Leseförderung

Wie der Sommerleseclub Kinder in Essen für Bücher begeistert

Große Sommerleseclub-Fans: Nadine Schermankowski besucht mit ihren Töchtern Lena (links) und Pia auch in den Ferien die Stadtbibliothek Freisenbruch im Bürgerhaus Oststadt.

Große Sommerleseclub-Fans: Nadine Schermankowski besucht mit ihren Töchtern Lena (links) und Pia auch in den Ferien die Stadtbibliothek Freisenbruch im Bürgerhaus Oststadt.

Foto: Nadine Przystow

Essen-Freisenbruch.  Kinder für Bücher begeistern und Lesen fördern: Darauf setzt die Stadtteilbibliothek Freisenbruch beim Sommerleseclub – ein stadtweites Angebot.

Den Sommerleseclub gab es in der Stadtteilbibliothek Freisenbruch bereits, als Maryam Alizadeh dort noch nicht gearbeitet hat. Seit zehn Jahren aber kümmert sie sich als Leiterin mit viel Herzblut, Einsatz und Erfahrung um das Ferienangebot für Kinder, um diese in die Bibliothek zu locken und für Bücher zu begeistern. Denn hinter der Club-Idee steckt neben dem Ferienspaß ein ernster Hintergrund: Es geht um Lese- und damit auch um Sprachförderung. Kinder und Eltern können jetzt beim Sommerleseclub einsteigen – die Teilnahme ist kostenlos.

In der Stadtteilbibliothek Freisenbruch, die im Bürgerhaus Oststadt am Bergmannsfeld und unweit des Hörsterfeldes liegt, zählen Familien vieler, unterschiedlicher Nationalitäten zu den Besuchern. Längst weiß Maryam Alizadeh, dass manche Mächen und Jungen kein Buch in ihrem Kinderzimmer haben, und dass das abendliche Vorlesen nicht in jeder Familie zum Alltag zählt: „Dem wollen wir so früh wie möglich entgegensteuern.“

Für den Sommerleseclub in Kitas und Schulen geworben

Daher hat sie vor den Ferien in fünf Kindergärten und auch zwei weiterführende Schulen für den Sommerleseclub geworben – wie übrigens ihre Kolleginnen in anderen Vierteln auch. Denn das Angebot findet beispielsweise ebenso in Schonnebeck, Kettwig oder der Zentralbibliothek im Gildehof statt.

In Freisenbruch hat die Leiterin mit Unterstützung der Mitarbeiterinnen Anja Nessit und Sina Eltus ein Programm auf die Beine gestellt, zu dem Upcycling-Workshop, Trickfilm-Dreh und Bilderbuchkino gehören. Die Kinder basteln, malen oder fotografieren – alles findet zwischen den Bücherregalen statt: analog und digital.

„Die Angebote müssen zum Stadtteil und unseren Besuchern passen“, erklärt Maryam Alizadeh, die hofft, auch neue Nutzer erreichen zu können. Und so bedeuten die Vorbereitungen für das Leseclub-Programm einen langen Vorlauf, damit die Kinder dann für 60 Tage Mitglieder des Sommerleseclubs werden können. „Wir haben das Alter gesenkt, so dass schon Vorschulkinder teilnehmen können“, sagt sie. Erstmals können Kinder mit Eltern als Team starten. Auch das soll dazu beitragen, die Hemmschwelle zu senken und die Erwachsenen zu erreichen.

Familie aus Horst nimmt mit gleich drei Töchtern teil

Mit dabei ist bereits Familie Giesa mit Mutter Stephanie, Vater Andreas, Tochter Sara und deren Freundin Emma (beide 8). Erfahrung bringt Nadine Schermankowski (37) mit: Die Mutter aus Horst nimmt mit ihren drei Töchtern zum zweiten Mal am Sommerleseclub teil. Sie bildet mit der siebenjährigen Lena das Club-Team Elsa, um das Logbuch zu füllen und dafür verschiedene Aufgaben zu erfüllen. So gibt es zum Beispiel einen Stempel für jedes gelesene Buch. Die Schwestern Amely (10) und Pia (9) sind genauso begeistert dabei und verschlingen zu Hause ihren Lesestoff regelrecht.

So einfach sei es aber eben nicht immer, beim Nachwuchs das Interesse am Lesen zu wecken, sagt Maryam Alizadeh – und erläutert zum Aspekt Sprachförderung: Wenn Kinder in den großen Ferien in ihren Familien kein Deutsch sprechen oder Urlaub in den Herkunftsländern machen würden, dann bedeute das mit Beginn der Schule oder des Kitabesuchs mitunter, dass sie sprachliche Rückschritte wieder aufholen müssten.

Schon das Einlassen auf eine Hör-CD kann ein Erfolg sein

„Deswegen ist diese Lese- und Sprachförderung in den Ferien so wichtig“, betont die Bibliotheksleiterin, die in Kontakt mit den Kitas und Schulen steht. Für die Kinder gibt es zum Ende des Sommerleseclubs im September ein Abschlussfest und nach erfolgreicher Teilnahme eine Urkunde, die mitunter auf dem Zeugnis vermerkt wird.

Als Erfolg wertet Maryam Alizadez bereits, wenn ein Kind sich auf eine Hör-CD einlässt, um sich in eine Geschichte zu vertiefen und später vielleicht zum Lesen inspirieren zu lassen: „Deshalb bemühen wir uns immer, die Hürden dafür so niedrig wie möglich zu machen.“

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