Kultur

Orgel servierte einen musikalischen Misch-Salat

Mit einem Gastspiel von Marcus Strümpe ging die Episode der musikalischen Europareise innerhalb der Reihe der sommerlichen Orgelkonzerte im Bistum Essen zu Ende.

Mit einem Gastspiel von Marcus Strümpe ging die Episode der musikalischen Europareise innerhalb der Reihe der sommerlichen Orgelkonzerte im Bistum Essen zu Ende.

Foto: Stephan Eickershoff

Gelsenkirchen-Buer.   Der Duisburger Organist Marcus Strümpe nahm die Zuhörer in St. Urbanus mit auf eine muskalische Reise nach Spanien.

Mit einem Gastspiel von Marcus Strümpe ging die Episode der musikalischen Europareise innerhalb der Reihe der sommerlichen Orgelkonzerte im Bistum Essen zu Ende. Der Duisburger Organist bot in seinem Programm in St. Urbanus zwar auch Werke von Bach und Buxtehude, das Außergewöhnliche aber war der Blick des Interpreten auf die iberische Halbinsel.

Strümpe eröffnete mit Stücken aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts. Den Auftakt bildete „Batalla famosa“, geschrieben von einem anonymen spanischen Komponisten. Schon dem Namen nach versprach es, kämpferisch zuzugehen.

Orgel schmettert Schlachtruf

Dabei waren die 26 Grad Celsius auf der Orgelbühne wohl gerade die richtige Temperatur für den spanischen Schlachtruf, den die Orgel nun schmetterte. Nach gewaltigem Beginn entfaltete sich ein virtuoses Spiel mit eindeutig mittelalterlichen Zügen – ein musikalisches Spannungsfeld zwischen höfischen Klängen und Kirchenmusik, in jedem Fall eines Herrschers und seines Ritterheeres würdig: sehr vital, zuversichtlich und selbstbewusst. Ein schöner Auftakt mit gewaltigem Ausgang.

Einen Gegensatz dazu bildete das folgende „Tiento primero tono“ von Pablo Bruna. In sich gekehrt, meditativ, ansprechend und berührend und obwohl aus ähnlicher Zeit wie das zuvor Gehörte mit ganz anderer Klangsprache – weich, gefühlvoll, mit Tiefgang und getragen von wundervollen Bässen.

Musikalischer Misch-Salat

Was dann folgte, wurde neugierig erwartet: Wann hört man schließlich einen musikalischen Misch-Salat an der Orgel? Die „Ensalada“ von Sebastián Aguilera de Heredia vereinte nach würdevollem Beginn deutlich hörbar kleine Melodien. Was gab es da alles zu entdecken: leichte Jahrmarktmusiken, erhabene Klänge, mittelalterliche Cembalo-Stückchen, festliche Fanfaren. Das Besondere: Sie alle unterschieden sich in Temperament und Betonung.

Zum Abschluss der Spanienreise gab es Zeitgenössisches zu hören: „Salamanca“, ein Stück des Schweizer Komponisten Guy Bovet, der an der Uni der gleichnamigen Stadt lange spanische Orgelmusik lehrte. Zu Beginn noch etwas verhalten, kam das Werk doch sogleich rhythmisch, tänzerisch daher, mit spanischem Charakter und gleichsam deutlichen Spuren der einstigen osmanischen Besatzer.

Ein signifikantes Thema erschien in vielen modernen Varianten, steigerte sich in seiner Intensität, wurde dann auch mal wieder erdig, um schließlich alle Facetten zu vereinen in einem durch und durch spanischen, temperamentvollen, zuweilen dramatischen Abschluss. Olé!

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