Kindstod

Baby getötet: Gelsenkirchener Mutter legt ein Geständnis ab

In einem Mehrfamilienhaus an der Grothustraße in Gelsenkirchen ist der Säugling zu Tode gekommen. Die Mutter hat nun die Tat gestanden.

In einem Mehrfamilienhaus an der Grothustraße in Gelsenkirchen ist der Säugling zu Tode gekommen. Die Mutter hat nun die Tat gestanden.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Essen/Gelsenkirchen.  Ein vier Monate altes Baby wird Opfer einer brutalen Gewaltattacke in Gelsenkirchen. Täterin war die eigene Mutter. Jetzt gibt sie doch alles zu.

Erst wurde die Atmung schwer, dann hörte das kleine Herz auf zu schlagen. Im Januar hat eine 35-jährige Frau aus Gelsenkirchen ihr Baby getötet. Am Donnerstag hat sie das vor dem Essener Schwurgericht nun auch zugegeben. Es hat lange gedauert, bis die Angeklagte sich überwunden hat, doch noch ein Geständnis abzulegen.

„Es hat sie eine Höllenüberwindung gekostet“, sagte Verteidiger Bernhard Scholz den Richtern. Er war es auch, der für die 35-Jährige das Wort ergriffen hat. Was er erzählte, ging unter die Haut. „Sie hat das Kind hochgenommen und zwei bis dreimal, mit dem Kopf gegen die Kante des Fußteils ihres Bettes geschlagen“, so Scholz. „Sie stand völlig neben sich.“Es soll eine Mischung aus Frust und Wut gewesen sein, die die Angeklagte am 7. Januar 2019 ausrasten ließ. Ihr Mann war im Ausland, den ganzen Tag über will sie am Telefon mit ihm gestritten haben. Weil er ihr Vorschriften machen wollte und darauf bestand, dass sie das gemeinsame Baby, das ständig geschrien habe, nicht alleine in der Wohnung lasse.

Schnaps und eine Flasche Glühwein

Ihr Mann war selten zu Hause, sie habe sich überfordert gefühlt, hieß es in der Erklärung des Verteidigers. Außerdem war Eifersucht im Spiel. „Sie konnte nicht verstehen, warum ihr Mann sie so oft alleine gelassen hat.“ Und dann der Alkohol. Auf Fotos von der Tatwohnung sind Schnaps und eine Flasche Glühwein zu sehen. Aus beiden will die 35-Jährige im Übermaß getrunken haben. Eine Blutprobe hatte später fast 2,8 Promille ergeben. Die Ärzte hatten bei ihrem Baby einen doppelten Schädelbruch und schwerste Hirnverletzungen festgestellt. Es gab keine Überlebenschance.

Erst auf Erinnerungslücken berufen

Was genau passiert ist, hatte zunächst niemand sagen können. In der Anklage hatte es deshalb in trockenem Juristendeutsch geheißen: „Es ist auf nicht mehr aufklärbare Weise zu einer massiven Gewalteinwirkung gegen den Kopf gekommen.“ Die Angeklagte selbst hatte sich zum Prozessauftakt auf Erinnerungslücken berufen und erklärt, dass sie sich nicht vorstellen könne, ihrem Baby so etwas „Schreckliches“ angetan zu haben. Am Donnerstag hieß es dazu nun: „Sie steht jetzt dazu. Sie möchte die Verantwortung übernehmen. Weil sie weiß: Ich bin Schuld. Ich habe es gemacht.“

Nach dem Geständnis kann sich die Angeklagte nun auf viereinhalb bis sechs Jahre Haft einstellen. Das haben die Richter ihr bereits signalisiert. Die Anklage lautet auf Totschlag. Urteil möglicherweise noch in diesem Monat.

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