MiR goes Hip-Hop

Warum das Publikum im Musiktheater mit dem Po wackelt

Gemeinsam auf der Bühne: die Neue Philharmonie Westfalen und die Band „Einshoch 6“ am Samstagabend bei „MiR goes Hip-Hop“.

Gemeinsam auf der Bühne: die Neue Philharmonie Westfalen und die Band „Einshoch 6“ am Samstagabend bei „MiR goes Hip-Hop“.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Musikalische Symbiose in Gelsenkirchen: Die Neue Philharmonie Westfalen und die Rapper „Einshoch6“ bringen das Musiktheater im Revier zum Beben.

Und am Ende stand der ganze Saal Kopf. „Hin und her und vor und zurück“ bewegte sich das Publikum geschmeidig zum Sound des Hip-Hop-Songs der Münchner Band „Einshoch6“. Wenn das Musiktheater im Revier zu „MiR goes . . .“ einlädt, dann krachen Welten aufeinander und feiern in schönster Harmonie Party. Auch dann, wenn es, wie am Samstag, heißt: „Klassik meets Hip-Hop“. Ob Jung, ob Alt, ob Anzugträger oder Jeanstyp, sie alle ließen zum guten Schluss ungehemmt die Hinterteile kreisen beim Hip-Hop-Hit „Dein Po wackelt“. Unglaublich!

Ein paar Plätze im MiR blieben frei

Nun gut, ein paar Musikfreunde trauten dem Braten diesmal nicht, so dass zumindest ein paar Plätze frei blieben. Dabei erwies sich die Sorge vor Überforderung oder gar Quälerei klassikgeschulter Ohren tatsächlich als unberechtigt. Die experimentierfreudige Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus Baumann und die Münchner Deutsch-Rapper „Einshoch6“ brachten das Opernhaus mit einer faszinierenden, frischen und spannenden Mischung aus großem klassischen Sound und eher softem, eingängigen Hip-Hop zum Beben. Eine überraschende, ansteckende musikalische Fusion auf Augenhöhe, die Spaß machte.

Dabei haben die sieben Hip-Hopper selbst fast allesamt eine fundierte klassische Ausbildung und sitzen teilweise gar in großen Sinfonieorchestern. Jakob Haas spielt virtuos das Cello, Felix Kay Weber streicht teuflisch schnell über die Geigensaiten, Sebastian Hollunder haut ungebremst in die Tasten und Andreas Hiermeyer lässt den E-Bass wummern. Immer an der Rampe und zwischendurch moderierend: die Sänger Kevin Auld und Michie Hahn.

Gelsenkirchener Rapper Muetze ist auch dabei

Ihr Album „Die Stadt springt“ ist Programm. Die Musiker springen und hüpfen in Turnschuhen mit Gitarre, Cello, Geige und Mikro unermüdlich zum Tanz der Scheinwerfer über die Bühne. Aber die schnellen urbanen Beats und der satte Orchesterklang brachten die Menschen auch im Parkett und auf den Rängen zum Tanzen und Hüpfen. Und mal hielt es auch das komplette Sinfonieorchester, teils mit Baseball-Cap, Mütze und Sonnenbrille in stylischer Rapper-Pose, nicht auf den Stühlen. Gemeinsam rappten sie sich „Dem Himmel entgegen“.

Spannende Arrangements klassischer Kompositionen wie Hector Berlioz‘ „Marche au Supplice“, Georges Bizets „Farandole“ oder Igor Strawinskys „Höllentanz“, vom GMD am Pult mit Energie und Verve vorangetrieben, machten das Spiel zwischen den Genres perfekt. Den Song „Neue Liebe“ hatte gar ein Goethe-Gedicht inspiriert. Als Special Guest rappte der Gelsenkirchener Lokalmatador Muetze mit.

„Das war fett!“ ruft am Ende jemand aus dem Publikum und Band und Philharmoniker spielen aus dem neuen Carl-Orff-Rap-Projekt den Song „Raus!“

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