Benimmregeln

Was auf Weihnachtsfeiern erlaubt ist und was nicht

Alkohol auf Weihnachtsfeiern ist erlaubt, aber besser nur in Maßen.

Alkohol auf Weihnachtsfeiern ist erlaubt, aber besser nur in Maßen.

Essen.  Weihnachtsfeiern mit Kollegen können Tücken haben: Der Essener Unternehmensverband erklärt deshalb, was Mitarbeiter beachten sollten.

In vielen Betrieben stehen wieder die Weihnachtsfeiern an. Eine ausgelassene Stimmung ist zwar gut fürs Betriebsklima, sollte jedoch nicht übertrieben werden. Was Mitarbeiter aber auch Chefs zu beachten haben, erklärt Rechtsanwalt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer vom Essener Unternehmensverband.

Muss man als Mitarbeiter bei einer betrieblichen Weihnachtsfeier teilnehmen?

Kanders: Nein, Weihnachtsfeiern sind keine Pflichtveranstaltungen. Sofern sie außerhalb der Arbeitszeit stattfinden, kann jeder selbst entscheiden, ob er mitfeiern möchte. Findet die Veranstaltung aber während der Arbeitszeit statt, können die feiermüden Mitarbeiter nicht einfach nach Hause gehen, sondern müssen stattdessen arbeiten oder sich für den Tag Urlaub nehmen.

Ist der Arbeitgeber überhaupt verpflichtet, eine Weihnachtsfeier auszurichten?

Der Arbeitgeber ist nicht in der Pflicht, aber solche Feiern haben in vielen Betrieben Tradition und sind auch ein Zeichen von Wertschätzung der Mitarbeiter. Betriebsfeiern sind daher für den Arbeitgeber immer eine sinnvolle Investition ins Betriebsklima.

Was ist, wenn sich jemand bei der Feier daneben benimmt?

Auch wenn die Feier nicht zur eigentlichen Arbeit zählt, gelten die so genannten gegenseitigen Nebenpflichten des Arbeitsverhältnisses weiter. Für Fehlverhalten kann eine Abmahnung ausgesprochen werden. Bei besonders schweren Verstößen müssen Mitarbeiter fast zwangsläufig mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung rechnen.

Wann spricht man von schweren Verstößen?

Das können unsittliche Berührungen oder auch schwere Beleidigungen sein.

Und wenn der Chef selbst auf einer solchen Feier übergriffig wird?

Dann sollten sich Betroffene an den Betriebsrat wenden.

Ein Kollege macht mit dem Handy Fotos der Feier und stellt sie bei Facebook ein. Darf er das?

Nein, es sei denn, er hat vorher alle Personen auf dem Foto um Erlaubnis gefragt.

Wenn einem der Vorgesetzte oder auch ein Kollege in beschwingter Alkohollaune das „Du“ angeboten hat, duze ich diesen dann am nächsten Tag im Büro?

Wenn man das Gefühl hat, dass der Kollege oder Chef auf der Feier schon angetrunken war, dann sollte man am nächsten Tag besser abwarten, bis dieser das Wort an einen richtet. Siezt er Sie, dann sollte man das auch so halten.

Darf bei Weihnachtsfeiern überhaupt Alkohol getrunken werden?

Alkohol ist erlaubt, wenn er bei der Feier ausgeschenkt wird. Auch dann, wenn im Unternehmen sonst ein absolutes Alkoholverbot gilt. Aber wenn ein Mitarbeiter so betrunken ist, dass er seine Kollegen anpöbelt oder angreift, ist die Schwelle zum kündigungsrelevanten Fehlverhalten überschritten.

Nehmen wir an, auf der Feier wird viel getrunken und ausgelassen getanzt. Ein Mitarbeiter stürzt dabei auf der Tanzfläche und verletzt sich. Ist das dann ein Arbeitsunfall?

Ja, denn es handelt sich ja um eine betrieblich veranlasste Feier. Die Mitarbeiter sind versichert, sobald die Feier beginnt – auch schon auf dem Weg dahin und nach Hause. Der Schutz gilt, solange die Feier offiziell dauert. Wenn der Chef aber das Ende verkündet, und ein Mitarbeiter danach zu Schaden kommt, ist das kein Arbeitsunfall mehr. Gleiches gilt, wenn Mitarbeiter noch in eine andere Lokalität ziehen, und dort etwas passiert.

Wie steht es um den Dresscode bei Weihnachtsfeiern? Dürfen Bankmitarbeiter in Jogginghose kommen?

Mitarbeiter sollten in der Regel so erscheinen, wie am Arbeitsplatz. Es sei denn, der Chef hat einen Casual-Dresscode für die Feier festgelegt.

Muss der Chef allen Mitarbeitern die Teilnahme an der Feier ermöglichen?

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber nicht willkürlich einzelne Mitarbeiter ausschließen. Sonst verstieße er gegen den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz. Der Arbeitgeber kann sich aber durchaus dazu entscheiden, die Feier nur für eine Abteilung oder nur für bestimmte Mitarbeiter abzuhalten, für andere Abteilungen nicht. Einzelne Mitarbeiter kann der Arbeitgeber ausnahmsweise von der Weihnachtsfeier ausschließen, wenn dies aus sachlichen Gründen erforderlich ist – z.B. wenn der Betrieb während der Feier aufrechterhalten werden muss.

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