Start-up

Unternehmensgründer bauen Garnelenzucht in Essen auf

Christoph Poschmann (links) und Timon Orths vom Start-up R(h)eingarnelen züchten Garnelen im Keller des Triple Z. Die Jungtiere wachsen zunächst in sogenannten Larvenkreisen heran.

Christoph Poschmann (links) und Timon Orths vom Start-up R(h)eingarnelen züchten Garnelen im Keller des Triple Z. Die Jungtiere wachsen zunächst in sogenannten Larvenkreisen heran.

Foto: Nadine Przystow / FUNKE Foto Serivces

Essen.  Exotische Gründeridee mitten im Ruhrgebiet: Das Start-up R(h)eingarnelen will Garnelen züchten, sowohl für Aquarien als auch für Farmen.

Als Timon Orths die ersten Garnelen für sein heimisches Aquarium züchten wollte, da gab es vor allem erstmal Rückschläge. Aus 1000 Larven zog er anfangs nur drei bis vier Tiere. Für manche wäre das vielleicht ein Grund gewesen, die Idee schnell wieder zu begraben. Doch den 32-Jährigen, der sein halbes Leben lang schon Aquarianer ist, spornte das an.

Bei Aquarianern beliebt und weit verbreitet ist die Amano-Garnele; benannt nach dem japanischen Aquarienpapst Takashi Amano. Sie zu züchten, ist nicht einfach. Denn die Tiere, die im Süßwasser leben, brauchen im Larvenstadium Salzwasser. Bislang kommen sie deshalb vor allem als Wildfang in Asien in die deutschen Aquarien. Mit allen damit verbundenen Problemen: Zerstörung des Ökosystems, lange Transportwege um die halbe Welt und Einschleppung von Krankheiten.

„Das muss doch anders gehen“, sagte sich Timon Orths, der an der Uni Duisburg-Essen Water Science studierte. Er experimentierte dort mit seinem Freund Christoph Poschmann, einem Chemielaboranten und Experten für Algen, ein Jahr lang mit Temperaturen und dem richtigen Futter. Sie erstellten Protokolle über Überlebensraten. „Wir haben jeden Tag stundenlang Larven unterm Mikroskop gezählt. Eine Fleißarbeit“, sagt Timon Orths. Ein Gründerstipendium des Bundes machte diese Kärrnerarbeit erst möglich. Mittlerweile sind sie mit der Zucht so erfolgreich, dass sie daraus ein Geschäft machen wollen. Mit ihrem Start-up R(h)eingarnelen stehen beide Jungunternehmer nun kurz vor dem Markteintritt.

Die R(h)eingarnelen haben Bleibe im Triple Z in Essen gefunden

Wer ihre Garnelenzucht sucht, muss in den Keller der ehemaligen Waschkaue des Zollvereinschachtes 4/5/11 an der Katernberger Straße steigen. Im Gründerzentrum Triple Z, das sich heute dort befindet, haben Timon Orths und Christoph Poschmann seit wenigen Wochen ihre Aquarien aufgebaut. Hunderte Tiere dribbeln bereits im grüntrüben Wasser, und in den sechs kreisrunden Aufzuchttrommeln wächst tausendfach der Nachwuchs heran. Von Katernberg aus sollen ihre Amano-Garnelen bald den Siegeszug in die heimischen Aquarien antreten. 30 bis 40 Cent bekommen sie pro Garnele, wenn sie sie an den Großhandel verkaufen. Der Aquarianer legt im Laden gerne drei bis vier Euro dafür hin.

Die Amano-Garnele soll jedoch nur das Brot- und Buttergeschäft der R(h)eingarnelen werden, also die Einnahmen des jungen Unternehmens sichern. Schließlich ist der deutsche Aquaristikmarkt einer der größten in Europa. Timon Orths und Christoph Poschmann wollen darüber hinaus auch dafür sorgen, dass künftig auf den Tellern der Deutschen frische Zuchtgarnelen landen – nicht made aber immerhin geschlüpft in Essen-Katernberg. Dafür wollen sie Tigergarnelen in ihren Aquarien ausbrüten und bis zur Baby-Garnele heranziehen. Diese sollen dann an Aqua-Farmen verkauft werden, wo sie zu erwachsenen Tieren heranwachsen können. Bislang kommen diese Zuchttiere für den europäischen Markt ausschließlich aus den USA. Auch dabei sind also lange Transportwege notwendig.

Erweiterung im Triple Z in Zukunft möglich

Erst vier Großbetriebe betreiben in Deutschland eine Garnelenzucht. Doch Orths und Poschmann setzen darauf, dass der Markt in Deutschland wächst. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Menschen achten immer mehr darauf, was ihnen auf den Teller kommt, wo es herkommt und wie es produziert wird. Gerade Aquakulturen in Asien haben vor einiger Zeit Negativschlagzeilen produziert, weil Garnelen-Farmen dort mit massiven Einsatz von Antibiotika arbeiten.

In Deutschland dagegen werden die Tiere antibiotikafrei gehalten, sagt Poschmann. Denn eine Auflage sei, die Filter in solchen Aquakulturen biologisch zu betreiben. Antibiotika im Wasser aber würde die Bakterien in solchen Filtern zerstören.

Die ersten Tiere, zehn Zentimeter lang und für die Gabel gedacht, schwimmen bereits in einem ihrer Becken. Quasi als Beweis, dass die Aufzucht aus ihren Babygarnelen gelingt. Die Elterntiere haben noch keine Bleibe im Triple Z und sind derzeit noch in einem Großaquarium ausgelagert. Allerdings will das Gründerzentrum bald eine weitere Halle bauen. Und wenn das Geschäft der R(h)eingarnelen gut anläuft, stellt Triple-Z-Chef Dirk Otto dort schon Erweiterungsmöglichkeiten in Aussicht.

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