Konzert

Verdi-Requiem: Essener Bachchor wagt musikalische Großtat

Ein imposanter Auftrittsort: Die Erlöserkirche ist die Heimat des Essener Bachchors, hier eine Archivaufnahme.

Ein imposanter Auftrittsort: Die Erlöserkirche ist die Heimat des Essener Bachchors, hier eine Archivaufnahme.

Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Essen.  Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ gilt als echter Kraftakt. Essener Bachchor nimmt die Herausforderung an. Das Publikum ist spürbar ergriffen.

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Nur wenigen Kirchengemeinden ist es vergönnt, ein derart monumentales geistliches Werk wie Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ zu stemmen. Stephan Peller sah dem enormen Aufführungsaufwand mutig ins Auge und kam mit seinem Essener Bachchor zu einer so beeindruckenden Wiedergabe, dass das Publikum in der vollbesetzten Erlöserkirche erst nach einer Minute des Schweigens zu applaudieren wagte.

Zu groß sind die Kontraste, die Verdi in seiner tief verwurzelten Religiosität und Heilszuversicht noch am Schluss aufeinanderprallen lässt: hier das erdrückend bombastisch einfallende „Dies irae“, dort das jenseitig verklärte „Libera me“, das wie so manche andere Passage die stilistische Nähe zur „Aida“ nicht leugnet.

Erlöserkirche: Trompeten blasen von der Orgelempore zum jüngsten Gericht

Oper und sakrale Musik schlossen sich für den Italiener bekanntlich nicht aus. Gleichwohl mied Peller die allzu spektakuläre Geste. Auch wenn die vier Trompeten von der Orgelempore zum Jüngsten Gericht bliesen, beschwor der Kantor keine bühnenreife Tempesta-Szene herauf.

Der Essener Bachchor – auch 125 Jahre nach seiner Gründung immerhin ein Laienchor – vermochte sich in Großbesetzung durchaus druckvoll zu behaupten, im Piano durchsichtiger und samtiger (Psalmodie!) als an den klanglichen Höhepunkten, wo Pauken und Blechbläser des stark erweiterten Folkwang Kammerorchesters sich recht dominant, auch gegenüber den Streichern, behaupteten.

Harmonie, hochkarätige Gesangskunst und Aplomb verströmte das Solistenquartett und erhob damit nicht nur das Offertorium zur tönenden Insel der Seligen. Neben Karsten Mewes (Bass) betörte Benjamin Bruns mit einem wahren Bilderbuchtenor, Martina Rüping bot einen anrührend schönen Sopran, Annika Schlicht vorbildliche Mezzo-Kultur aus dem Füllhorn.

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