Lehrermangel

Klassenlehrerin abgeordnet: Gelsenkirchener Eltern sauer

Erst Ende Juni feierte die Beckeradschule in Buer ihr 111-jähriges Schuljubiläum.

Erst Ende Juni feierte die Beckeradschule in Buer ihr 111-jähriges Schuljubiläum.

Foto: Foto: Heinrich Jung / FFS

Gelsenkirchen.  Weil es an Grundschulen zu wenig Lehrer gibt, müssen mehr Lehrer als sonst für ein Jahr die Schule wechseln. Eltern ärgern sich.

Heike Möllers ärgert sich. Ihre Tochter besucht die Beckeradschule in Buer, zum neuen Schuljahr soll sie in die vierte Klasse wechseln. Wer nicht mitwechseln soll, ist ihre Klassenlehrerin, die die Klasse seit dem ersten Schuljahr unterrichtet. „Die Schulleiterin hat uns erklärt, dass die Kollegin an eine Schule im Stadtsüden geht, wo akuter Lehrermangel herrscht“, erzählt Heike Möllers. Sie selbst und auch andere Eltern der Klasse hätten mit Unmut reagiert.

„Die vierte Klasse ist für die Kinder wichtig als Vorbereitung auf die weiterführende Schule, und ein Lehrerwechseln in dieser Phase ist immer schwierig“, begründet sie ihre Unzufriedenheit. Auch zwei weitere Lehrerinnen der Beckeradschule sollen, so erzählt es Möllers, zum neuen Schuljahr an eine andere Schule in Gelsenkirchen wechseln. „Das sind aber Teilzeitkräfte.“

Lehrerwechsel nicht angenehm für Eltern und Schüler

Warum ausgerechnet die Klassenlehrerin einer dritten Klasse kurzfristig von einer Schule zur anderen abgeordnet wird? Schulamtsdirektor Bernard Südholt kann nachvollziehen, dass ein Lehrerwechsel für Eltern und Schüler nicht angenehm ist, dennoch: „Es ist schon immer Gang und Gebe, dass innerhalb eines Schulamtsbezirkes Lehrer abgeordnet werden zur Sicherung des Unterrichtes.“ In Zeiten, an denen Schulen gut mit Lehrern besetzt seien, passiere das eher selten. „Aber im Moment ist der Markt leergefegt. Wir haben einfach zu wenig Lehrer. Und wir müssen die fehlenden Lehrkräfte ausgleichen.“

Abordnung erfolgt für ein Jahr

Um wie viele Kräfte es sich genau handele, die zum neuen Schuljahr an andere Schulen wechseln würden, darüber konnte Südholt noch keine Auskunft geben. „Da gucken wir gerade.“ Die Abordnung erfolge aber jeweils nur für ein Jahr und in enger Abstimmung mit dem Personalrat. „Soziale Kriterien spielen natürlich eine Rolle.“

Von 59 Stellen nur 17 besetzt

Tatsächlich ist die Not an Gelsenkirchens Grundschulen schon seit geraumer Zeit groß. Von 59 ausgeschriebenen Stellen konnten, Stand Mai, nur 17 besetzt werden, das entspricht 28,8 Prozent. Um den Lehrermangel zu lindern, hatte die Bezirksregierung schon in der Vergangenheit zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen. Elf Lehrkräfte, die sich eigentlich für die beliebten Schulbezirke Münster und Coesfeld beworben hatten, wurden für zwei Jahre nach Gelsenkirchen gelockt – mit dem Versprechen, nach dieser Zeit an ihrer Wunschschule arbeiten zu dürfen.

Whiteboard in jeder Klasse, aber nicht genug Lehrer

Schulamtsdirektor Südholt reagierte auf dieses Verfahren im Februar diesen Jahres verhalten: „Es ist gut, dass wir die Unterstützung aus Münster bekommen. Aber: Wenn diese Lehrer nach zwei Jahren wieder gehen, ist das für eine kontinuierliche Arbeit nicht optimal.“ Dass Grundschullehrer innerhalb Gelsenkirchens so kurzfristig von einer Schule zur anderen versetzt werden, ist jedenfalls für Heike Möllers schwer nachvollziehbar. „Es muss doch andere Wege geben, dieses Problem zu lösen“, sagt die Mutter. „Wir haben jetzt in jeder Klasse ein Whiteboard – aber die Lehrer, die wirklich wichtig sind für unsere Kinder, gehen weg. Da stimmt doch etwas nicht.“

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