Verfilmung

TV-Auftritt für Essener Komparsen beim Gladbeck-Geiseldrama

Warten auf die nächsten Regieanweisung: Detlev Mahnert vor dem Bus, in dem das Geiseldrama von Gladbeck gefilmt wurde.    Foto:Picasa

Warten auf die nächsten Regieanweisung: Detlev Mahnert vor dem Bus, in dem das Geiseldrama von Gladbeck gefilmt wurde.   Foto:Picasa

Essen.   Essener Komparsen spielen in dem TV-Zweiteiler „Gladbeck“ Opfer der Geiselnehmer Rösner und Degowski. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen.

Am Ende haben Sylvia Rotter, Detlev Mahnert und Peter Frohnert mit ihren Entführern sogar noch ein Gläschen Champagner getrunken. Die Rechnung ging natürlich auf Rösner und Degowski, also auf Sascha Alexander Geršak und Alexander Scheer, die im großen ARD-Zweiteiler „Gladbeck“ jene brutalen Bankräuber spielen, die die Republik im August 1988 drei Tage lang in einen absoluten Ausnahezustand versetzten.

Sie kaperten einen Linienbus, fuhren mit ihren Geiseln 54 Stunden lang nahezu unbehelligt durch Deutschland und die Niederlande, töteten zwei Geiseln und gaben während der Flucht vor laufenden Kameras immer wieder bizarre Interview-Auftritte. 19 Drehtage lang waren die Essener Sylvia Rotter, Detlev Mahnert und Peter Frohnert drei von diesen Geiseln, die nicht nur die Hilflosigkeit der Polizei erlebten, die die Zuständigkeit von Bundesland zu Bundesland weitergab, sondern auch eine bis dahin unvorstellbare Medien-Hatz zu spüren bekamen.

Am kommenden Mittwoch wollen die drei Essener vielleicht gemeinsam vor dem Fernseher sitzen und sich noch einmal an die spektakuläre Drehzeit erinnern, die von den Komparsen nicht nur gutes Sitzfleisch gefordert hat angesichts der ungepolsterten Ural-Bussitze. „Das war schon intensiv, manchmal sogar richtig beängstigend“, erinnert sich Peter Frohnert an die Spannung und die Intensität, mit der Sascha Alexander Geršak und Alexander Scheer den brutalen Berufsverbrechern Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski Gestalt verliehen haben.

„Wenn ihr nicht mitmacht, geht das alles den Bach runter“, haben die beiden Hauptdarsteller das Komparsenteam eingeschworen. Mitgefangen, mitgehangen. Der Schuss auf den damals 15-jährigen Italiener Emanuele de Giorgi trifft auch die Essener Darsteller während der Dreharbeiten völlig überraschend. „Das war schlimm. Man konnte die Angst und die Hilflosigkeit der Geiseln damals nachvollziehen“, erzählt Frohnert und reibt sich nachdenklich den Vollbart, der nun wieder wachsen darf.

Einfach mal eine Rasur auslassen oder die Frisur verändern – während der Dreharbeiten ist das natürlich undenkbar. „Das ist alles im Vertrag festgeschrieben“, erklärt Sylvia Rotter, für die „Gladbeck“ der erste große Komparsen-Einsatz war. Was so eine Film-Verpflichtung bedeutet, bekommt die Essenerin in langen Nachtdrehs zu spüren, für die einmal sogar eine ganze Autobahn gesperrt werden muss.. „Wir haben schon viel gefroren und viel gewartet“, erinnert sich Rotter an die Drehzeit im Spätsommer und Herbst 2016, die das Team auch nach Duisburg-Hochfeld führt, wo die Busentführung, die eigentlich in Bremen stattfand, nachgestellt wird.

Im Bus hat Sylvia Rotter damals einen festen Platz neben Peter Frohnert. Detlev Mahnert sitzt gleich hinter dem Fahrer. Was ein bisschen Pech ist, denn oft genug muss er den Platz für die Kamera räumen. „Ich werde wahrscheinlich nur von hinten zu sehen sein“, lächelt Mahnert, aber die Dreharbeiten hat er trotzdem in bester Erinnerung, schon wegen der „netten menschlichen Art der Hauptdarsteller“.

Degowski und Rösner selber haben lange gegen den Film geklagt, inzwischen erlebt das Geiseldrama von Gladbeck nicht nur seinen 30. Jahrestag, auch einer der Täter, Degowski, ist wieder auf freiem Fuß. Frohnert sieht das mit gemischten Gefühlen: „Man fragt sich schon, ist so einer heute geläutert?

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