Extremsport

Umweltschützer in Essen sind sauer auf Mountainbike-Profi

Mountainbiker Ben Zwiehoff ist bei Umweltschützern nicht wohl gelitten, denn der Radprofi trainiert in einer geschützten Altholzinsel in Heisingen.

Foto: STEFAN AREND

Mountainbiker Ben Zwiehoff ist bei Umweltschützern nicht wohl gelitten, denn der Radprofi trainiert in einer geschützten Altholzinsel in Heisingen. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Im Visier ist Mountainbike-Profi Ben Zwiehoff, der in Heisingen eine illegale Trainingsstrecke einrichtete - und dies sogar offen zugibt.

Cornelia Fitger kam das Waldstück auf dem Zeitungsfoto mit dem kühnen Mountainbiker Ben Zwiehoff bekannt vor. Nach einer Begehung war dann klar: „Eindeutig handelt es sich um einen Teil der Altholzinsel Carl Funke in Heisingen, die nicht betreten werden darf“, sagt die Aktivistin des Essener Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).

In dem gesamten Waldgelände mit seinem ökologisch wertvollen Baumbestand gebe es schwere Schäden durch Schanzen, Gräben und Steilkurven. Ungeheuerlich sei, dass Bike-Profi Zwiehoff so wenig Schuldbewusstsein habe, dass er im verbotenen Wald sogar einen Pressetermin anberaumte.

Schanzen, Gräben und Steilkurven

Auf seinen illegalen Parcours angesprochen, redet der 22-jährige Essener gar nicht groß drumherum: „Ein schwieriges Thema, aber wir sind schon sehr auf dieses Waldstück angewiesen, um trainieren zu können“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung.

Als ernsthaft verbotenes Terrain empfinde er die Altholzinsel aber nur bedingt. Der Sturm Ela habe vieles umgehauen. „Selbst ein Förster hat mir schon mal signalisiert, dass es in Ordnung ist, wenn wir mal hier in diesem Wald sind“, behauptet Zwiehoff.

Sturm „Ela“ hat viele Bäume umgehauen

Das kann sich Eckard Spengler, Sprecher von Grün und Gruga, nun wirklich nicht vorstellen. Im Gegenteil: „Wir haben immer wieder das Gelände mit Reisig-Wällen zu verbarrikadieren versucht, aber immer wieder wurde das Material zur Seite geräumt“ – ganz offensichtlich von den Mountainbikern.

Auch die Schikanen, Löcher und Aufbauten, die die Radprofis im Waldboden und an den umgestürzten Bäumen gruben und installierten, habe man mit Hilfe der Essener Arbeit und Beschäftigungs-GmbH „immer wieder rückbauen lassen“ - nur um sie kurze Zeit später wieder vorzufinden.

Hindernisse immer wieder zurückgebaut

Irgendwann, so die Stadt in einer schriftlichen Mitteilung, hätten die Ressourcen für diese ständigen Reparaturen gefehlt. „Außerdem bestand die Gefahr einer weiteren Eskalation, die vermutlich zu erhöhtem Vandalismus geführt hätte.“

Zwiehoff räumt ein: Ja, man habe diesen Parcours gebaut, und ja, „wir würden uns ja selbst auch besser fühlen, wenn wir ganz legel trainieren dürften“. Aber es gebe eben nun mal keine guten Alternativen in Essen. Und dem Wald, glaubt Zwiehoff, mache das doch letztlich gar nicht viel aus.

Sportler würden gerne legal trainieren

Von wegen, sagt BUND-Expertin Cornelia Fitger. Wurzeln zu beschädigen, den Waldboden zu verdichten, Erosionen zu produzieren, all das seien keine Kavaliserdelikte. Es leide nicht nur die ökologische Funktion des Waldbodens, sondern langfristig sogar die Standsicherheit der Bäume.

Auch Fitger hat in persönlichen Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass die Mountainbiker genau wüssten, dass sie sich dort nicht aufhalten, geschweige denn trainieren dürften. Man sehe es nicht zuletzt daran, „dass Schilder der Forstverwaltung mit Hinweis auf den Schutz und das Betretungsverbot regelmäßig entfernt wurden“. Wohl um dann behaupten zu können, man wisse von nichts.

Forstverwaltung sucht Ersatzfläche

Die immer wieder zu hörende Klage, wo man denn hin solle mit dem Gelände-Radsport, findet Cornelia Fitger einfach nur dreist: „Es gibt kein verbrieftes Recht, seinem Hobby überall auf öffentlichem Grund nachgehen zu können.“ Einer Ahndung ihrer Vergehen hätten sich die Mountainbiker bisher durch Flucht entzogen - „gelegentlich sogar verbunden mit Bedrohung der Verwaltungsperson“, so Fitger. Zwiehoff bestreitet das.

Wie auch immer: Die Forstverwaltung will erneut versuchen, eine Ersatzfläche für die Biker zu finden. Ob’s gelingt und vor allem wann, ist offen.

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