Plätze in Gladbeck (5)

Der Goetheplatz – seit jeher geliebt und gehasst

Der Goetheplatz liegt direkt neben der Hochstraße, ist aber kaum frequentiert und als Platz seit jeher umstritten.

Der Goetheplatz liegt direkt neben der Hochstraße, ist aber kaum frequentiert und als Platz seit jeher umstritten.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Der Platz mitten in der City sucht immer noch seine Funktion und scheidet die Geister. Viel Veränderung wird zunächst nicht zu erwarten sein.

Die einen lieben ihn, für sie ist er eine Sensation. Die anderen hassen ihn, für sie ist er eine Katastrophe. Am Goetheplatz, der immer noch seine Funktion zu suchen scheint, scheiden sich die Geister. Und das nicht erst seit heute, sondern schon seit den Tagen seiner Entstehung bei der großen Innenstadtsanierung Anfang der 80er Jahre. Doch eines eint Gegner wie Befürworter: Allen ist der Platz zu ruhig, zu ungenutzt, auch zu ungepflegt.

Ruhe und Muße strahlt der Goetheplatz tatsächlich aus, wenn man ihn denn aufsucht. Obwohl nur wenige Schritte von der Hochstraße entfernt, bummeln nur wenige Leute am Rande des gut 3000 Quadratmeter, rundum bebauten, fast quadratischen Platzes entlang. In der Platzmitte, jenseits der Baumhügel, stehen Autos – obwohl es nicht erlaubt ist und oft schon beklagt wurde. Die einen haben eine Ausnahmegenehmigung, die anderen „Knöllchen“ am Scheibenwischer.

Die Hügel und das wellige Pflaster wurden noch nie gemocht

Ungeliebt seit Anbeginn: die Hügel mit den Platanen, das wellige Pflaster, die ein, zwei Geschosse zu hohe Bebauung. Abgeschottet von der eigentlichen Fußgängerzone fehlt dem Platz die Laufkundschaft. Anwohner „fürchten“ den enormen Schall bei Veranstaltungen. Seit Jahren ändert sich nichts. „Es ist ein Drama“, sagen die einen und beklagen die Ignoranz der Stadt, die den Platz im Stich lasse. „Es fehlen Veranstaltungen, überall gibt es sie, nur hier nicht“, heißt es. Andere meinen, der Platz sei besser als sein Ruf, werde nur immer schlecht geredet. Ein Stiefkind, das unter dem schlechten Image leide.

Grundsätzlich strahlt der Platz Flair aus – aber irgendwie kommt es beim Publikum nicht an. Der Platz, dem Ordnung und Sauberkeit zu fehlen scheinen, wirkt fast immer wie ausgestorben, es fehlen Ruhebänke, seit Jahr und Tag ist der Durchgang zum Deutsche-Bank-Parkplatz im Nordostteil des Platzes dicht. Gefühlt „seit ewig“ ist die Wasserwand trocken gelegt und mit ungepflegtem Grün überwuchert – eigentlich eine Attraktion, die dem Platz ebenso fehlt wie ein Frequenzbringer. Leerstände gibt es zwar bei den Geschäften rund um den Goetheplatz derzeit kaum (nur am Tunneleingang sind zwei Läden leer), aber der Ladenbesatz ändert sich öfter mal, und die Geschäfte leben mehr oder weniger von ihrer Stammkundschaft.

Der Stadtbaurat sucht die zündende Idee für eine Neugestaltung

Lange hatte eine Überarbeitung des Platzes bei der Stadt keine Priorität. Jetzt scheint in das Thema – nach der Debatte um den Goetheplatztunnel – Bewegung zu kommen. Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer sucht nach der zündenden Idee für ihn. Ein städtebaulicher Wettbewerb – eventuell 2020 – soll’s richten, mögliche Fördermittel des Landes sollen dann am Ende für Modifizierungen sorgen. Das aber könnte ein langer Weg werden und noch für manch überraschende Diskussion sorgen.

Thema einer Überarbeitung wird zweifellos auch die Zukunft des Goetheplatztunnels sein, der kürzlich erst wieder aufgehübscht wurde. Zuschütten, Rampe oder komplette Erneuerung? Aber auch die Belebung der Fläche, bei der dem Einzelhandel eine vorsichtige Öffnung des Platzes für den Verkehr von der Schillerstraße vorschwebt – als verkehrsberuhigter Bereich mit Kurzparken. Und dann sind da noch die ungeliebten Hügel, die nötig sind fürs Wurzelwerk der Bäume, wie es heißt. Denn der Platz ist unterkellert, dort befindet sich eine Tiefgarage mit 103 privaten Stellplätzen, die alle belegt sind – Parkflächen für Anlieger rings um den Platz, die seinerzeit als Ausgleich für den Stellplatz-Nachweis entstanden. Die nüchternen, stets verschlossenen beiden Tiefgaragen-Abgänge wirken indes so trist wie der Platz.

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