Priesterjubiläum

Christian Ahlbach feiert sein goldenes Priesterjubiläum

Christian Ahlbach feiert heute sein goldenes Priesterjubiläum. Das Bild zeigt ihn in der Sakristei der Propsteikirche St. Lamberti.

Christian Ahlbach feiert heute sein goldenes Priesterjubiläum. Das Bild zeigt ihn in der Sakristei der Propsteikirche St. Lamberti.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Der Seelsorger hat viele Jahre in Gefängnissen gearbeitet und sich auch privat um Ex-Häftlinge gekümmert. Er lebte mit ihnen auch in einer WG.

Es war eine Zeit der Aufbruchsstimmung in der katholischen Kirche. Die Signale, die das 2. Vatikanische Konzil in den 60er Jahren sendete, begeisterten auch den jungen Christian Ahlbach. Schon als zwölfjähriger Messdiener hatte er darüber nachgedacht, Priester zu werden. Jetzt wurde aus der vagen Idee ein intensiver Wunsch. „Ich wollte mit an der Kirche bauen, die sich der Welt öffnet, sich den Menschen zuwendet und ihnen hilft, Antworten auf wesentliche Fragen zu finden“, sagt Christian Ahlbach (75), der heute sein goldenes Priesterjubiläum feiert.

Natürlich bedauert Ahlbach, der in Kohlscheid bei Aachen aufwuchs, dass die Beschlüsse des Konzils in der Kirche „nur unvollkommen umgesetzt wurden“, sein eigenes seelsorgerisches Wirken aber war genau davon geprägt: „Mein Anliegen war es immer, Anwalt für schwache, hilfsbedürftige Menschen zu sein.“ Nach dem Studium der katholischen Theologie in Bonn und München und einem Jahr im Priesterseminar in Aachen wurde er am 20. September 1969 von Bischof Johannes Pohlschneider zum Priester geweiht.

Als Kaplan kam er erstmals mit Straftätern in Berührung

Die Jugendarbeit stand in seiner Zeit als Kaplan in Viersen im Mittelpunkt. Dort kam er erstmals mit Straftätern in Berührung, unterstützte mit anderen Seelsorgern einen ehemaligen Strafgefangenen beim Aufbau einer Wohngemeinschaft für junge Menschen nach der Haft. Und als in Heinsberg ein Jugendgefängnis gebaut wurde, stand für Christian Ahlbach schnell fest, dass er als Pastor dort arbeiten wollte.

„Im Jugendvollzug habe ich gemerkt, dass die schwierigste Zeit für junge Straftäter die nach der Entlassung ist, sagt Ahlbach – und er zog Konsequenzen: Mit dem Sozialdienst katholischer Frauen und Männer gründete er im Kreis Heinsberg eine Wohngemeinschaft für ehemalige junge Strafgefangene. Sein soziales Engagement ging noch weiter. Auch am Aufbau einer WG für junge Frauen in schwierigen Lebenssituationen und eines Frauenhauses war er maßgeblich beteiligt.

„Ich will Menschen vermitteln, dass das Leben lebenswert ist“

Als Gefängnisseelsorger wechselte Christian Ahlbach 1990 nach Aachen in eine neue Haftanstalt für erwachsene Männer. „Dort waren Straftäter der schlimmsten Kategorie inhaftiert, zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt, manche mit anschließender Sicherungsverwahrung.“ Eine schwierige Aufgabe für den Seelsorger: „Ich will Menschen vermitteln, dass das Leben lebenswert ist, aber wie macht man das, wenn man ihnen keine Zukunftsperspektive eröffnen kann?“ Und wie hilft man ihnen, wenn sie nach langen Haftstrafen wieder in Freiheit sind? Ahlbach und zwei Freunde eröffneten das „Lebenshaus“, wohnten mit bis zu sechs Ex-Strafgefangenen unter einem Dach, „um ihnen die Chance zu geben, lebenstüchtig zu werden und auf eigenen Beinen zu stehen“.

Parallel zur Gefängnisseelsorge arbeitete Christian Ahlbach vier Jahre als Pastor in der 1000-Seelen-Gemeinde Jülich-Broich und engagierte sich intensiv in der Friedensarbeit, baute im Bistum Aachen die internationale Friedensbewegung Pax Christi mit auf, war 15 Jahre deren geistlicher Beirat, reiste in die Sowjetunion, nach Rumänien, in die Tschechoslowakei und andere osteuropäische Staaten – immer mit dem Ziel, Menschen miteinander zu versöhnen – ein Aspekt, der ihm auch als Gefängnisseelsorger immer wichtig war.

In Gladbeck wurde Ahlbach wieder gesund

Und dann kam der Zusammenbruch: „Ich habe mich einfach übernommen, bin depressiv geworden.“ 2001 wurde er vorzeitig pensioniert, zwei Jahre später zog er nach Gladbeck. „Hier bin ich gesund geworden, weil ich so vielen offenen und ehrlichen Menschen begegnet bin“, sagt er heute. Nach einem Jahr setzte ihn der Ruhrbischof wieder als Priester im besonderen Dienst ein. Bis zu seinem 75. Geburtstag unterstützte er die Seelsorger vor Ort. Jetzt steht er zwar nicht mehr im Dienstplan, steht aber „auf Anfrage in Notsituationen weiter zu Verfügung“. Und selbstverständlich macht er weiter mit bei der samstäglichen „offenen Kirche“ St. Lamberti, die er initiiert hat und die von einem 25 Personen starken ökumenischen Arbeitskreis getragen wird.

50 Jahre arbeitet Christian Ahlbach jetzt als Seelsorger – „und ich habe es keinen Moment bereut“. Als Gefängnisseelsorger habe er gelernt, wieder an Wunder zu glauben und daran, dass man die Hoffnung nie aufgeben dürfe, sagt er. Und deshalb hofft er immer noch auf eine Kirche, die sich den Menschen zuwendet. Ahlbach: „Jacques Gaillot, ehemaliger Bischof von Évreux, hat einmal gesagt: Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Eine dienende Kirche wünsche auch ich mir.“

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