Schulprojekt

Varieté-Projekt für Essener Schüler mit und ohne Behinderung

Beim Kennenlerntreffen der Förder- und Gesamtschüler im Franz-Sales-Haus standen auch gegenseitige Berührungen auf dem Programm.

Beim Kennenlerntreffen der Förder- und Gesamtschüler im Franz-Sales-Haus standen auch gegenseitige Berührungen auf dem Programm.

Foto: Linda Sonnenberg / FFS FUNKE Foto Services

Essen-Huttrop/Steele.  Jugendliche einer Förder- und einer Gesamtschule aus Essen stehen gemeinsam auf der Bühne. Kreative Arbeit soll Vorurteile abbauen.

Für eine Aufführung besonderer Art proben Schüler der Franz-Sales-Förderschule aus Essen-Huttrop und der Erich-Kästner-Gesamtschule aus Steele. Im Juni werden sie ihm Rahmen der Schultheatertage ihr Programm „Varieté inklusiv“ aufführen. Jetzt trafen sich die Projektteilnehmer mit und ohne Behinderung zum Kennenlernen in der Gymnastikhalle des Franz-Sales-Hauses.

Das kulturelle Bildungsprojekt wird durch die Stiftung Mercator gefördert. Es wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die Projektleitung für das Franz-Sales-Haus hat der Theaterpädagoge Markus Höller übernommen. An der Umsetzung der Ideen für das „Varieté inklusiv“ arbeitet er gemeinsam mit Birgit Günster und Andrea Küpper-Marquardsen. Die Schüler werden von einem Künstler-Lehrer-Team angeleitet.

Das Modellprojekt, bei dem Schüler von Regel- und Förderschulen miteinander in Kontakt gebracht werden sollen, läuft insgesamt über drei Jahre. „Wir starten jetzt mit dem Kennenlerntreffen ins zweite Projektjahr“, erklärt Markus Höller. Anschließend gaben die Gruppen schon kleine Kostproben ihres Könnens in den Bereichen Tanz, Musik und Theater. Zusammen sollten die Schüler beider Schulen Choreografien, Rhythmen und Schauspielübungen ausprobieren.

Die Franz-Sales-Förderschule und die Erich-Kästner-Gesamtschule waren schon im ersten Projektjahr dabei, dazugekommen sind die Schule am Steeler Tor und die Gesamtschule Nord, die eine eigene Aufführung vorbereiteten.

„Am Anfang gibt es durchaus Berührungsängste“, weiß Projektleiter Markus Höller. Das zeigte sich auch beim Kennenlerntreffen im Franz-Sales-Haus, bei dem die Schüler zum Aufwärmen kreuz und quer durch den Raum gehen und dabei so vielen Mitstreitern wie möglich die Hand geben sollten. Für einige war das erst einmal befremdlich, sie agierten eher zurückhaltend.

„Körperliche Berührungen mit Fremden sind gerade auch für die Gesamtschüler erst einmal ungewohnt“, erklärt Barbara Steiner, Sprecherin des Franz-Sales-Hauses, einer katholischen Einrichtung für geistig Behinderte. „In einer Zeit, in der das Wort ,behindert’ von Jugendlichen als Schimpfwort verwendet wird, soll das Projekt dazu beitragen, Vorurteile abzubauen“, sagt Barbara Steiner. Das funktioniere nach den Erfahrungen des letzten Jahres gut.

Viele der Gesamtschüler hätten wenig Erfahrung mit dem Thema Behinderung. „Ist der Kontakt aber erst einmal hergestellt, merken sie, dass unsere Förderschüler gar nicht so anders sind wie sie selbst und sich bei einem Kulturprojekt wie ,Varieté inklusiv’ stark engagieren“, so Barbara Steiner.

Für die rund 45-minütigen Aufführungen zum Thema „Meins und Deins“, die im Juni in der Casa des Schauspiels Essen stattfinden, proben die rund 40 Kinder und Jugendlichen zwischen elf und 14 Jahren getrennt in ihren Einrichtungen. Bei fünf gemeinsamen Terminen soll dann das Gesamtprogramm zusammengesetzt werden, so Markus Höller.

„Es ist schon eine Herausforderung, so unterschiedliche Schüler zusammenzubringen“, sagt der Projektleiter. Wichtig sei, dem Einzelnen klarzumachen, welche Bedeutung er für das Gesamtprojekt habe. Wenn alle engagiert mitmachen, gelinge am Ende die Präsentation, erklärt Markus Höller. „In der Kunst gibt es keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben