Fernsehshow

Gladbecker Wunderkind tritt gegen Weltstar Lang Lang an

Musiktalent Leandro Bongers (11) aus Gladbeck tritt gegen Weltstar und Pianist Lang Lang (li.) bei der Fernseh-Show „Klein gegen Groß“ mit Moderator Kai Pflaume (re) an.

Musiktalent Leandro Bongers (11) aus Gladbeck tritt gegen Weltstar und Pianist Lang Lang (li.) bei der Fernseh-Show „Klein gegen Groß“ mit Moderator Kai Pflaume (re) an.

Foto: Thorsten Jander / NDR

Gladbeck.  Leandro (11) aus Gladbeck ist ein Musiktalent. Er tritt gegen Star-Pianist Lang Lang bei Kai Pflaumes Fernsehduell Klein gegen Groß an.

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„Wunderkind gegen Weltstar“, so ließe sich das Duell betiteln, das am Samstagabend im Ersten zu sehen ist. Bei Kai Pflaumes TV-Show „Klein gegen Groß“ fordert Musiktalent Leandro Bongers (11) aus Gladbeck den chinesischen Star-Pianisten Lang Lang heraus, der auf den großen Bühnen der Welt das Publikum begeistert. Die Wette klingt verrückt – bei ihr haben wohl nur diejenigen überhaupt eine Gewinnchance, die über ein so musikalisches Gehör verfügen wie Ausnahmekünstler Lang Lang und eben auch Nachwuchs-Pianist Leandro.

„Es geht darum, klassische Werke zu erkennen, die rückwärts am Piano vorgespielt werden“, erklärt der junge Klassikfan Leandro beim Besuch in der WAZ-Redaktion. Um gleiche Bedingungen für die Kandidaten zu schaffen, hat der Sender die 60 zu lernenden Musikstücke herausgesucht, aus denen eine kleine Auswahl für das Duell herausgepickt wird. Damit aber nicht genug, denn die weitere Schwierigkeitsstufe sei, so der 11-Jährige, dass von den Stücken, „egal ob sie eine oder acht Minuten lang sind, jeweils nur 20 Sekunden gespielt werden“.

Ein Programm heruntergeladen, mit dem man Musikdateien rückwärts konvertieren kann

Eine irre Herausforderung. Um Leandros Gehör zu trainieren, hätte sie extra ein Programm aus dem Internet heruntergeladen, erzählt Mutter Nadine Bongers, „mit dem man die Musikdateien am Computer rückwärts konvertieren kann“. Das witzige sei, sagt Leandro, dass viele der Stücke rückwärts gar nicht so schlecht klingen würden, „einige sogar ähnlich oder interessanter als das Original“. Die meisten der 60 Werke habe er schnell draufgehabt, nur bei fünf Stücken hätte er länger etwas Schwierigkeiten gehabt, sie auf Anhieb zu erkennen.

Ob er deswegen vor dem Auftritt nervös sei? „Nö“, sagt Leandro, da bleibe er ganz locker. Sei ja auch nicht sein erster Fernsehauftritt. Schon einige Fernsehformate haben über das ungewöhnliche Musiktalent des Gladbeckers berichtet, der als Mini im Kindergarten zum ersten Mal beim Besuch der Little Piano School die Funktion eines Klaviers erklärt bekam. Um sich dann als Vierjähriger Zuhause ans Kinderklavier zu setzen, und mit erstaunlichem Talent Mozarts Kleine Nachtmusik nachzuspielen, die er zuvor auf CD gehört hatte. „Mit Fünf habe ich dann schon gesagt, dass ich Pianist werden möchte.“

Den Star-Pianisten persönlich kennenzulernen, damit erfüllt sich auch ein Herzenswunsch

Mit dem Fernsehduell auf Lang Lang zu treffen, damit erfüllt sich auch ein Herzenswunsch von Leandro, da er den so locker und fröhlich auftretenden Star und dessen virtuoses Spiel als Vorbild sieht. Dessen Vita verlief ja auch ähnlich, allerdings startete das chinesische Wunderkind schon mit drei Jahren die Klavierausbildung.

Leandro wird nach Stationen an der Gladbecker Musikschule (hier trainiert er noch immer die Musiktheorie mit Schulleiter Hilgers) inzwischen an der renommierten Folkwang-Musikhochschule in Essen am Piano unterrichtet. Das Cleverle ist aber nicht nur in Sachen Musik ein Überflieger.

So hat das 11-jährige Multitalent zwei Klassen übersprungen, besucht jetzt die achte Jahrgangsstufe des Vestischen Gymnasiums in Kirchhellen und hat - trotz des Altersunterschiedes - ein gutes Verhältnis zu den Stufenkameraden. Einen liebevollen Spitznamen hätten sie ihm gegeben: „Google, weil ich jede Menge weiß.“

Das Nachwuchs-Talent hat bereits sein siebtes Werk „Erbitterungssonate“ komponiert

Apropos Wissen, ob er seine musikalischen Kenntnisse denn schon für eigene Kompositionen nutze? Fast etwas Mitleidig klingt die Antwort: „Ja sicher“, er sei bei seinen Orchesterwerken schon bei Opus Sieben. „Witzigerweise“, verrät Leandro, stehe bei ihm zuerst der Titel, „noch bevor ich einen Ton komponiert habe“. Der jüngst fertiggestellte Opus heiße übrigens „Erbitterungssonate“. Wutsonate habe ihm nicht gefallen. „Das klingt doch sch… – da habe ich nach Synonymen gesucht und fand Erbitterung klingt klasse“. Der Titel lässt schon vermuten, dass es sich eher um dunklere Töne handelt, „F-Moll“, bestätigt der Komponist.

Bleibt zu hoffen, dass Leandro nicht genau in der Stimmung nach seinem Duell am Samstag ist. Und dass er vielmehr als Sieger sein zurzeit musikalisches Lieblingsstück fröhlich sowie hellklingend in Ges-Dur pfeift: Die Humoresque von Antonín Dvořák.

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