Internetversorgung

Berchum: Zähes Warten auf schnelles Internet

Der Ortsteil Berchum aus der Luft.

Der Ortsteil Berchum aus der Luft.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Berchum.  In Berchum wird deutlich, wie gut und wie schlecht man innerhalb eines Dorfes an das Internet angeschlossen sein kann. Hilfe kommt nur langsam.

Dass der Breitband-Ausbau im Hohenlimburger Gebiet langsam voranschreitet, hatte diese Zeitung schon berichtet. Am Beispiel des Berchumers Marvin Schürholz, der sich vor etwa einem Jahr im Dorf eine Wohnung gekauft hat, wird aber deutlich, welche Mehr-Klassen-Gesellschaft der schleppende Breitband-Ausbau entstehen lässt. Berchum hat ziemliche Lade-Probleme.

„Bei mir kommt eine Leistung von 5 Mbit an“, ärgert sich Marvin Schürholz. Zur Einordnung: Damit kann er so gerade relativ stabil E-Mails abrufen. „Das war es aber auch. Ich bin als Ingenieur tätig und an Home-Office ist mit so einer steinzeitlichen Leistung gar nicht zu denken.“ Das Kuriose: Es gibt in Berchum Haushalte, bei denen 50 Mbit ankommt. Das ist zwar, verglichen mit anderen Gebieten, immer noch recht wenig. Aber damit lässt sich solide im Internet arbeiten.

Im Ortsteil Berchum sind Mitte August drei neue Verteiler mit 425 Haushalten sowie in Hohenlimburg ein Verteiler mit 50 Haushalten an den Start gegangen. Die reichen aber in Berchum gar nicht aus, um alle Straßen des Dorfes zu versorgen. Warum wurde das so gemacht? „Weil es erstmal nicht wirtschaftlich für das Unternehmen war“, sagt George-Stephen McKinney, Sprecher der Deutschen Telekom. Er ordnet zur Herangehensweise des Kommunikations-Riesen ein: „Wir haben zwar einen 40-prozentigen Marktanteil in Deutschland. Da kann man aber nicht erwarten, dass wir 100 Prozent der Gebiete ausbauen. Es muss wirtschaftlich auch etwas zurückfließen.“

Und so stehen in Berchum nun sechs Kästen, sogenannte Kabelverzweiger, von denen die Telekom aber nur drei ausgebaut hat und die von der Versorgung her an ihrer Leistungsgrenze sind. Einfach gesprochen: In den Kästen werden die „Ports“ angeschlossen, mit denen die dann angebundenen Haushalte die schnellere Netzleistung erhalten können. Telekom-Sprecher McKinney weiß aber: „Es gibt auf dem Markt aktuell einen Port-Engpass.“

Ausschreibung läuft aktuell

Damit die anderen drei Kästen ebenfalls angeschlossen werden, bedarf es einer Ausschreibung der Stadt Hagen, die sich an alle Netzbetreiber in Deutschland richtet. Diese Ausschreibung läuft auch. „Aktuell sind wir aufgrund der Vergaberichtlinien leider gehalten, noch keine Details zu veröffentlichen“, erklärt Stadt-Pressesprecher Michael Kaub. „Wir können aber bestätigen, dass ein Ausschreibungsverfahren läuft und dass wir dieses Verfahren kurzfristig abschließen werden. Danach wollen wir mit detaillierten Informationen zu Ausbaugebieten, Zeitschienen usw. an die Öffentlichkeit gehen“.

Dirk-Joachim Scharff hat jahrelang für die Internetversorgung in Tiefendorf gekämpft. Er sagt: „Bald sind in Berchum mehrere Ausbaustufen Realität. Mit jeder Optimierung werden andere schlechter gestellt. So entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

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