Stadttauben

Tauben in Not: Steeler Arbeitsgruppe braucht Hilfe

Kümmern sich liebevoll und aufopfernd um die Tauben: Monika Hedtkamp (l.) und Astrid Spiegel vor dem Steeler Taubenschlag.

Kümmern sich liebevoll und aufopfernd um die Tauben: Monika Hedtkamp (l.) und Astrid Spiegel vor dem Steeler Taubenschlag.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Steele.  Die Arbeitsgruppe Stadttauben Steele sorgt dafür, die Tauben-Population im Stadtteil langfristig einzudämmen.

Durch nichts lässt sich Monika Hedtkamp davon abhalten, ihre Tauben zu versorgen: Tag für Tag steigt die 79-Jährige über viele Treppen auf das Dach eines städtischen Parkhauses am Rande der Steeler Innenstadt. Dort steht seit 2001 ein Taubenschlag: Damals gründete die Eibergerin die Arbeitsgruppe Stadttauben Steele, um die Population verwilderter Haustauben langfristig einzudämmen. „Die Tiere kommen zu uns, legen ihre Eier, die wir dann gegen Plastikeier austauschen“, erklärt sie das Prinzip eines Schlages, „aber natürlich erhalten sie auch Futter und sauberes Wasser“. Und bei Bedarf natürlich auch medizinische Versorgung.

Doch immer noch missverstehen viele Laien ihre Arbeit, glauben, sie würden mit ihrer Fütterung zur Vermehrung der Tiere beitragen. Das Gegenteil ist der Fall: So konnte durch die „Geburtenkontrolle“ die Population innerhalb der vergangenen Jahre von 750 auf 350 Tauben reduziert werden. „Würde es uns nicht geben, würden die Tauben innerhalb kürzester Zeit Steele mit ihrem Kot völlig verdrecken“, ist sie überzeugt von der Wichtigkeit ihrer ehrenamtlichen Arbeit. 250 Tauben haben im selbstgebauten Schlag auf dem Parkhausdach Platz zum Brüten, pro Tag werden acht Eier ausgetauscht. Allein seit Januar diesen Jahres waren es 1269 Eier.

Taubenzüchter lösen ihre Schläge einfach auf und lassen die Tiere frei

Doch nun ist die Gruppe und damit auch der Taubenschlag in großer Not: Das liegt zum einen daran, dass sie dringend noch tatkräftige Unterstützung bei der Versorgung der Tiere braucht. „Wir sind hier oben nur noch zu dritt und alle eigentlich zu alt“, klagt Monika Hedtkamp, die selbst durch einen schweren Unfall gesundheitlich stark angeschlagen ist. Durch Krankheit und Tod hat sich die Zahl der aktiven Mitglieder drastisch reduziert – und neue sind nicht dazu gekommen.

Dazu kommt, dass immer wieder Taubenzüchter ihre Schläge auflösen – und die Tiere einfach frei lassen. „Diese Tauben landen dann zum Teil bei uns“, sagt Hedtkamp und erzählt, dass teilweise von heute auf morgen 200 Tauben mehr den Weg in den Steeler Schlag finden. Auch diese Tiere müssen versorgt und gefüttert werden. „Wir sind mittlerweile finanziell am Limit, brauchen einfach mehr Geld für Futter, Stroh und Desinfektionsmittel. Da müsste auch die Stadt oder die Politik einspringen“, nennt Astrid Spiegel vom Förderverein ein weiteres Problem und nennt die konkrete Summe von 10.000 Euro jährlich, die für den Taubenschlag benötigt wird. Schließlich sei es doch im Interesse aller, dass die Taubenpopulation kontrolliert wird.

Außerdem bräuchte man immer wieder auch Geld für die Behandlung in der Taubenklinik. „Sie glauben gar nicht, wie oft wir hier Tiere haben, die verletzt sind“, sagt Astrid Spiegel. Oft sind es Taten von Tierquälern, die den Vögeln die Krallen oder Schnäbel zubinden, oder das Federkleid verkleben. „Das ist unerträglich“, sagt Monika Hedtkamp und Tränen schießen ihr in die Augen. Wie Astrid Spiegel hat auch sie ein kleines Tauben-Lazarett bei sich zu Hause, päppelt die Vögel liebevoll auf.

Bittbriefe an Organisationen und Kirchen

Um Hilfe zu erhalten, schreibt Astrid Spiegel sich seit Monaten die Finger wund, schickt Briefe mit der Bitte um Unterstützung an alle möglichen Organisationen wie die Steeler Kirchengemeinden oder den Lions-Club – ohne Erfolg. „Es gibt nicht mal eine Reaktion“, seufzt die 74-Jährige. Ratlosigkeit hat sich in der kleinen Gruppe, die noch durch einen männlichen Mitstreiter tatkräftig unterstützt wird, breit gemacht. Doch aufgeben wird keiner: „Unsere Arbeit ist sinnvoll. Und die Tauben haben auch ein Anrecht auf Leben“, ist Monika Hedtkamp überzeugt.

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