Öko-Lebensmittel

Warum Essener Jung-Unternehmer auf Bio-Gemüse setzen

Kira Wischnewski (Modellprojekt integrative urbane Landwirtschaft) präsentiert Öko-Gemüse auf dem Weberplatz.

Kira Wischnewski (Modellprojekt integrative urbane Landwirtschaft) präsentiert Öko-Gemüse auf dem Weberplatz.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Beim „Tag der guten Lebensmittel“ auf dem Weberplatz in Essen präsentieren sich viele Start-Up-Unternehmen, die mit Bio-Gemüse handeln.

Für den 13 Monate alten Aram ist der Tag der guten Lebensmittel ein voller Erfolg: Die kleinen Hände voller Mirabellen, purzelt er fröhlich über den Weberplatz und bezaubert die Besucher und Händler gleichermaßen. Das Obst hat Aram bei Jonny Schutty abgestaubt; der Essener betreibt seit zwei Jahren gemeinsam mit Patrick Schneidereit einen Bio-Gemüseanbau auf der Bonnekamphöhe, einer großen Lichtung mitten in Katernberg. Ihr Start-Up-Unternehmen haben die beiden zur rechten Zeit gegründet: Immer mehr Menschen ernähren sich bewusst mit regionalen Lebensmitteln, die gut, sauber und fair hergestellt werden. „Auch bei unserem Vertrieb achten wir auf Nachhaltigkeit“, sagt Patrick Schneidereit. Frisch geerntete gemischte Gemüsetüten kann man bei ihnen im Internet bestellen und an vier verschiedenen Ausgabestellen in der Stadt abholen.

Die beiden Jungunternehmer gehören zu den 30 regionalen Händlern, die ihre Stände beim dritten Tag der guten Lebensmittel auf dem Weberplatz aufgebaut haben. Der füllt sich langsam, aber sicher, mit Besuchern; die meisten kommen gezielt in die nördliche Innenstadt, um Käse, Wurst, Brot, Fleisch oder Bier aus regionaler Produktion zu kaufen. So wie Regine Borchert und Stefan Komorowski: „Wir achten immer darauf, Lebensmittel einzukaufen, die im Umkreis produziert werden, wollen keine Äpfel, die aus Neuseeland eingeflogen werden“, sagt Regine Borchert. Marktbesuche gehören für die beiden Essener zum wöchentlichen Einkaufsritual, „und besonders gerne kommen wir auf den schönen Weberplatz, besuchen regelmäßig den Feierabendmarkt, der hier stattfindet“.

Bio ist nicht billig

Natürlich hat nachhaltiger Bio-Anbau seinen Preis: Da kostet das Kilo Tomaten über fünf Euro, das Pfund Kaffee liegt bei zwölf Euro, die Fleischpreise erreichen ein Vielfaches dessen, was die großen Supermarktketten verlangen. Das muss man sich auch leisten können. „Wer bewusst plant und kocht und nicht jeden Tag sein Stück Fleisch auf dem Teller haben möchte, der kann sich auch von regionalen Bioprodukten ernähren, ohne arm zu werden“, hält Karolin Müller dagegen. Die dreifache alleinerziehende Mutter kauft nicht nur bewusst gesund ein, sie hat auch ein Stück Feld bei den Ackerhelden gepachtet und zieht in den Bio-Mietgärten ihr eigenes Gemüse groß.

„Unsere Mietgärten befinden sich in Eiberg, direkt am Biolandbetrieb Klosterberghof“, erzählt „Ackerheld“ Birger Brock, einer der beiden Gründer des Essener Unternehmens, das mittlerweile deutschlandweit Standorte in 16 Städten hat. „Die Nachfrage wächst stetig, wir haben bereits eine lange Warteliste“, so Brock. Selbst anbauen statt kaufen – auch das liegt voll im Trend.

Zwölf Gemeinschaftsgärten in Essen

Davon kann auch Frank Münter von „Transition Town“ erzählen: Die weltweite Initiative, die selbstverständlich beim Tag der guten Lebensmittel dabei ist, betreut unter anderem das Projekt „Gemeinschaftsgärten“ in Essen: „Mittlerweile haben wir in der ganzen Stadt zwölf Gärten, in denen ganz frei gearbeitet werden kann.“ Die Gemeinschaften finden sich zwanglos zusammen, jeder, der will, kann mitmachen. Mitmachen können auch die Besucher des besonderen Markttages bei der Schnibbel-Disco: Aus übrig gebliebenem Gemüse köcheln sie gemeinsam eine Suppe, „das hat augenscheinlich viel Spaß gemacht und dazu noch gut geschmeckt“, zeigt sich Organisator Manfred Weniger vom Netzwerk „Gute Lebensmittel im Revier“ mit dem gesamten Tag zufrieden: „Die steigende Nachfrage zeigt uns: Dieser Tag könnte durchaus öfter als einmal im Jahr stattfinden.“

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