Existenzangst

Essener Kiosk-Betreiber fürchtet wegen Baustelle um Existenz

Holger Weise betreibt den Frühstücks-Kiosk an der Eisenbahnstraße seit neun Jahren. Wegen der Baustelle vor der Tür bleiben viele Kunden weg.

Foto: Christof Köpsel

Holger Weise betreibt den Frühstücks-Kiosk an der Eisenbahnstraße seit neun Jahren. Wegen der Baustelle vor der Tür bleiben viele Kunden weg.

Essen-Rellinghausen.   Die Frühstücksbude von Holger Weise lief gut, bis die Brückenbaustelle an der Rellinghauser Straße kam. Laut Stadt verzögern sich die Arbeiten.

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Holger Weise ist verzweifelt, ihn plagen Existenzängste. Der 50-Jährige ist Inhaber des Kiosks Zum Frühstücks-Eck an der Eisenbahnstraße. Seit neun Jahren bewirtet er seine Gäste in dem Raum, der sich längst zum Treffpunkt entwickelt habe. Seit anderthalb Jahren blieben aber viele Kunden weg. Denn unmittelbar vor seinem Kiosk erneuert die Stadt die Brücke an der Rellinghauser Straße. Und diese Baustelle verzögert sich erheblich. „Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalten kann“, sagt Weise. Er fühle sich von der Stadt allein gelassen.

„Natürlich muss die Brücke gemacht werden. Es war aber anfangs von einer Bauzeit von acht Monaten die Rede. Dementsprechend habe ich Geld zurückgelegt. Doch jetzt dauert die Baustelle schon viel länger, und es ist offenbar kein Ende in Sicht“, sagt Weise, der früher im Einzelhandel arbeitete und sich dann mit der Frühstücksbude selbstständig machte.

Der Kiosk sei nun schlecht zu erreichen und Parkplätze fehlten. „Meine beiden langjährigen Mitarbeiter, die acht beziehungsweise zwei Jahre hier waren, musste ich schon entlassen, bin seit vier Wochen allein. Ich komme schon morgens um vier her, um Frikadellen zu braten oder sauberzumachen“, sagt Weise. Früher hätte einer der Mitarbeiter den Laden geöffnet, er selbst sei später gekommen.

Viele Stammkunden nutzen die Zeit für ein Gespräch

Sein Frühstücks-Kiosk ist täglich von 5.30 bis 18 Uhr geöffnet, danach kaufe er noch für den nächsten Tag ein. „Freizeit habe ich im Moment nicht“, sagt der vierfache Vater. „Ich habe viele Stammkunden, da weiß ich schon, wie sie ihr Brötchen belegt haben wollen“, sagt der Inhaber, der auch Schnitzel und Pommes anbietet. Einige nähmen sich das Frühstück mit, andere verzehrten es an den Tischen im Laden. Wieder andere blieben viele Stunden bei einem Kaffee und plauderten mit anderen Gästen. Sein Kiosk habe als Treffpunkt durchaus eine soziale Bedeutung. „Das hier ist Familie, viele haben sich hier kennengelernt.“

Ganz gerührt ist Holger Weise, dass der benachbarte Kindergarten St. Lambertus eine Spendenaktion für ihn gestartet habe. „Ich kann vielleicht noch vier, fünf Monate finanziell durchhalten, aber das wird nichts nützen, weil die Baustelle ja noch viel länger dauert.“ Weise ist enttäuscht, dass noch nie jemand von der Stadt vorbeigekommen sei, um mit ihm zu sprechen und vielleicht eine Lösung in Form einer finanziellen Entschädigung mit ihm zu finden. Zu der Brückenbaustelle komme in Kürze noch der Umbau der Haltestelle Rathaus Rellinghausen und die Erneuerung der Frankenstraße.

Bauleiter sollen den Kontakt mit Kaufleuten halten

Jasmin Trilling von der Stadtpressestelle kann die Nöte des Kiosk-Betreibers gut nachvollziehen. „Tatsächlich kommt es ja bei der Brückenbaustelle zu ganz erheblichen Verzögerungen. Ursprünglich wollten wir mit der Brücke fertig sein, bevor die Baustelle Frankenstraße beginnt.“ Daran sei nicht zu denken. „Die Brückenarbeiten werden auf jeden Fall bis ins nächste Jahr gehen“, so Trilling.

Generell sollten die Bauleiter mit den ortsansässigen Geschäftsleuten Kontakt halten und ihnen soweit wie möglich entgegenkommen. Es werde sich aber auf jeden Fall jemand vom Amt für Straßen und Verkehr mit dem Kiosk-Besitzer in Verbindung setzen, um mit ihm abzusprechen, welche Möglichkeiten es gebe. Mit Entschädigungen werde es schwierig, weil ja der Kiosk über die gesamte Bauzeit im Prinzip erreichbar sei.

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