Sicherheit

Trotz neuer Aufgaben: Essener Polizei verliert wieder Kräfte

Die Personalnot ist ein ungelöster Fall für die Essener Polizei.

Die Personalnot ist ein ungelöster Fall für die Essener Polizei.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Essen.  Nach dem Mitarbeiterschwund der Vorjahre kündigt sich ein neuer Aderlass für die Polizei Essen an. Behörde rechnet mit weniger Vollzugsbeamten.

Immer mehr Aufgaben, immer weniger Polizisten: Für die Personalnot bei der Essener Behörde ist kein Ende in Sicht. Nach dem Mitarbeiterschwund der Vorjahre kommt es nun abermals dicke: Nach Informationen dieser Zeitung zeichnet sich auch für dieses Jahr ein weiterer personeller Aderlass ab.

Die Zahl der Neueinstellungen wird die der Abgänge absehbar erneut nicht kompensieren können. Sind alle Kräfte verteilt, dürften der Essener Behörde rund ein Dutzend Beamte und Beamtinnen fehlen. Offiziell will diese Größenordnung noch niemand kommentieren. Doch egal welche Verlustzahl am Stichtag 1. September bittere Realität werden wird – eins ist sicher: „Wir werden weniger Polizeivollzugsbeamte haben“, bestätigte Polizeipräsident Frank Richter auf Anfrage. Wie viele genau, sei allerdings noch offen. Doch es wird ein weiterer personeller Tiefschlag sein, der weh tut.

Für Heiko Müller, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei für Essen und Mülheim, geht die Rechnung vorne und hinten nicht auf: „Die Behörde hat mehr Aufgaben zu erledigen, als zu erwarten war. Das Personal reicht nicht aus, um die Kriminalitätsschwerpunkte wirksam zu bekämpfen.“

Bereits im vergangenen Jahr war ein Minus von 26 Polizisten zu beklagen

Was umso schwerer wiegt, da bereits im vergangenen Jahr ein Minus von 26 Polizisten zu beklagen war. Und auch im Jahr davor sah die Situation kaum besser aus. Unter dem Strich stehe damit zum wiederholten Male ausgerechnet dort ein Personal-Minus, wo Innenminister Herbert Reul (CDU) seine „Null Toleranz-Strategie“ durchsetzen wolle, wird in Polizeikreisen moniert.

Da schwingt besonders vor Ort jede Menge Frustration aus gleich mehreren Gründen mit: Nicht nur, dass Essen als „Hochburg der Clans“ gilt. In dieser Stadt wurden mit 2439 Straftaten im Milieu der Großfamilien die mit Abstand meisten Delikte in NRW begangen und aufgedeckt, wie das Lagebild zur Clankriminalität des LKA eindrücklich belegt. Diese Größenordnung bindet Ermittlungskapazitäten in bislang nicht dagewesenen Ausmaß. Zudem musste die Essener Behörde im vergangenen Jahr nicht nur den lange zugesagten zusätzlichen Zug der Einsatzhundertschaft mit 38 Kräften aus den schon damals zu knappen behördlichen Bordpersonal ausstatten, weil dem Polizeipräsidium zwar die versprochenen neuen Planstellen zugewiesen worden war. Besetzen musste man sie jedoch aus dem Bestand. Das selbe galt für weitere vier Jobs, die beim Staatsschutz zusätzlich geschaffen worden sind.

Viele Aufgaben neben dem Aufbau der „BAO Aktionsplan Clan“ zu bewältigen

Im neuen Jahr kamen neben dem Aufbau der „BAO Aktionsplan Clan“ noch mehr neue Aufgaben hinzu: Von präsidiumseigenen Leuten betreut werden derzeit Planungen und Umbauten der ehemaligen Karstadtzentrale zu einem neuen Polizeistandort an der Theodor-Althoff-Straße als auch der Neubau für eine zentrale Behördendependance im Essener Norden, damit die derzeitige Wache am Mallinckrodtplatz leergezogen werden kann. Auch das geplante Regionale Trainingszentrum bindet zusätzliche Kapazitäten. Und dass Essener Beamte das Amok-Trainingszentrum in einem ehemaligen Bochumer Baumarkt nebenbei auch noch aufgebaut haben, davon scheint bei der Verteilung der Kräfte auf die Polizeibehörden niemand in Düsseldorf so recht Notiz nehmen zu wollen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Von den landesweit 2500 neuen Polizistinnen und Polizisten, die in diesem Jahr ihren Dienst aufnehmen sollten, werden diesmal ungewöhnlich viele auf der Strecke bleiben. Die Quote der Durchfaller ist mit mittlerweile 15 Prozent erschreckend hoch. Zuletzt lag sie noch bei zwölf Prozent.

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