Kulturevent

“Godot“: Schloss-Spiele Hohenlimburg feiern Premiere

Bunte Kulisse für die Premiere von „Warten auf Godot“. Auftakt der 65. Schloss-Spiele.

Bunte Kulisse für die Premiere von „Warten auf Godot“. Auftakt der 65. Schloss-Spiele.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Anspruchsvolles Theater zur Premiere: „Warten auf Godot“ kommt mit karger Kulisse– aber bietet dem Publikum umso mehr Raum für Interpretation

Klarer Nachthimmel, lauwarme Temperaturen und ein bunt beleuchtetes Schloss als Kulisse: Beste Voraussetzungen für einen Auftakt nach Maß. Gestern feierten mehrere hundert Gäste den Start in die 65. Saison der Hohenlimburger Schloss-Spiele. Wie verlief der Premieren-Abend?

Minimalistische Kulisse

Als Aperitif servierte der Freundeskreis Schloss-Spiele, federführender Veranstalter des Kultur-Events, eine moderne Inszenierung des Theater-Klassikers „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Die Kulisse des Stücks: minimalistisch. Eine lange Bühnenfläche, ein Strick, ein dürrer Baum – mehr Kulisse bekamen die Augen des Publikums im Schlossgarten nicht zu beobachten. Genug Platz also, um sich auf die Handlung zu konzentrieren. Und die hatte es in sich: Denn „Warten auf Godot“ erwies sich schnell als ein Stück, das erst durch viele Kleinigkeiten interessant wurde.

„Gehen sie frei und ohne Erwartungen an das Stück heran“, appellierte deshalb auch Carsten Kunz, Vorsitzender vom Freundeskreis Schloss-Spiele in einer kurzen Begrüßung vor Beginn. Jeder solle sich seine eigene Meinung bilden und nicht auf das Urteil anderer warten. Und damit ist das Thema gesetzt: Denn die Handlung in „Warten auf Godot“ dreht sich letztlich ums Warten. Die Hauptdarsteller „Wladimir“ und „Estragon“ stehen auf einer Landstraße, irgendwo im Nirgendwo. Und sie warten auf Godot. „Und was ist, wenn er nicht kommt?“, fragt Estragon, alias Dario Weberg. „Dann kommen wir morgen wieder“, antwortet Wladimir, gespielt von Simon Jakobi.

Angesichts der kahlen Kulisse steht die Darbietung der Schauspieler in diesem Stück besonders im Fokus. Und hier besonders ein Mann, dessen Gesicht seit Wochen die Schloss-Spiel-Plakate an den Straßen ziert: Martin Semmelrogge. In „Warten auf Godot“ mimt er den Sklaven „Lucky“. Erster Auftritt: Lucky tappst vorweg, hinter ihm folgt sein Herr „Pozzo“, alias Stefan Schroeder. Mit einer langen Leine hält er seinen Untergebenen fest.

Dieser entpuppt sich mit zunehmender Länge des Stücks jedoch als kluger Kopf und Künstler, seinem Herrn mindestens ebenbürtig. Es sind kleine Anspielungen und Nuancen wie diese, die den Zuschauer zum Denken anregen sollen – und damit offenbar bei vielen Gästen im Premieren-Publikum Erfolg haben.

„Die versprochene Vielschichtigkeit ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt etwa Besucherin Andrea Pielas. „Und ich finde das gut. Es müssen nicht immer nur triviale Stücke gezeigt werden.“ In der Pause habe sie bereits eifrig mit Freundinnen über verschiedene Deutungen der Handlung diskutiert. „Wann hat man sowas sonst schonmal?“.

Ehrenamtliches Engagement

Petra Klinke, ebenfalls Premieren-Gast, unterstützt den Eindruck. „Mich beeindruckt aber auch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen – es ist beachtlich, was hier auf die Beine gestellt wurde“, schaut sie auf die kleinen Buden mit Cocktails und Grillgut, die sich im Schlossgarten verteilen. Angesichts dessen gab sich auch Carsten Kunz zufrieden. Im Vorfeld habe er Bedenken gehabt, dass die Vielschichtigkeit von „Warten auf Godot“ abschreckt. „Aber die Leute sind in den Bann gezogen – und so soll es sein.“

Premiere verpasst? Hier die weiteren Aufführungstermine des Theaterstücks „Warten auf Godot“: Am kommenden Sonntag, 25. August, 18 Uhr, am Freitag, 30. August, 20 Uhr, am Sonntag, 1. September, 18 Uhr, am Mittwoch, 4. September, 20 Uhr sowie am Samstag, 7. September, 20 Uhr. Eintritt: 18 Euro.

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