Buchlesung

Knast-Arzt Joe Bausch liest in Gladbeck aus „Gangsterblues“

Beim Publikum sehr beliebt: Die Karten für die Lesung von Joe Bausch waren schnell vergriffen. Die VHS hatte zu dem Abend mit dem „Tatort“-Schauspieler, Autor und früherem Gefängnisarzt eingeladen.

Beim Publikum sehr beliebt: Die Karten für die Lesung von Joe Bausch waren schnell vergriffen. Die VHS hatte zu dem Abend mit dem „Tatort“-Schauspieler, Autor und früherem Gefängnisarzt eingeladen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Der „Tatort“-Gerichtsmediziner Bausch fesselt sein Publikum mit Geschichten aus der JVA Werl. Und er thematisiert den Sinn der Resozialisierung.

Er ist ein „Geschichtenerzähler“ im besten Sinne des Wortes: der Arzt, Schauspieler und Autor Joe Bausch. Am Mittwoch gastierte er im Lesecafé der Stadtbücherei auf Einladung der Volkshochschule Gladbeck mit seinem neuen Buch „Gangsterblues“.

Bekannt wurde Joe Bausch durch seine Rolle als Gerichtsmediziner im Kölner „Tatort“

Seine große Popularität hat der 66-Jährige aber in erster Linie seiner Rolle als Gerichtsmediziner Dr. Philipp Roth im Kölner „Tatort“ zu verdanken. Und so verwundert es nicht, dass alle Tickets zur Veranstaltung bereits im Vorverkauf abgesetzt worden waren. Gut eine halbe Stunde braucht der ehemalige Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl, einem Hochsicherherheitsgefängnis für rund 1000 männliche Insassen, bis er überhaupt zum ersten Mal zu seinem Buch greift.

„Ich werde lesen“ kündigt er an, „allein, damit Sie sehen, dass ich es kann“ – und hat damit die Lacher auf seiner Seite. Mehr als 30 Jahre war Bausch in der JVA Werl medizinisch verantwortlich für Sicherheitsverwahrte, Mörder, Gewalttäter und andere Schwerstkriminelle. Es geht ihm in den zwölf Geschichten der vorliegenden Sammlung um die Frage, welchen Sinn die Resozialisierung eigentlich haben soll: „Warum klappt es nicht, wenn doch das Ziel ist, nach Verbüßung der Strafe einen besseren Menschen wieder ins Leben zu entlassen?“ Bausch reflektiert die Veränderungen im Verlaufe der Jahrzehnte, die Zunahme der unterschiedlichen Nationalitäten in den deutschen Gefängnissen, wie auch der Drogendelikte.

Natürlich hat niemand etwa gesehen, Zeugen gab es keine“

Vor ernstem Hintergrund erzählt er seine Geschichten, teils skurril, teils drastisch, mal ironisch, mal sarkastisch und er wirft die Frage auf, ob es mehr Psychopathen im Knast oder eher da draußen gebe. Es gebe Situationen, „da ist kein Sprechen mehr, da muss geliefert werden“, schreibt Bausch und erzählt in „Sixpack“ die ziemlich heftige Geschichte eines Insassen, der andere übermäßig drangsaliert, bis nichts mehr geht, so dass er von diesen im Kraftraum mit seinen Hanteln übel zugerichtet wird. „Und natürlich hat niemand was gesehen, Zeugen gab es auch nicht.“

Bausch beschreibt ein Rentnertrio, „Spezialisten auf dem Gebiet, Tresore zu knacken“, die nach ihrer Entlassung noch einmal das ganz große Ding drehen wollen und zum Schluss stellt er Siggi vor, einen notorischen Querulanten, den alle loswerden wollen. Völlig unerwartet macht Siggi eine unglaubliche Erbschaft, kann sich Anwälte leisten und hat es bis heute geschafft, nicht rückfällig zu werden. Das Publikum in Gladbeck war amüsiert, hin und wieder aber auch geschockt von manch krasser Schilderung. „Man hat einen guten Einblick in eine Welt bekommen, die uns fremd ist“, resümierte eine Zuhörerin.

Mit Ironie schloss Joe Bausch seine zweistündige Vorstellung ab: „Werl“, sagte er, müsse man sich halt „verdienen.“

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