Musiktheater

Zum Folkwang-Finale bittet die Feenkönigin zum Fest

Eine Probenszene aus „The Fairy Queen", eine Produktion der Folkwang Universität der Künste. Foto:Christof Köpsel

Eine Probenszene aus „The Fairy Queen", eine Produktion der Folkwang Universität der Künste. Foto:Christof Köpsel

Essen.   Folkwang Universität präsentiert zum Abschluss des Jubiläumsjahres ein Großprojekt: Über 100 Studenten zeigen Purcell-Oper „The Fairy Queen“.

Die Einheit der Künste wird an der Folkwang-Universität seit 90 Jahren praktiziert. Zum großen Finale und künstlerischen Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll nun auch zusammenkommen, was auf deutschen Theater-Bühnen sonst nicht ganz so selbstverständlich zusammenkommt: Purcell und Pop, Shakespeare und Playboyhasen, barocker Bombast und eine heute allgegenwärtige Realitätsflucht. Achim Lenz, Folkwang-Alumni, und Regisseur der großen Abschluss-Produktion, hat die gewaltige Aufgabe mit rund 100 Studenten aus allen Folkwang-Disziplinen gestemmt.

Entstanden sei ein Gesamtkunstwerk in bester barocker Tradition: „Alle machen alles. Spartendenken gab’s damals nicht“, erklärt Lenz das Prinzip von „The Fairy Queen“. Henry Purcells opulentestes Bühnenwerk ist deshalb wie gemacht für eine Musikhochschule, an der Musiker, Schauspieler, Tänzer und Pantomimen gemeinsam studieren.

Coole Styles statt pompöser Schnörkel

Drei Hochzeiten und ein Event-Notfall. Nicht nur für professionelle Weddingplaner dürfte die Ausgangssituation ein Albtraum sein. Die Hochzeits-Band probt bereits, die Gäste bereiten kleine Sketche vor. Nur die drei Brautpaare liegen über Kreuz. Wie in einem modernen Hotel geht es auf der Bühne zu, die Industrial Design-Studentin Sabet Regnery gestaltet hat. Coole Styles statt pompöser Schnörkel. Aber wenn die Handlung einsetzt, trifft man doch auf viele alte Bekannte. Feenkönigin Titania, die ihren Oberon im Taumel der Feierlichkeiten zwischenzeitlich aus den Augen verliert, an einen Typen mit Eselskopf gerät und am Ende doch den Zauber einer großen Liebe besiegeln kann.

Shakespeares „Sommernachtstraum“ war Purcell Vorlage für sein Werk, das als damals überaus angesagte Semi-Oper im London des 17. Jahrhunderts Karriere machte. Heute gilt das komplexe und disparate Werk mit seinen gesungenen und getanzten Musikeinlagen, den Vor- und Zwischenspielen, den Theater-Dialogen und Maskeraden als besondere Herausforderung, aber auch als Möglichkeit, „tief in die Trickkiste zu greifen“. Lenz zeigt kein historisches Barockspektakel mit Puder und Perücke, sondern Menschen im Hier und Jetzt, die zur Purcell-Musik in Parallelwelten eintauchen, wie sie uns heute nicht fremd sind. „Barockopern sind vielleicht sogar näher an der Wirklichkeit als romantische Opern“, findet Lenz. Sex, Lügen und allerlei barocke Perversionen sind dabei ebenso zu finden wie Missbrauch, Gewalt, aber auch pure Lebensfreude.

Shakespeare 2017, ein echtes Bühnen-Abenteuer. „Wir spielen den Sommernachtstraum mit Purcell-Musik“, sagt Lenz. Und zwar auf historischen Instrumenten. Folkwang-Professor Christian Rieger hat die musikalische Leitung. Die Tanz-Professoren Malou Airaudo und Stephan Brinkmann zeichnen für die Choreografie verantwortlich, Yvonne Dicketmüller (Fachbereich Gestaltung) steuert die Masken bei.

Die Kommunikation aller Disziplinen funktioniere reibungslos, berichtet Lenz. „Man spricht die gleiche Folkwang-Sprache. Gewisse Dinge müssen nicht erklärt werden.“ Und doch sei die Arbeit mit den Studenten für ihn eine besondere Erfahrung, aber auch eine besondere Verantwortung. An einer Talent-Schmiede wie der Folkwang-Uni gehe es schließlich zunächst darum, „den Menschen auszubilden und dann den Künstler“. Noch seien die jungen Darsteller auf der Bühne „extrem formbar“. Und bei manchem Folkwang-Talent hat Achim Lenz schon heute die Ahnung: „Das wird demnächst ein Riesenstar!“

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