Verwaiste Eltern

Gottesdienst zur Erinnerung an verstorbene Kinder aus Essen

Die Namen der verstorbenen Kinder werden auf Sterne geschrieben und an den Tannenbaum in der Kirche in Rellinghausen gehängt.

Die Namen der verstorbenen Kinder werden auf Sterne geschrieben und an den Tannenbaum in der Kirche in Rellinghausen gehängt.

Foto: Walter Fischer

Essen-Rellinghausen.   Zum 15. Mal gibt es in der evangelischen Kirche Rellinghausen einen Gottesdienst für verwaiste Eltern. Gedenkfeier kurz vor Weihnachten.

Bereits zum 15. Mal findet am Sonntag, 10. Dezember, ein Gottesdienst für verwaiste Eltern in Rellinghausen statt. „Wir wollen keine Trauerfeier veranstalten, sondern laden zu einem ruhigen Moment des Gedenkens und der Besinnung ein“, sagt Andreas Volke, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Rellinghausen.

Er organisiert den Gottesdienst jedes Jahr gemeinsam mit der Essener Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern und dem Ronald-McDonald-Haus im Grugapark. Dort finden Eltern Unterkunft, während ihre schwerkranken Kinder im Klinikum behandelt werden.

Eltern nutzen die Möglichkeit des Austauschs

„Es kommt immer wieder vor, dass Eltern, die bei uns wohnen, ihr Kind verlieren“, sagt Sabine Holtkamp, Leiterin des Ronald-McDonald-Hauses. Alle betroffenen Eltern erhielten eine Einladung zum Gottesdienst. „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass es den Eltern hilft, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen“, sagt Holtkamp. Viele würden es als wohltuend empfinden, dass keiner komisch schaue, wenn sie weinten. Andere wollten einfach nur sprechen. „Für manche Betroffene ist es eine schlimme Erfahrung, dass Freunde und Bekannte nicht mit der Situation umgehen können und sogar die Straßenseite wechseln, um nicht reden zu müssen“, so Holtkamp.

Manche Eltern kämen kurz nach dem Tod des Kindes, andere erst Jahre später. Viele seien jedes Jahr dabei, wüssten den Rahmen zu schätzen, der auch Möglichkeiten zum Austausch biete. „Wie man mit der Trauer umgeht, ist individuell sehr verschieden“, sagt die Leiterin. Deshalb gebe es Zettel, mit denen die Betroffenen ihren emotionalen Zustand beschreiben, zum Beispiel „Der Schmerz ist noch zu groß“ oder „Ich kann schon wieder lachen“. An der Stelle, die zutreffe, könnten die Teilnehmer ein Teelicht platzieren – und im nächsten Jahr vielleicht einen Fortschritt sehen.

Gedenktag am zweiten Sonntag im Dezember

Die Veranstaltung findet im Rahmen des weltweiten Gedenktags für verstorbene Kinder statt, der jeweils am zweiten Sonntag im Dezember begangen wird. Um 19 Uhr sollen die Menschen weltweit einen Kerze ins Fenster stellen, so dass durch die Zeitzonen ein Lichtband um die Welt entsteht. Die Veranstaltung sei christlich ausgerichtet, es gebe aber durchaus konfessionslose oder muslimische Teilnehmer, die den Gottesdienst oder die Möglichkeit zum anschließenden Gespräch zu schätzen wüssten.

„Natürlich kann eine solche Begegnung mit dem erlittenen Schicksal nicht geschehen, ohne schmerzhafte Erinnerungen hervorzurufen“, so Pfarrer Volke. Es könne aber gerade in der Vorweihnachtszeit durchaus tröstlich sein, wenn die Betroffenen spürten, dass sie nicht allein seien, weiß er aus Erfahrung.

In der evangelischen Gemeinde Rellinghausen

Der Gottesdienst für verwaiste Eltern findet am Sonntag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, in der evangelischen Kirche an der Oberstraße 65 statt. Dazu sind nicht nur Eltern aus Essen eingeladen, die ihr Kind verloren haben.

Rückfragen zum Gedenkgottesdienst und zur Bedeutung des Tagesbeantworten Pfarrer Andreas Volke von der ev. Gemeinde Rellinghausen, Telefon 44 05 72, und Sabine Holtkamp vom Ronald-McDonald-Haus, Telefon 43 99 90.

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