Stadtteilfest

Wottelfest mit viel Tradition und einer Finanzierungslücke

Das historische Bild zeigt die Wottelkirmes Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem heutigen Kreisverkehr an der Schangstraße.

Das historische Bild zeigt die Wottelkirmes Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem heutigen Kreisverkehr an der Schangstraße.

Foto: Archiv / Werbegemeinschaft Heisingen

Essen-Heisingen.  Das Programm steht, die Vorbereitung läuft: Um die Kosten fürs Wottelfest zu decken, haben 200 Heisinger Post erhalten: einen Spendenaufruf.

Bis wann die Geschichte des Wottelfests zurückreicht, das kann der gebürtige Heisinger und Hobbyhistoriker Jürgen Brendt gar nicht genau sagen. Auch um den Namen, der ein altes Wort für Möhre ist, ranken sich gleich mehrere Anekdoten. Fest steht aber, dass die Heisinger Werbegemeinschaft das traditionelle Stadtteilfest nun wieder auf die Beine gestellt hat – mit viel Programm an drei Tagen vom 23. bis 25. August, aber auch mit einer Lücke in den Finanzen. Da die Kosten von Jahr zu Jahr steigen, haben die Organisatoren nun einen eher ungewöhnlichen Weg gewählt und per Post Heisinger angeschrieben: mit der Bitte um Hilfe.

Das Ergebnis ist noch ungewiss, die Kosten für das Wottelfest kann aber Schirmemachermeister Willy Schüffler genau beziffern: Es sind mindestens 45.000 Euro nötig, um den Besuchern Musik, viele Stände und ein gewohnt buntes Stadtteilfest bieten zu können. Die Gründe für die wachsenden Ausgaben, wie etwa Gema-Gebühren und die Kosten für die Sicherheitsauflagen, sind nicht mehr ganz neu. Bereits 2016 drohte das Wottelfest genau deshalb auszufallen.

Bereits 2016 drohte das beliebte Stadtteilfest auszufallen

Verkauften die Mitglieder der Werbegemeinschaft damals Buttons, damit die Einnahmen die Lücke schließen – „haben wir nun rund 200 ausgewählte Heisinger angeschrieben“, sagt Willy Schüffler. Er sei sich bewusst, dass dieser Spendenaufruf recht ungewöhnlich sei, aber nun hofften sie, dass zumindest ein bisschen reinkomme und nicht alles wieder an der Werbegemeinschaft hängen bleibe. Die hat das Fest inzwischen auf drei Tage ausgebaut, die Fläche erweitert und einen externen Mitveranstalter ins Boot geholt – mit dem Ziel: Die Veranstaltung gleichsam zum Heisinger Dorffest, aber zur Feiermeile für auswärtige Gäste zu machen.

Die Werbegemeinschaft möchte dabei vor allem eines: den Besuchern, Familien und besonders den Kindern eine Freude machen. Dafür organisieren sie monatelang das Programm, nehmen Anmeldungen für die Stände entgegen und stellen Anträge, um entsprechende Genehmigungen von der Stadt zu erhalten. Für die Heisingerin Andrea Kunze ist das derzeit ein Vollzeitjob, die Vorbereitungen beschäftigen sie derweil das ganze Jahr mehr oder weniger. Sie kennt es gar nicht anders, als beim Wottelfest anzupacken, ob als Jugendliche beim Kartoffelschälen für die Reibekuchen oder wie nun in den ganzen vergangenen Jahren, wo die Fäden bei ihr zusammenlaufen und sie auch die Ansprechpartnerin ist – für alles.

Einst gehörte der Blötschenball zur Wottelkirmes

Jürgen Brendt erinnert sich auch zurück an die Jahrzehnte, als das Wottelfest ohne den Blötschenball undenkbar war. Am Kirmesmontag (das Fest lief von Samstag bis Dienstag) fand immer der Ball statt, die blaue Schicht, an der die Heisinger in die Wirtschaften statt zur Arbeit gingen – allesamt in Holzschuhen mit Wottel am Revers. Das sei noch in den 1950er und auch 1960er Jahren so gewesen. Die Ursprünge der Wottelkirmes, sie reichen beinahe 200 Jahre zurück.

