Villa Ruhnau

Villa Ruhnau hat für die Kettwiger ortsprägenden Charakter

Die Villa am Bögelsknappen: Das Gebäude aus dem Jahr 1905 diente u.a. als Gasthaus und Kinderkankenhaus. Es war zudem lange Heimat des bekannten Architekten und Künstlers Werner Ruhnau.

Die Villa am Bögelsknappen: Das Gebäude aus dem Jahr 1905 diente u.a. als Gasthaus und Kinderkankenhaus. Es war zudem lange Heimat des bekannten Architekten und Künstlers Werner Ruhnau.

Foto: Carsten Klein

Essen-Kettwig.  Über das Schicksal der Villa Ruhnau am Bögelsknappen wird in Kettwig heftig diskutiert. Tobias Korenke ist einer, dem die Villa am Herzen liegt.

Die Villa Ruhnau am Bögelsknappen und das Vorhaben eines Investors, das dahinter liegende Grundstück zu bebauen, sind seit mehreren Monaten Gesprächsthema in Kettwig – auf der Straße wie in den sozialen Medien. Etliche Bürger diskutieren das Für und Wider.

Tobias Korenke ist einer von ihnen. Er hat selbst einige Jahre in der Villa gelebt und sogar den renommierten Architekten Werner Ruhnau kennengelernt. „Werner Ruhnau war sicher nicht immer der umgänglichste Mensch, aber er hat dieses Haus zu einem kulturellen Ort gemacht. Es war eine sehr lebendige Atmosphäre von Künstlern, Literaten und Kreativen“, erinnert sich der 54-jährige Sprecher der Funke Mediengruppe, der von 2004 bis 2009 am Bögelsknappen wohnte.

Schon damals habe ihn der mächtige Bau aus der Jahrhundertwende fasziniert: „Die alten Bäume, der Garten mit seiner imposanten Treppenanlage zum hinteren Anbau, das hat schon was.“

„Gesichtslose Luxus-Wohnblöcke im pervertierten Bauhaus-Stil“

Inzwischen lebt Tobias Korenke halb in Berlin, halb in Essen. Der Kettwiger Villa ist er noch immer verbunden. „Klar, habe ich die Diskussionen in den sozialen Medien verfolgt. Ich poste nicht oft, aber da habe ich mich zu Wort gemeldet.“

Zur Architektur-Simulation des Nachbarschaftskreises Bögelsknappen, die ein um den Anbau reduziertes Villengebäude und zwei massive Häuserblöcke dahinter zeigt, schreibt er: „So ähnlich wird das Ensemble um die Villa Ruhnau aussehen, wenn die Investorin, die Glück- Auf-Unternehmensgruppe, ihr Vorhaben wahr macht. Das Hinterhaus abgerissen, das Gelände hinter dem Haus mit gesichtslosen Luxus-Wohnblöcken im pervertierten Bauhaus-Stil zugepflastert.“ Irgendwann, so mutmaßt Korenke, könnte das Vorderhaus abgerissen werden.

Schon zu viele historische Häuser seien in der Vergangenheit im Essener Stadtgebiet der Abrissbirne zum Opfer gefallen, erklärt der Essener im Gespräch mit der Redaktion. Das Karstadt-Haus etwa oder in Werden das Kaiser-Friedrich-Haus an der Forstmannstraße. „Das Jugendstilhaus hatte den Platz um das kaiserliche Bronze-Denkmal schön abgerundet. Der Witz ist, dass zwei Jahre später noch immer nichts Neues steht.“ Er habe den Eindruck, dass andere Städte eher bereit seien, historische Substanz zu erhalten oder sie zumindest zu rekonstruieren.

Villa hat einen ortsprägender Charakter

Er spreche sich nicht gegen moderne Architektur aus, „doch Schuhkartons sind nicht Bauhaus, sondern Investorenarchitektur, die möglichst viel Ertrag bringen soll“. Das Ensemble um die Villa Ruhnau habe ortsprägenden Charakter, „die sich abzeichnende städtebauliche Katastrophe wird auch ortsprägenden Charakter haben“, befürchtet Korenke. Er entwirft ein Gegenbild, kann sich eine Nutzung der Villa etwa durch Start-Ups vorstellen. „Das ist auf jeden Fall ein besonderer Ort für ein besonderes Projekt. Der Bereich wäre ein toller Waldkindergarten. So etwas würde ich auch gerne zu meinem Projekt machen – im Sinne von bürgerschaftlichem Engagement!“

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