Mehrwertsteuer

Zeit zum Versilbern

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Ab dem 1. Januar 2014 unterliegen Sammlerstücke wie Kunst, Münzen oder Briefmarken nicht mehr dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Die Preissteigerung dürfte an den Kunden weitergegeben werden.

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„Zeit ist Geld“ – das beliebte Sprichwort sollten dieser Tage Essener beherzigen, die sich nach dem Weihnachtsfest noch mit einem neuen Schatz selbst beschenken möchten: Ab dem 1. Januar 2014 gelten neue Steuersätze beim gewerblichen Verkauf von Edelmetall-Münzen, Briefmarken oder Kunstobjekten. Statt den bisher geltenden ermäßigten Satz von sieben Prozent, der etwa auch auf Grundnahrungsmittel erhoben wird, werden künftig auch auf die Liebhaber-Stücke 19 Prozent Mehrwertsteuer draufgeschlagen. Die Händler zwischen Kettwig und Karnap sind alles andere als begeistert, der Protest von Branchenverbänden nützte jedoch kaum. Denn: die von Bundesrat und Bundestag im Juni 2013 verabschiedete Neuregelung folgt einer EU-Anordnung zur Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze.

Silber, das war doch immer das „Gold des kleinen Mannes“. Ob Tafelsilber, Barren oder Schmuck, wem Gold schlicht zu teuer war, der investierte in Silber. „Von 100 Kunden ist gegenwärtig vielleicht noch einer dabei, der sich für Barren oder Münzen interessiert oder welche besitzt“, heißt es von der Sparkasse Essen. Münzhändler Kai Schaffarczyk glaubt jedoch, dass der Status des Edelmetalls bei den Bürgern bestehen bleibt. Die Sorgen für die Zukunft nimmt ihm das wegen der Preiserhöhung jedoch nicht.

Unsicherheit bei Galeristen

In der Hufergasse in Werden bietet er (nahezu) alles, was das Münzsammler-Herz begehrt. Da wäre etwa die einzige Silbermünze mit Euro-Nennwert, der so genannte „Wiener Philharmoniker“ aus Österreich, oder der bekannte „Silver Eagle“ aus den USA. „Wenn Umlaufmünzen zwölf Prozent teurer werden, dann werden die Händler das an die Kunden weitergeben“, ist er überzeugt. Anhand der gestiegenen Zahl von Bestellungen merke er, dass er sich immer mehr der Frist nähere. Den Sammler werde das nicht von seinem Hobby abschrecken, nur wie der Anleger reagiere sei ungewiss. Der aktuell niedrige Preis von circa 20 bis 25 Euro für eine Silberunze helfe, weil trotz höherer Besteuerung weiterhin Einstiegspotenzial bestehe.

Während eine Essener Kunstgaleristin noch vor Weihnachten per E-Mail Interessenten und Stammkunden zum Gemäldekauf vor der Änderung aufrief, sieht Kunsthändler Otmar Neher die Problematik eher nüchtern: „Das ist in der Kunstszene nicht relevant. Und es interessiert auch keinen beziehungsweise es weiß keiner.“ Er kann jedoch bestätigen, dass Unsicherheit in der Branche herrscht, weil alles von den Behörden noch nicht ausreichend definiert worden ist. Er selbst verweist zwar für sich auf die Möglichkeit einer Margenbesteuerung von 30 Prozent des Verkaufspreises bei, aber: „Wir wissen viel zu wenig. Es gibt noch so viele Fragen.“ Kritisch sehen die Galeristen auch, dass Künstler beim Direktverkauf ihrer Werke weiterhin nur den ermäßigten Satz veranschlagen müssen.

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