Sternfahrt des VCD

Ein Hauch von Münster: 700 Radfahrer in Hagen unterwegs

Eine mächtige Verkehrsgruppe: 700 Radler waren am Sonntag auf einer Tour durch Hagen unterwegs,

Eine mächtige Verkehrsgruppe: 700 Radler waren am Sonntag auf einer Tour durch Hagen unterwegs,

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Das hat es in Hagen noch nie gegeben. 700 Menschen fahren als Radgruppe durch das Stadtgebiet und setzen ein deutliches Zeichen.

Heidi Wenke kann gar nicht anders, als vor Stolz fast zu platzen. Sie hält sich an ihrem Fahrrad fest und antwortet auf die Frage, wie sie das alles findet, was um sie herum geschieht, ziemlich sortiert: „Ich finde es bemerkenswert, wie viele Menschen in Hagen eigentlich aufs Fahrrad steigen, obwohl die Stadt so fahrradunfreundlich ist.“ Bei der von Wenkes Verkehrsclub Deutschland (VCD) organisierten Sternfahrt aus mehreren Ruhrgebietsstädten nach Hagen machen sich 700 Menschen am gestrigen Sonntag auf den Weg und radeln auf der finalen Etappe durch Hagen.

Im Gegensatz zur Fridays-for-future-Demo am vergangenen Freitag, zu der 2000 Leute gekommen waren, liegt der Innenstadtring diesmal in die andere Richtung lahm. 700 Radfahrer bilden einen Verkehrsverbund, der so selbstverständlich den City-Ring für sich einnimmt, dass Autos wie eine Seltenheit wirken und nicht umgekehrt. Bei der Fahrt durch das Hagener Stadtgebiet nehmen die Radler später auch noch den Vorhaller Kreisel ein und kommen flüssig durch. Und das trotz einer Sperrung der Autobahn 1, die in diesem Bereich immer für Stau und Wartezeiten sorgt.

Es stimmt irgendwie alles. Das Wetter, die große Anzahl der Leute und der gedankliche Ansatz. Wer mehr Fahrradfreundlichkeit will, der muss – wie überraschend – eben aufs Rad steigen. Auf insgesamt zehn Zulauf-Routen kommen Radler aus der ganzen Region in die Volmestadt, um unter dem Motto „Mehr Rad in Hagen wagen – aufsteigen und losradeln!“ für bessere Bedingungen für Radfahrer vor Ort zu demonstrieren. Diesmal ist die Erkenntnis gereift, dass gerade Hagen es besonders nötig hat, um hier auf die Interessen von Radfahrern aufmerksam zu machen – auch wenn Remscheid es mittlerweile gelingt, noch schlechter bei dem Fahrrad-Check abzuschneiden als Hagen.

Große Fete am Elbers-Gelände

Nach der Sternfahrt kommen alle Radler auf dem Elbers-Gelände zu einer großen Party zusammen. Oberbürgermeister Erik Schulz, der selbst mitradelt, bekräftigt durchs Mikrofon die Haltung aller im Rat vertretenen Parteien, die Fahrradfreundlichkeit in Hagen zu erhöhen. „1,5 Millionen Euro haben Kämmerer und Oberbürgermeister dafür in den kommenden Haushalt eingestellt“, spricht er über sich und Christoph Gerbersmann in der dritten Person. Applaus aus allen Ecken des Geländes. Das für Hagen geschnürte Radfahrpaket kostet rund 20 Millionen Euro, wenn man alle darin enthaltenen Maßnahmen umsetzen möchte. Die Umsetzung einer ersten Maßnahme in Hohenlimburg scheiterte bereits auf politischer Ebene – kein guter Start.

Schulz weiter: „Wir sind überhaupt nicht stolz auf das schlechte Abschneiden in der Fahrrad-Studie.“ Michael Kleine-Möllhoff vom Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) berichtet den interessierten Zuhörern, dass man der Landesregierung 206.000 Unterschriften übergeben habe. „Wir fordern ein Fahrradgesetz, der Verkehrsausschuss des Landtages wird sich damit beschäftigen müssen. Uns geht es um Umverteilung von Verkehr. Ich höre immer, dass das in unseren Städten nicht geht. Und dann komme ich nach Holland und sehe, was alles möglich ist.“

Für Heidi Wenke vom VCD bleibt Hagen ein schwieriges Fahrrad-Pflaster: „Aber dennoch steige ich jeden Tag wieder aufs Rad und versuche insgesamt multi-modal unterwegs zu sein in Hagen. Also zu Fuß, mit dem Rad und mit dem Bus.“

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