Ausstellung

Gladbecker auf den Spuren von Opfern des Nationalsozialismus

Eine große Runde beriet beim letzten Treffen, bevor die Ausstellung zu der Stolperstein-Verlegung in Gladbeck eröffnet wird, bisherige Recherche-Resultate.

Eine große Runde beriet beim letzten Treffen, bevor die Ausstellung zu der Stolperstein-Verlegung in Gladbeck eröffnet wird, bisherige Recherche-Resultate.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Schüler, Lehrer und Mitglieder des Bündnisses für Courage Gladbeck gestalten eine Ausstellung im K4. Dargestellt werden Schicksale von NS-Opfern.

Eine Ausstellung, die den Besuchern die Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus’ vor Augen führen soll. Das klingt leichter gesagt als getan, wie ein Besuch beim Vorbereitungstreffen von Schülern, Lehrern und Mitgliedern des Bündnisses für Courage Gladbeck zeigt. Das Ergebnis der Recherchen reicht von beeindruckend bis spärlich. Die Schau im K4, dem katholischen Pfarrhaus der Gemeinde St. Lamberti (Kirchstraße 6) wird die Verlegung der nächsten Stolpersteine am 27. September begleiten. Eröffnung: Montag, 23. September, 18 Uhr.

Dann werden Besucher in Wort, Bild und Ton etwas erfahren über das Leben und Leid der Gladbecker Juden, denen ein Stolperstein gewidmet ist und für den Jugendliche sowie Courage-Mitglied Manfred Samen die Patenschaft übernehmen. Schüler des Ratsgymnasiums haben herausgefunden, dass die Familie Margulies zu der Gruppe der Ostjuden gehörte. Über viele Wege gelangten die Familienmitglieder in viele Länder Europas und in die USA.

Eine Karte soll die Wege der Margulies’ in Europa bis in die USA nachzeichnen

Das soll eine Karte verdeutlichen. Außerdem hat die Gruppe Kurzbiografien von Ella Estera, Isaak, Gustel und Lotte Margulies erarbeitet. Das Ratsgymnasium will das Programm mit Musik ergänzen: Streicher und Piano sollen jüdische Volksmusik und Melodien aus dem Film „Schindlers Liste“ erklingen lassen.

Auch Jugendliche des Heisenberg-Gymnasiums planen Musik – zwei Stücke mit Gesang. Zu den Opfern der Familie Ottmann haben die Schüler recherchiert. Auf vier Stellwänden wird deren Flucht dokumentiert und ihr Überleben in den Niederlanden und Großbritannien. Eine kurze Lesung von Monologen und Tagebucheintragungen sollen die Gefühle und Gedanken der Ottmanns in die heutige Zeit holen. Eine Tochter von Morris Moritz Ottmann mit ihrem Sohn wolle persönlich zur Eröffnung der Ausstellung nach Gladbeck kommen, kündigten die Beteiligten beim Vorbereitungstreffen an.

Mit dem Menschen Luise Cohn haben sich die Paten vom Riesener-Gymnasium beschäftigt. In einer Kurzbiografie wird ihr Leben umrissen. Die Idee der Schüler: eine künstlerische Annäherung an die Themen Flucht und Verfolgung, eingebettet in geschichtliche Daten, sowie Informationen zum Konzentrationslager Stutthof nahe Danzig.

Eine Gruppe der Erich-Fried-Schule stellt die Familie Schlachter vor

„Sehr gut nachzeichnen ließ sich die Biografie der Familie Schlachter“, freute sich die Arbeitsgruppe der Erich-Fried-Schule. Sie möchte die Familie vorstellen und einen Stammbaum erstellen.

Weniger erfolgreich gestaltete sich die Recherche an der Freien Waldorfschule: „Wir laufen nur in Sackgassen, alle Akten der Familie Wainstock sind vernichtet.“ So viel wissen die Paten für diese Stolpersteine, die an der Roßheidestraße verlegt werden sollen: „Alle sind gestorben, bis auf eine Tochter. Wir haben gehofft, sie ausfindig machen zu können.“ Doch das sei bislang nicht gelungen. Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup: „Die Aktenlage war ganz spärlich, ich habe mich auch in der Vorrecherche darum bemüht. Schon der Name ist problematisch.“

Die Medizinerin Gertrud Hessberg überlebte als Missionsärztin

Ganz anders die Situation für den Stein-Paten Manfred Samen, Mitglied des Bündnisses für Courage. Er förderte zur Kinderärztin Dr. Gertrud Hessberg eine Menge Informationen zutage. Sie stammte aus Essen, „wo heute noch Verwandte von ihr leben“. Die Medizinerin konvertierte zum evangelischen Glauben, musste aber dennoch bereits im Frühjahr 1933 ihre Praxis schließen. Sie überlebte als Missionsärztin in Borneo, wollte später nach ihrer Rückkehr in Gladbeck wieder Fuß fassen. Aber, so Samen: „Die Stadtverwaltung hat sich ablehnend verhalten und dichtgemacht.“

Manfred Samen hat den Gladbecker Juden Isidor Kahn noch persönlich gekannt

Noch viel mehr weiß das Courage-Mitglied über Isidor Kahn. „Ich habe ihn selbst in meiner Jugendzeit noch gekannt“, so Samen, „das war in Gladbeck unser Isi.“ Ein „hochgeschätzter Bürger“ sei er gewesen, „zumindest in der Stadtmitte hat ihn jeder gekannt“. Manfred Samen: „Isidor Kahn war der einzige Gladbecker Jude, der überlebt hat.“

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