Musik

Vater und Sohn Cortés: Der Flamenco als Familienbetrieb

Ein eingespieltes Team: die Musiker Rafael Cortés und sein Sohn Rafael Cortés junior.                                                                  Foto: Gödde

Ein eingespieltes Team: die Musiker Rafael Cortés und sein Sohn Rafael Cortés junior. Foto: Gödde

Essen.   Rafael Cortés ist ein Großmeister der Flamenco-Gitarre. Mit Sohn Rafael hat der Musikstar aus Altenessen einen erstklassigen Partner an der Seite

Es gibt Musiker, bei denen ist man sich sicher, dass der Gitarrenkoffer die bessere Wiege gewesen ist. Rafael Cortés ist kaum vier Jahre alt, als er in diesem Koffer jenes Instrument findet, das bis heute seine ganze künstlerische Leidenschaft, sein meisterlich beherrschtes Ausdrucksmittel ist. Wie sehr er dieses Lebensgefühl mit seinem Sohn Rafael teilt, das kann man bald wieder auf der Bühne erleben. Am Montag sind Vater und Sohn beim Weihnachtskonzert in der Lichtburg zu erleben. Am 15. Dezember treten die zwei im Schloß Borbeck auf.

Der Flamenco als Familientradition: Rafael Cortés stammt aus einer spanischen Flamenco-Dynastie. Schon die Großeltern kommen während der Franco-Zeit nach Deutschland. Rafael Cortes wird 1973 in Altenessen geboren, der Großvater schenkt ihm die erste Gitarre. Bald schon spielt der Steppke wie ein Großer, mit 14 bekommt er sein erstes Konzert in der Zeche Carl in Altenessen. Seit Jahren gehört Rafael Cortés weltweit zu den gefeierten Flamenco-Virtuosen. Er gibt der Musik aber auch immer wieder neue Impulse, spielt mit Jazz- und Latin-Einflüssen.

„Mein Vater war für mich immer das größte Vorbild“

Auch bei Rafael Junior dauert es nicht lange, bis das Musik-Virus überspringt. „Mein Vater war für mich immer das größte Vorbild“, sagt der 21-Jährige. Wenn der Tourbus vorm Haus der Eltern in Altenessen hält, versteckt er sich zwischen den Sitzen. „Da mussten wir ihn dann wieder rausholen“, erinnert sich Rafael Cortés lachend.

Aber bald schon darf auch Cortés junior mit auf die Bühne. In der Lichtburg geben Vater und Sohn eines ihrer ersten gemeinsamen Konzerte. „Da warst du neun oder zehn und hast die Füße vom Hocker aus noch gar nicht auf den Boden bekommen“, so Cortés. Inzwischen sind sie nicht nur ein unschlagbares Team auf der Bühne. Der 21-jährige Rafael Cortés, der gerade eine Ausbildung zum Bürokaufmann macht, hat auch das Booking für den gefragten Papa übernommen. „Er sollte noch eine Option haben, die ich nicht hatte“, unterstützt der 44-Jährige die Wahl des bürgerlichen Alternativ-Berufs. Vielleicht wird Cortés-Junior irgendwann mal eine Künstleragentur gründen. Sein Vater dürfte das Zugpferd werden.

Denn wo der Name Cortés fällt, da sind die anderen Größen der Musikwelt nicht weit. „Gitarrengott“ Paco de Lucia hat mit dem Essener Musiker einst beim Leverkusener Jazzfestival das Publikum verzaubert. Und auch die Fantastischen Vier bitten den Meistergitarristen gerne mal mit auf die Bühne.

Seine Heimat ist Altenessen, nicht Granada

Am liebsten aber steht Cortés mit seinem Sohn auf der Bühne. Zusammen zu spielen, das fühle sich nach Zuhause an, sagt er. Zuhause, das ist für einen, der das andalusische Lebensgefühl transportiert wie kaum ein anderer, eben nicht mehr Granada, sondern Altenessen. „Da fühl ich mich wohl.“ Gerade ist er aus Karnap an den Ort der Kindheit zurückgezogen. Hier begrüßen ihn die Nachbarn nach einer gefeierten Tournee einfach mit: „Na, Dicken, spielze immer noch Gitarre?“

Diese Mischung aus Ruhrpott-Herzlichkeit und Ibero-Temperament hat auch seinen Sohn geprägt. Die beiden sehen sich nicht nur ähnlich, sie sind sich auch musikalisch ganz nah. Vieles habe er sich einfach beim Vater abgeguckt, verrät der 21-Jährige. Und wenn der gerade irgendwo in der Welt gespielt hat, dann hat er die Läufe und Akkorde zur Not auch mit Hilfe eines Youtube-Video geübt.

„Was man mit Liebe macht, sollte man nicht bewerten“

Aber natürlich hat er auch mal revoltieren wollen. „Papa, ich spiele jetzt Beatles“, hat Cortes-Junior irgendwann verkündet. „Ein Jährchen, dann hat er wieder Flamenco gespielt“, lächelt der 44-jährige Vollblutmusiker. Und weiß selbst nicht so genau, wie viel väterliche Erwartung, Liebe und Ehrgeiz am Ende dieses familiäre Zusammenspiel gerundet haben: „Niemand begleitet mich besser.“ Jeder Blick, jedes Blinzeln ist da stilles Einverständnis. Geprobt wird aber immer noch intensiv vor gemeinsamen Konzerten. Ohne die notwendige Virtuosität und Technik entsteht nicht diese Leichtigkeit, diese Emotionalität, die das Spiel so mitreißend machen.

Ob bei aller Könnerschaft auch mal Konkurrenzdenken aufkommt? „Nie“, sagt Rafael Cortés. Das Höher-schneller-weiter-Denken ist ihm bei aller Virtuosität fremd. „Deshalb habe ich auch nie an Wettbewerben teilgenommen“, so Cortés. „Was man mit Liebe macht, sollte man nicht bewerten.“

Hier gibt’s Tickets für die nächsten Cortés-Konzerte

Zum Kult gewordenen Weihnachtskonzert laden Rafael Cortés und sein Sohn Rafael am Montag, 10. Dezember, 20 Uhr, in die Lichtburg. Resttickets (19 - 34 Euro) an der Kinokasse, unter 23 10 23 und www.filmspiegel-essen.de/veranstaltungen


Rafael Cortés & Friends: Beim Weihnachts-Special im Schloß Borbeck sind die Musiker am Samstag, 15. Dezember, 19 Uhr im Residenzsaal zu hören. Als Gastmusiker steht Essens ehemaliger Kulturdezernent und Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt mit auf der Bühne. Tickets (25/erm. 19 Euro) unter 88 44 219 und kulturzentrum@schlossborbeck.essen.de

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