Ob Kirmes und Fest ihren Namen nun der Tatsache zu verdanken haben, dass einst reiche Werdener Herren sich zu der Zeit stets selbst in Heisingen einluden und schließlich mit einem Möhrengericht vergrault wurden, da sie nie eine Gegeneinladung zur Werdener Apeltatenkirmes aussprachen, das mag Jürgen Brendt nicht bestätigen. „Es ist eine von vielen überlieferten Geschichten“, sagt der Hobbyhistoriker.

Heute noch mit Holzschuhen und Möhre am Revers zum Wottelfest

Er selbst hält die Geschichte indes noch ein wenig lebendig: „Auch dieses Jahr komme ich wieder in Holzschuhen und angesteckter Wottel zum Fest“, sagt er lachend. Und weiß jetzt schon, dass die Älteren ihm wieder freundlich winken und manche jüngere Besucher verwundert blicken werden: „Diese Tradition kennen viele nicht mehr.“

Das ist das Programm zum Wottelfest

Das Wottelfest (Heisinger Straße/Kreisverkehr Schangstraße/Bahnhofstraße) und die Wottelkirmes (Hagmanngarten/Gathergang/Marktplatz) finden am Freitag, 23. August, 18 bis 24 Uhr, am Samstag, 24. August, 12 bis 24 Uhr, sowie Sonntag, 25. August, 12 bis 19 Uhr, statt.

Am Freitag startet das Fest auf der Hauptbühne (Kreisverkehr Heisinger Straße/Bahnhofstraße), von 19 bis 23 Uhr spielt die Albanese Music Showband mit Giulia Wahn und Will Russ jr., ab 18 Uhr öffnen auch die Stände mit Speisen und Getränken bis 24 Uhr.

Mit Remake spielt erstmals seit Jahren eine Heisinger Band auf dem Wottelfest

Am Samstag stehen Remake, und damit erstmals seit einigen Jahren eine Heisinger Band, von 14.30 bis 18 Uhr auf der Hauptbühne, gefolgt von der Albanese Music Showband mit Laxmi Easwaran und Reginald Holden Jennings (19 bis 23 Uhr). Am Sonntag machen das Carsten Stollmann Duo (12 bis 15 Uhr) und Bobby van den Bergh feat. Sir Jesse Lee Davis & Kejsi Rrustja (15.30 bis 19 Uhr) Musik.

Die Partybühne, Parkplatz Bahnhofstraße 18, bespielt DJ Reiner mit Musik zum Tanzen und Wunschtiteln am Samstag, 12 bis 23 Uhr und Sonntag, 12 bis 19 Uhr.

Kinderparadies auf dem Schulhof und vor der Kirche

Das Kinderparadies öffnet auf dem Schulhof der Georgschule mit Hüpfburgen am Samstag, 12 bis ca. 21 Uhr, und Sonntag, 12 bis ca. 18 Uhr. Vor der Kirche St. Georg gibt es zu den gleichen Zeiten Mini-Hüpfburgen und Spiele wie den heißen Draht oder die Torwand sowie das Kinderschminken.

Stände mit verschiedenen Angeboten wie Reibekuchen, Flammkuchen, asiatische Spezialitäten, Süßes und ein Food-Truck sowie Getränke (Bier, Cocktails, Wein, Alkoholfreies) werden im Bereich vom Kreisverkehr Schangstraße bis zur Bahnhofstraße aufgebaut. An Heisinger Straße und Bahnhofstraße gibt es Stände der Heisinger Vereine, der Bürgerschaft mit dem Wottel-Ziehen, von Schirm-Schüffler, Schmuck-, Puppen-, und Insektenschutzanbietern sowie dem Tierheim.

Kunsthandwerk, Modenschau und verkaufsoffener Sonntag

Kunsthandwerk präsentiert Hauke Helle in dem eigens dafür aufgebauten Ständen in der Halle (Hinterhof Bahnhofstraße neben der Georgsschule). Die Modesso-Modenschau beginnt am Sonntag, um 14 und 16 Uhr. Zum verkaufsoffenen Sonntag öffnen die Geschäfte in der Zeit von 13 bis 18 Uhr.

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