Kriminalität

Trickbetrug: Polizei Essen warnt vor neuer Notruf-Masche

Falsche Polizisten können offenbar Gespräche zwischen Opfern und der echten Polizei abhören.

Falsche Polizisten können offenbar Gespräche zwischen Opfern und der echten Polizei abhören.

Foto: Polizei

Essen.  Falsche Polizisten fordern Opfer auf, die 110 zu wählen, ohne das Gespräch mit ihnen zu beenden. So belauschen sie Gespräche mit der Leitstelle.

Immer wieder schwappen über Essen wahre Betrugswellen herein, die oft dutzende Opfer an einem Tag fordern: Zumeist ältere Menschen fallen auf gut organisierte Betrüger herein und verlieren mit einem Schlag bis zu sechsstellige Summen. Und der falsche Polizist – er führt mit Abstand die Liste der bekannt gewordenen versuchten und vollendeten Trickbetrügereien an. Jetzt haben sich die angeblichen Beamten sich eine neue, besonders perfide Masche ausgedacht, vor der die echte Polizei warnt: Über eine Art Konferenzschaltung horchen sie ihre Opfer als auch Beamte auf der Leitstelle aus. Und das völlig unbemerkt.

Dabei sieht es so aus, als ob ein so gut gemeinter wie regelmäßiger Hinweis der Behörde den Kriminellen Tor und Tür öffnet. Da sie wissen, dass die Kripo die Bürger regelmäßig auffordert, sofort den Notruf 110 zu wählen, sollten sie das Gefühl haben, von einem Trickbetrüger angerufen worden zu sein, fordern sie ihre Opfer genau dazu auf – allerdings mit dem ausdrücklichen Hinweis, die gerade aktuelle Verbindung mit ihnen nicht zu beenden. Befolgen die Angerufenen diese Anweisung, können die Täter das Gespräch zwischen Opfer und echter Polizei belauschen und womöglich wichtige Daten sammeln: Etwa die vollständigen Namen ihrer Opfer oder auch ihre Adressen. Es klingt absurd, ist bei einer geglückten Täuschung aber bittere Realität: In der guten Absicht, einem Bürger in Not helfen zu wollen, versorgt der echte Leitstellenbeamte mit seinen Fragen ausgerechnet einen Kriminellen mit wichtigen Informationen, ohne es zu ahnen.

Anlass genug, auch die eigenen Beamten zu warnen

Das ist Anlass genug, nicht nur potenziellen Opfer, an deren Geld und Schmuck die Betrüger kommen wollen, sondern auch die eigenen Beamten zu warnen. Wie Polizeisprecher Christoph Wickhorst am Donnerstag erklärte, werde aktuell in der Behörde für die neue Masche sensibilisiert, die den Betrugsexperten seit kurzem bekannt ist. Zudem prüfe man, ob es in Essen bereits zu solchen Vorfällen wie in anderen Städten gekommen sei: „Das ist nicht auszuschließen.“

An Essens Seniorinnen und Senioren richtet der Polizeisprecher den dringenden Appell, nicht während eines laufenden Gesprächs auf der Leitstelle anzurufen, wie die Kriminellen es verlangen, sondern sofort aufzulegen. Einmal mehr versichert Wickhorst, dass die echte Polizei am Telefon niemals nach Schmuck, Bargeld oder Vermögen fragen würde. Auch rufe kein echter Beamter mit einer Notrufnummer an. Die Betrüger lassen auf dem Display ihrer Opfer oft die 110 erscheinen, um sie zu täuschen.

Die Zahl der angezeigten Delikte ist binnen eines Jahres regelrecht explodiert

Die Beutezüge skrupelloser Trickbetrüger und -diebe haben in Essen inzwischen nie dagewesene Ausmaße angenommen, die Zahl der angezeigten Delikte ist binnen eines Jahres regelrecht explodiert: 845 beziehungsweise 823 der sogenannten „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“ liefen im vergangenen Jahr und 2017 bei der örtlichen Polizei auf. Das waren fast 400 mehr als noch 2016.

Die Hitliste der Betrügereien wird mit Abstand von den falschen Polizisten angeführt: 300 Mal binnen zwölf Monaten meldeten sich angebliche Beamte am Telefon und spulten ihre Lügengeschichten ab. Manchmal mit durchschlagendem Erfolg: Angebliche Beamte und Staatsanwälte setzten die Senioren über Stunden durch Telefonanrufe so heftig unter Druck, dass sie am Ende - wie von den Tätern - verlangt, die Summe von 20.000 Euro unter einem Mülleimer deponierten und ein Unbekannter das Geld abholte und mit der Beute verschwand.

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