben viele Gestaltungsmöglichkeiten, können frei ausprobieren, was geht“, betont Gemeindemitglied Michael Kreuzfelder.

In den Händen Hauptamtlicher blieben pastorale Aufgaben wie die Eucharistie, Sakramente wie Taufe oder Trauung. „Zu diesen Anlässen kommen wechselnde Priester aus der Pfarrei St. Antonius, zu der wir seit der Neustrukturierung 2008 gehören“, sagt Britta Pöllen.

„Das gesamte Projekt geht über drei Jahre, die Begleitung durch einen Jesuitenpater, zum Beispiel bei Themen wie Finanzen und Weiterbildung, ist auf ein Jahr begrenzt“, erläutert Kreuzfelder. Das erste Jahr diene der Konzeption, dem Aufbau von Strukturen. Im zweiten und dritten Jahr erfolge die Umsetzung. „Wir sind auf einem guten Weg, sind aber jetzt ungeduldig, die Ideen in der Praxis auszuprobieren“, so Britta Pöllen.

Gemeinde sorgt sich um künftigen Treffpunkt

Parallel zu der Entwicklung in der Gemeinde Zur Heiligen Familie läuft der Pfarreientwicklungsprozess, bei dem alle Gemeinden des Bistums Sparmöglichkeiten aufzeigen sollen. Auch auf der Margarethenhöhe habe man Sorge, wie es weitergehe und ob es in einigen Jahren überhaupt noch einen Ort gebe, an dem sich die Gemeinde im Stadtteil treffen könne. „Für die inhaltliche Arbeit, bei der wir gut aufgestellt sind, und die gesamten Strukturen ist das Gemeindezentrum enorm wichtig“, erklärt Britta Pöllen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik