Uni Duisburg-Essen

Uni Duisburg-Essen: Einer der letzten Fusions-Gestalter geht

Verabschiedet sich nach 15 Jahren als Verwaltungschef der Uni Duisburg-Essen: Rainer Ambrosy (66) ist in den Ruhestand verabschiedet worden.

Verabschiedet sich nach 15 Jahren als Verwaltungschef der Uni Duisburg-Essen: Rainer Ambrosy (66) ist in den Ruhestand verabschiedet worden.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Duisburg.  Rainer Ambrosy war 15 Jahre Verwaltungschef der Uni Duisburg-Essen. Er hat die Fusion hautnah begleitet. Was er für gelungen hält und was nicht.

Der Wirtschaftswissenschaftler Rainer Ambrosy wurde Verwaltungschef der Uni Duisburg-Essen, da war die Fusion der beiden Hochschulen gerade mal ein Jahr alt. „Eigentlich war im Juni 2004 noch nicht viel“, sagt Ambrosy, „außer Streit natürlich.“

In den Gremien diskutierten erwachsene Menschen stundenlang darüber, ob die fusionierte Hochschule Uni Duisburg-Essen heißen solle oder Essen-Duisburg. „Essen war ja immer die größere Hochschule“, sagt Amrosy und erinnert daran, dass darüber gesprochen wurde, ob nicht „Mercator-Uni“ besser wäre - griffiger. Aber gegen den alten Duisburger Namen verwehrten sich die Essener, und der Kompromiss „Mercator-Uni Essen-Duisburg“, um allen gerecht zu werden, fand keine Freunde. „Ich habe da erkannt, dass wir mit solchen Formalismen nicht weiterkommen“, sagt Ambrosy heute. „Wir mussten zusammenwachsen über gemeinsame Erfolge und eine gemeinsame Identität.“

Die Fusion der Hochschulen hatte bundesweit kein Vorbild

Nach 15 Jahren Kanzlerschaft der Uni Duisburg-Essen ist Rainer Ambrosy jetzt in den Ruhestand gegangen, wurde am Donnerstag feierlich verabschiedet. Er ist und war einer der letzten Protagonisten an der Hochschule, die die Fusion mit Haut und Haaren mitgestaltet haben. „Da ist heute längst eine neue Generation nachgewachsen“, sagt Ambrosy, „die nicht mehr in ,Duisburg’ oder ,Essen’ denkt. Das ist auch gut so.“

Die Fusion der beiden Hochschule, bundesweit ohne Vorbild, „obwohl ich lange nach einem gesucht habe“, hält Ambrosy heute für gelungen, „da können wir alle stolz auf uns sein, auch wenn jede Fusion ein Prozess ist.“ Noch immer gibt es Wirtschaftswissenschaften hier und da, auch die Informatik verteilt sich über beide Standorte, „wenn auch mit völlig unterschiedlicher Ausrichtung“, und allein die Mathematik am Standort Essen zu bündeln, was vor Jahren geschah, ging nicht mal eben so einfach, trotz ausgesprochen vorzeigbarer Räume an der Altendorfer Straße, die die Hochschule angemietet hat.

Forschungsleistung ist erheblich gestiegen

Ambrosy ist auch stolz auf das, was die Uni Duisburg-Essen erreicht hat: Heute auf Platz 14 zu stehen, weltweit, in einem renommierten Ranking, das die 250 besten, jungen Unis aufzeichnet, dabei geht es vor allem um die Forschungsleistung. „So wichtig wie die Lehre in unserer Region auch ist: Die Forschung ist es auch, denn wegen einer mangelnden Forschungsleistung mussten die Unis Duisburg und Essen ja damals zusammengehen“, mahnt Ambrosy. Zu den größten Aufgaben, die da waren und bleiben, zählen die baulichen Erneuerungen in Essen und Duisburg: „Es entsteht derzeit ein Entwicklungsplan, der die Fehlbedarfe genau ausweist.“ Fehlbedarfe heißt: den mangelnden Platz.

D

enn die Uni, allein in Essen eingangs nur für 8.000 Studenten konzipiert, zählt heute zu den zehn größten bundesweit - mit mehr als insgesamt 40.000 Studenten an beiden Campi; das Ziel waren immer 19.000 pro Campus. Kaum ist ein neues Gebäude fertig, muss ein neues her, und die vielen Anmietungen in Essen – zum Beispiel Cinemaxx, Weststadt-Türme – sind immer nur Provisorien. In Ambrosys Amtszeit entstanden in Essen ein Chemie-Neubau, das Hörsaalzentrum, ein so genanntes Rotationsgebäude am Parkplatz, das mittlerweile die Bildungswissenschaften beherbergt. Und große Sanierungsprojekte wurden durchgezogen, „die nächsten stehen längst an.“

Scheiterte: Vision von einem turmhohen Bibliotheksbau

Was nicht gelungen ist? Es gab mal die Vision von einem Bibliotheksneubau, einem „Bücher-Turm“ hin zur Essener Innenstadt, 60 Meter hoch und gläsern, als weithin sichtbare Landmarke, „das hat niemand finanzieren wollen.“ Das KKC, die studentische Keller-Kneipe im Souterrain des Verwaltungstraktes an der Segerothstraße, steht seit Jahren leer. „Das bedaure ich wirklich sehr“, sagt Ambrosy, „denn wir brauchen mehr Platz für studentisches Leben in der Stadt.“ Immerhin seien Studierendenwerk und Hochschule ernsthaft damit beschäftigt, das KKC wiedereröffnen zu wollen; entsprechende Konzepte seien in Arbeit.

Doch grundsätzlich, bekennt Ambrosy, „hätte ich gern mehr Uni im Uni-Viertel gehabt.“ Er meint mehr Uni-Gebäude in der neu entstandenen, so genannten „Grünen Mitte“, die die Lücke zwischen Innenstadt und Campus schließt. Immerhin: Das alte Parkhaus an der Universitätsstraße soll bald weg, es ist marode, ein neues wird auf der anderen Campusseite gebaut, so bietet die alte Parkhaus-Fläche Platz für etwas Neues. „Was es wird, wird man sehen.“ So wie auch unklar ist, was auf dem Thurmfeld-Gelände neben dem neuen Schwimmbad entstehen soll, die Uni hat Bedarf angemeldet für drei Forschungseinrichtungen, „eine bekommen wir bestimmt durch.“

Spagat zwischen Kümmer-Uni und Heimstatt für exzellente Forschung

Ambrosy sagt „wir“, denn 15 Jahre als Kanzler schüttelt man nicht mal eben ab, auch wenn man seit Wochen im Ruhestand ist. „Andererseits ist eine Riesenlast von meinen Schultern gefallen.“ Der Vater dreier Söhne und Großvater zweier Enkel will die Zeit, die ihm künftig zur Verfügung steht, mehr der Familie widmen – doch der Wissenschaft bleibt er treu. Ambrosy sitzt im Universitäts- bzw. Hochschulrat der Unis Weimar und Leipzig. Der Uni Duisburg-Essen wünscht er, „dass der Trend bergauf weiter anhält.“ Nicht, was das Wachstum angeht, sondern den Spagat, den die Uni Duisburg-Essen mittlerweile meistert: Einerseits Uni für die Region zu sein mit ihren vielen jungen Leuten ohne akademisch ausgebildete Eltern. Eine Uni zu sein, die Chancen möglich macht – und andererseits trotzdem Spitzenforschung zu betreiben, die weltweit wahrgenommen wird. „Das haben wir mittlerweile erreicht, so soll es weitergehen.“

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