Diesel-Fahrverbot

Wie sich Fahrverbote in der Stadt Essen verhindern lassen

Vorbei am Stau: Eine Sonderspur für Busse auf der Schützenbahn und  Gladbecker Straße schlägt Rolf Fliß, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, vor.

Foto: Knut Vahlensieck

Vorbei am Stau: Eine Sonderspur für Busse auf der Schützenbahn und Gladbecker Straße schlägt Rolf Fliß, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, vor. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Die Stadt Essen sucht nach Lösungen, um die Luftverschmutzung schnell zu verringern und Fahrverbote zu verhindern. Die Politik hat einige Ideen.

Wie kann die Stadt Essen Fahrverbote verhindern? Mögliche Antworten gibt es in wenigen Tagen. Am 15. März präsentiert die Stadtspitze dem Bundesumweltministerium eine eigene Liste mit Vorschlägen, die kurzfristig umgesetzt werden könnten, um die Stickoxid-Belastung zu verringern. Dafür ist Essen als eine von bundesweit fünf Modellstädten ausgesucht worden. Auf Anfrage dieser Zeitung haben Essener Verkehrspolitiker vorab eigene Ideen genannt. Dazu zählen Shuttle-Busse auf der Gladbecker Straße, eine Busspur auf der Schützenbahn, Schnuppertickets für Umsteiger, Park+Ride-Parkplätze und eine Nord-Süd-Trasse für Radler.

Shuttles auf besonders belasteten Strecken könnte sich CDU-Ratsherr Friedhelm Krause während der Rush-Hour vorstellen, speziell auf der Gladbecker Straße. „So könnten wir Autofahrer dazu bringen, in Bottrop oder Karnap in den Bus umzusteigen, der die Fahrgäste direkt in die Innenstadt bringt.“

Mehr Park&Ride-Parkplätze für Essen

Diese Idee hat auch Ratsherr Rolf Fliß (Grüne). Er plädiert zusätzlich für eine Bus-Sonderspur, die auch von Taxen und E-Autos genutzt werden darf, und für den Bau eines großen Park&Ride-Parkplatz nahe des Autobahnkreuzes Essen-Nord.

Ratsherr Wolfgang Weber (SPD) rät dazu, schnell für zusätzliche P+R-Parkplätze sowie deutlich mehr Fahrrad-Boxen an Haltepunkten zu sorgen, um Pendlern das Umsteigen zu erleichtern. Zudem sollten bald weitere Mobilstationen (z.B. Bahnhof Süd, Borbeck) mit Angeboten für Leihrad und Carsharing eröffnet werden. Auch das künftige Quartier „Essen 51“ sollte davon profitieren.

Für einen dichteren Takt auf wichtigen Bus- und Bahnlinien sprechen sich alle drei Politiker aus. Hier müsse geprüft werden, was jetzt machbar ist. Rolf Fliß wünscht sich, dass die U-Bahnen auch in Nebenzeiten in Doppeltraktion (zwei Wagen) fahren und ebenso am Wochenende ein 15-Minuten Takt bis 23.30 Uhr möglich ist, „damit man nach einem Kinobesuch noch zügig nach Hause kommt“.

Schnuppertickets für Essener Autofahrer

Bleibt die Frage nach den finanziellen Anreizen für die Umsteiger. Die soll es nach Absprache mit dem Verkehrsverbund VRR geben, da ist man sich einig. Zu prüfen wäre laut Weber etwa ein Vier-Stunden-Ticket für rund zwei Euro oder ein stark verbilligtes Ticket auf einzelnen Strecken mit hoher Luftverschmutzung. Beispiel: Gelsenkirchen. Dort fährt die Tram 302 seit kurzem im Fünf-Minuten-Takt zwischen Buer und Hauptbahnhof. An zwei P+R-Parkplätzen können dort Autofahrer ein „24-Stunden-Ticket P+R“ für nur zwei Euro kaufen, um mit der 302 weiter zu fahren. Allerdings zahlt hier die Stadt rund fünf Euro dazu, gibt Weber zu bedenken.

Friedhelm Krause spricht sich für Preisnachlässe bei den Firmentickets aus, die Differenz sollte im Rahmen des Modellprojektes vom Bund finanziert werden. Rolf Fliß will Schnupper-Tickets, um neue Fahrgäste anzulocken. Auch das Wiener Modell (eine Jahreskarte für 365 Euro) sollte diskutiert werden.

Und die Radfahrer? Die brauchen den Radschnellweg RS1, betont Rolf Fliß. „Das muss in zwei oder drei Jahren machbar sein – und nicht erst in sechs“, verlangt Fliß. In Essen müsse zudem eine sichere Nord-Süd-Verbindung geschaffen werden. Dafür könnte auch eine der drei Autospuren auf der Schützenbahn für Biker reserviert werden, so Fliß. Die Nord-Süd-Trasse setzt auch der Fahrradclub ADFC auf seine Prioritätenliste.„Da läuft der Alltagsradverkehr durch“, so Sprecher Jörg Brinkmann. Deshalb müssten zwischen Altenessen und Stadtwald Hindernisse und Gefahrenstellen beseitigt werden, etwa am Bahnhof Altenessen oder auf dem Kreisverkehr Freiheit.

>>SOFORTPROGRAMM FÜR BESSERE LUFT

Essen ist von der Bundesregierung als „Lead-City“ ausgewählt worden, um modellhaft ein Sofortprogramm für bessere Luft umzusetzen. Anlass ist eine drohende Klage der EU-Kommission wegen zu hoher Stickoxid-Werte.

Neben Essen nehmen Bonn, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim am Modellprojekt teil. Die anfängliche Idee von einem kompletten kostenlosen Nahverkehr ist von den Oberbürgermeistern abgelehnt worden.

Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (11) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik