Naturschutz

Gelsenkirchen: So gelingt der richtige Schnitt im Obstbaum

Baumkontrolleur Oliver Schulte schafft am Gelsenkirchener Mechtenberg erst einmal Platz in der zugewachsenen Krone und demonstriert dabei den richtigen Schnitt.

Baumkontrolleur Oliver Schulte schafft am Gelsenkirchener Mechtenberg erst einmal Platz in der zugewachsenen Krone und demonstriert dabei den richtigen Schnitt.

Foto: Heinrich Jung/FFS

Gelsenkirchen-Rotthausen.  Die Helfer des Naturschutzbundes Nabu bringen die Bäume am Mechtenberg in Form. Das Schnittgut wird gleich als Hecke am Rande weiterverwendet.

Die „Vegetationspause“ ist langsam vorbei, auf der Streuobstwiese am Mechtenberg allerdings hat es auch eine gut dreijährige Pause bei der intensiven Pflege der Bäume gegeben. Das sonnige Wetter am Wochenende bot beste Voraussetzungen für den Naturschutzbund Gelsenkirchen, interessierten Gartenfreunden den Obstbaumschnitt am wachsenden Objekt zu zeigen.

Gelsenkirchen: Pflege ist für die aktiven Naturschützer nicht ganz einfach

„Da habt ihr euch ganz gut was vorgenommen,“ bekam Oliver Schulte auch gleich zu Anfang einen Unkenruf zu hören. In der Tat, auf „80 bis 100 Bäume“ schätzte Nabu-Vorsitzender Wolfgang Kwasnitza den Bestand in dem Areal, auf den Streuobstwiesen überwiegend Apfel-, Birn- und Kirschbäume, die sein Stellvertreter entschlossen von der Leiter aus ins Auge fasst. Der Gelsenkirchener Stadtverband hat einen Vertrag mit der Stadt über die Pflege abgeschlossen, um die Wiesen kümmern sich die Gelsendienste.

Die Gehölzpflege ist hier an der Südspitze des Stadtgebietes und im Dreieck mit Wattenscheid und Essen nicht nur wegen der Menge der Bäume für die Aktiven Naturschützer nicht ganz einfach. „Okay, 180 Mitglieder haben wir rundgerechnet“, schmunzelt Kwasnitza, bei diesen Aktionen sind es dann aber schon einmal auch nur sieben Aktive.

Das Schnittgut wird zur Hecke

Mit der Nabu-Finanzchefin Birgit Umbach sammelt Kwasnitza die ganze Zeit über das Schnittgut vom Boden auf, während Oliver Schulte zeigt, wo und wie er welche Äste schneidet oder stehen lässt. Es wird nach und nach an die Wiesenränder gewuchtet und zu Totholzhecken aufgeschichtet.

„Fast wie ein Zaun, das schützt die Tiere und hält die Hunde von den bewaldeten Stücken ab,“ erklärt Kwasnitza. Das Naherholungsgebiet an der Fußgängerbrücke wird im dicht bebauten Revier für die Spaziergänger sicher zum Segen, für die Baumpfleger und Gelsendienste beim Rasenmähen schon einmal zum Fluch.

Diesmal lacht über der Streuobstwiese die Sonne

„Für die Ernte im Herbst konnten wir kaum jemand begeistern, da waren einfach zu viele Tretminen in den Wiesen“, beschreibt der Nabu-Vorsitzende achselzuckend. „Oder die Besucher sind dann wirklich wenig zimperlich bei der Ernte gewesen und haben ganze Äste abgebrochen und kaum was von den Früchten übrig gelassen.“ Was dann zusammen auch dazu führte, dass der Baumschnitt drei Jahre ausgeblieben ist. Und im vergangenen Jahr, als er unbedingt wieder fällig war, war das Wetter dann auch einfach zu schlecht. Deshalb präsentieren sich die Kronen der Obstbäume nun auch kräftig zugewachsen.

Zur Motorsäge greift Oliver Schulte aber nur ganz am Anfang der Aktion, als ein dicker Seitentrieb fallen muss, um einem Apfelbaum noch eine Chance zu geben. „Der ist schon schwer verpilzt, der wird wohl bald fallen“, kalkuliert Schulte. Allen anderen „strubbeligen“ Bäumen rückt er mit Säge und Hochentaster mit Teleskopstiel, vor allem mit der kräftigen Allround-Schere in die Krone. Dazu muss er sich das ein und andere Mal den Weg nach oben erst einmal freischneiden.

Licht und Luft in die Krone, teilweise mit drastischem Schnitt

Von unten begutachtet, von oben noch einmal kontrolliert, und dann macht Schulte fast immer dieselben Schritte, um den jeweiligen Baum gesund zu erhalten und zu guter Frucht zu bringen. „Ideal ist so etwa eine Pyramidenform“, erklärt er, und dann bringt er Licht und Luft in die Krone, teilweise mit drastischem Schnitt. Totes Holz, nach innen gewachsene, sich kreuzende oder konkurrierende Zweige müssen fallen, der stärkere Trieb in die richtige Richtung bekommt den Vorzug.

Nicht unerheblich ist dabei auch die Entscheidung für gutes Werkzeug, weiß Schulte aus Erfahrung. Weil es länger zuverlässig hält und das Arbeiten leichter von der Hand geht. Vor allem, wenn wie heute auch mal die Sonne in der Vegetationspause scheint.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben