Extremismus

Beratungsstelle soll vor Abdriften in Salafismus schützen

Die AWO-Beratung „Wegweiser“ soll eine Radikalisierung verhindern.

Die AWO-Beratung „Wegweiser“ soll eine Radikalisierung verhindern.

Foto: Marijan Murat

Hagen.   Wieviele gewaltbereite Salafisten es in Hagen gibt, ist schwer zu sagen. Doch eine Beratungsstelle soll gefährdete Personen aus der Szene holen.

Mit Unterstützung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Bergischen Ring in Hagen eine Beratungsstelle für junge Menschen mit salafistischen Tendenzen eingerichtet. Das Unterstützungsangebot namens „Wegweiser“ soll eine extremistische Radikalisierung für den Salafismus anfälliger Personen verhindern.

In der Beratungsstelle sind drei Mitarbeiter tätig, die jedoch nicht namentlich genannt werden möchten: „Weil wir in einem sehr sensiblen Bereich arbeiten, aber auch um unseren Selbstschutz zu gewährleisten.“

Präventionsauftrag

Wegweiser ist kein Aussteigerprogramm, sondern besitzt einen klaren Präventionsauftrag: „Unser Ziel ist es, den Ausstieg vor dem Einstieg zu gewährleisten“, sagen die Mitarbeiter.

Dies sei zum Beispiel bei einem jungen Mann gelungen, der als Flüchtling nach Deutschland kam und auf eine Ausbildung zum Lkw-Fahrer fixiert gewesen sei. Im Flüchtlingsheim gängelte er seine Mitbewohner mit Vorschriften zum rechten Glauben.

Eindimensionaler Blick

Erst nach Intervention von Wegweiser-Beschäftigten, die auf die radikalen Tendenzen des Flüchtlings aufmerksam gemacht worden waren, gelang die Wende. Heute absolviert der junge Mann eine technische Ausbildung und spielt in einem Fußballverein.

Den eindimensionalen Blick auf seine Religion hat er verloren. Die Stärkung der Selbstwahrnehmung und die Erarbeitung eines konkreten Lebensplans gehören denn auch zu den wichtigsten Ansatzpunkten der Berater.

Dynamische Szene

In Deutschland ist die Zahl der Salafisten in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, derzeit wird ihre Zahl auf rund 11.000 geschätzt. 2200 von ihnen werden dem dschihadistischen, potenziell gewaltbereiten Spektrum, zugeordnet.

Wieviele es in Hagen sind, könne man beim besten Willen nicht sagen, da die Szene sehr dynamisch sei, so Reinhard Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales im Hagener Rathaus: „Es sind aber sicherlich nur vereinzelte Salafisten, ihre Zahl beläuft sich im einstelligen Bereich.“

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