Denkmal

Schillerbrunnen in Essen-Stadtwald soll wieder sprudeln

Ein Brunnen ohne Wasser: So sah der historische Schillerbrunnen in Essen-Stadtwald 2015 aus, kurz nachdem es im Umfeld und an der Denkmaltafel zahlreiche Schmierereien gegeben hatte.

Ein Brunnen ohne Wasser: So sah der historische Schillerbrunnen in Essen-Stadtwald 2015 aus, kurz nachdem es im Umfeld und an der Denkmaltafel zahlreiche Schmierereien gegeben hatte.

Foto: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services

Essen-Stadtwald.  Ratsherr Rolf Fliß von den Grünen will das denkmalgeschützte Bauwerk in Essen-Stadtwald mit Wasser wiederbeleben. Dazu werden Sponsoren gesucht.

Der unter Denkmalschutz stehende Schillerbrunnen in Essen-Stadtwald soll wieder sprudeln. Diese Idee brachte Ratsherr Rolf Fliß von den Grünen in der vergangenen Sitzung des Umweltausschusses ein. Da die Stadt die Wasserrechnung nicht übernehmen werde, müssten Sponsoren einspringen, so Fliß.

Die Wasserrechnung für die Inbetriebnahme in den frostfreien Monaten April bis Oktober werde sich schätzungsweise auf eine dreistellige bis niedrig vierstellige Summe belaufen. „Wenn sich mehrere Sponsoren finden, könnte auch jedes Jahr ein anderer die Rechnung bezahlen“, sagt Fliß. Die Verwaltung habe ihm jedenfalls bestätigt, dass der Brunnen funktionsfähig sei. „Es wäre doch schade, wenn dieses Kleinod weiter brachliegen würde“, meint der Ratsherr.

Der restaurierte Brunnen wurde zum 200. Todestag von Friedrich Schiller wieder eingeweiht

„Der Schillerbrunnen war mir immer eine Herzensangelegenheit. Ich kenne ihn schon aus meiner Kindheit von Spaziergängen mit meinen Eltern in den 1960er und 1970er Jahren. Damals führte er Wasser“, so Fliß. Er habe sich in seiner Zeit als Bezirksvertreter für die Restaurierung des Brunnens stark gemacht, die dann auch mit finanzieller Unterstützung der BV II erfolgt sei. Das Bauwerk konnte zum 200. Todestag von Friedrich Schiller 2005 wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.

Mit Hilfe eines Steinmetzes sei der Brunnen damals wieder hergerichtet worden und habe dann auch erst einmal Wasser geführt. „Wie lange, weiß ich allerdings nicht mehr“, so Fliß. Der Brunnen sei nach der Restaurierung wieder in eine Art Dornröschenschlaf gefallen, bedauert er. Auch die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald würde eine Reaktivierung des Brunnens begrüßen. „Vielleicht könnten wir uns da sogar finanziell beteiligen. Was nützt uns ein Brunnen, der nicht funktioniert?“, sagt der Vorsitzende Johannes Stoll.

Der Schillerbrunnen liegt versteckt im Wald

Der Schillerbrunnen, zum 100. Todestag des Dichters Friedrich Schiller 1905 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht, liegt etwas versteckt an einem Waldweg an der Wittenbergstraße in der Nähe von Uhlenkrug und Eschenstraße. Er ist über den Fußweg zum S-Bahnhof Stadtwald zu erreichen. Die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald ließ eine Tafel mit Erläuterungen anbringen, die 2015 erheblich beschmiert wurde.

Der Brunnen in Stadtwald besteht aus Muschelkalk und Beton. Er wurde im November 1991 in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Er gehört zu den ältesten erhaltenen frei stehenden Brunnen in Essen. Geschaffen wurde er auf Anregung des Essener Stadtverordneten Justizrat Heinz Niemeyer von dem Münchener Bildhauer Fritz Behn (1878-1970). Zur Finanzierung hatte damals der Essener Theaterdirektor Hans Gelling maßgeblich beigetragen. Der Brunnen trägt die Inschrift „Was dem Mann das Leben nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben. 9. Mai 1905“.

Bronzeverzierungen sind nicht mehr vorhanden

Die gesamte Brunnenanlage besteht aus einem Steinblock, der von halbkreisartig ausgelegten Steinen ergänzt wird. In der Mitte befindet sich das Brunnenbecken. Ein in der Mitte des Steinblocks angebrachter Kopf ist gleichzeitig figürlicher Schmuck und Wasserspeicher. Zu beiden Seiten des Kopfes befinden sich Reliefs, die Szenen aus Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“ und aus dem Stück „Wilhelm Tell“ darstellen.

Die Reliefs wurden ebenfalls von Bildhauer Fritz Behn in Bronze ausgeführt, aber erst 1907 angebracht und eingeweiht, heißt es in der Denkmalbeschreibung. Die Bronzeverzierungen sind heute nicht mehr vorhanden. Tafeln und Kopf seien wahrscheinlich 1940 einer Metallsammlung im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen und durch Betonabgüsse ersetzt worden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben