Verfolgungsjagd

Nach filmreifer Verfolgungsjagd: Helferin wütend auf Polizei

An der Verfolgungsjagd waren Polizisten aus Gelsenkirchen, Münster und Recklinghausen beteiligt. (Symbolbild)

An der Verfolgungsjagd waren Polizisten aus Gelsenkirchen, Münster und Recklinghausen beteiligt. (Symbolbild)

Foto: Patrick Seeger / picture alliance / dpa

Gelsenkirchen.  Melissa R. will Erste Hilfe leisten, aber: Die Gelsenkirchenerin und Freunde werden angeblich von der Polizei mit der Waffe zu Boden gezwungen.

Die spektakuläre Verfolgungsjagd am Wochenende, bei der Kräfte der Polizei Gelsenkirchen, Münster und Recklinghausen nebst einem Polizeihubschrauber die Drogenfahrt dreier Insassen eines VW Golf beendeten, hat ein Nachspiel.

Kurz nachdem der Fluchtwagen auf der Gegenspur im Bereich der A2-Anschlussstelle Gladbeck in die Leitplanken gekracht war, hielt Melissa R. am Unfallort, die angehende medizinisch-technische Auszubildende aus Gelsenkirchen wollte Erste Hilfe leisten. Was sie Sonntagnacht dann aber erlebte, schockte sie so sehr, dass die 18-Jährige, wie ihre Mutter Nicole jetzt berichtet, „es sich künftig wohl zweimal überlegen wird“, ob sie anderen zu Hilfe eilt.

„Meine Tochter wurde von der Polizei behandelt wie eine Schwerverbrecherin“, sagt Nicole R., die sich mit ihrer Beschwerde auch an die Gelsenkirchener Polizei schriftlich wenden will. Ihre Tochter habe ihr den Vorfall so geschildert: „Als Melissa, die in der Nacht von einer Feier mit drei Freunden im Auto auf dem Nachhauseweg war, an der Unfallstelle vorbei kam, sah sie den zerbeulten Wagen und wies den Fahrer an, sofort anzuhalten.“ Sie sei schließlich dazu verpflichtet, Menschen in Not beizustehen.

Mutter entsetzt: Polizei hatte die Waffe im Anschlag

Der Mercedes der vier Partygäste hielt also an. „Ein Polizeiwagen war auch schon da – weiter unten an der Auffahrt“, erzählt die Mutter. Die Polizisten hätten die Lage völlig falsch eingeschätzt, obwohl es doch klar gewesen sein müsste, dass die Vier nichts mit den Gesuchten im Golf zu tun gehabt hätten. „Melissa stand am Unfallauto, wollte sich um mögliche Verletzte kümmern, ein Freund hat noch versucht, die Hintertür des Golfs mit Gewalt aufzureißen, weil er dort ebenfalls jemanden in Not vermutete.“ Sekunden später seien alle von laut brüllenden Polizisten umringt gewesen.

Mit „der Waffe im Anschlag“ seien ihre Tochter und ihre Freunde gezwungen worden, sich auf den nasskalten Boden zu legen. „Zehn Minuten musste sie so ausharren, Melissa durfte noch nicht einmal ihre Jacke zu machen“. Sie habe wegen der Feier nur sommerlich leichte Kleidung getragen.

Angst, mitten in der Nacht auf der Straße überfahren zu werden

„Melissa und ihre Freunde hatten Angst, überfahren zu werden“, gibt Nicole R. die Erlebnisse ihrer Tochter weiter. Die Polizisten hätten die nachfolgenden Autos einfach weiter durchgewunken, ständig sei Spritzwasser aus Pfützen auf sie gespritzt, so nah hätten ihre Tochter und ihre Freunde am fließenden Verkehr gelegen. „Die Einsatzkräfte hätten die Vier doch auch mit erhobenen Händen an den Wagen stehen lassen können“, sagt die Gelsenkirchenerin. „Das hätte doch gereicht.“

Vorwurf: Kein Wort der Entschuldigung

Noch wütender macht Nicole R. das taktlose Verhalten der Polizei, als sich die Lage am Unfallort geklärt und etwas beruhigt hatte und die vier Jugendlichen wieder frei kamen. Die Mutter berichtet: „Fahren Sie weiter und Tschüss. Das war alles. Es gab keine Entschuldigung für die rüde Behandlung oder ein Angebot wie ‘Setzen Sie sich doch erst einmal in den Wagen und beruhigen Sie sich ein bisschen’ – nichts“.

Das, so sagt Nicole R., sei ihrer Tochter eine Lehre gewesen: „Im Zweifelsfall wird Melissa keine Erste Hilfe mehr leisten, nicht nach den Erfahrungen.“

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