Kultur

Hagen: Dieter Nuhr eröffnet Auschwitz-Kunstausstellung

Dieter Nuhr, hier bei einem Auftritt 2016 in der Stadthalle, kommt wieder nach Hagen.

Dieter Nuhr, hier bei einem Auftritt 2016 in der Stadthalle, kommt wieder nach Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Dieter Nuhr ist nicht nur Kabarettist, sondern auch als Fotokünstler tätig. Im März eröffnet er in Hagen eine Ausstellung von Stephan Kaluza.

Der Kabarettist Dieter Nuhr ist Mitte März gleich in zweifacher Funktion in Hagen zu erleben. Am 13. März präsentiert er in der Stadthalle sein Programm „Kein Scherz“, am Folgetag schlüpft er anlässlich einer Ausstellungseröffnung in die Rolle des Redners. Das Osthaus-Museum zeigt Werke des Malers Stephan Kaluza, der sich mit einem Ort auseinander gesetzt hat, der zum Synonym für das Bösartige schlechthin geworden ist: Auschwitz.

Vor zwei Jahren hat Nuhr in Koblenz schon einmal eine Ausstellung (zu einem anderen Sujet) von Kaluza eröffnet und das Publikum seinerzeit bestens unterhalten, glich seine Rede doch einem Kabarettprogramm im Miniformat. Nun dürfen die Hagener gespannt sein, was er zur Auschwitz-Thematik zu sagen hat. „Als bildender Künstler weiß Dieter Nuhr auf jeden Fall, wovon er spricht“, so Museumsdirektor Tayfun Belgin, der den scharfsinnigen Kabarettisten für die Vernissage gewinnen konnte: „Er ist nicht nur ein Intellektueller, er ist auch handwerklich versiert.“

Dieter Nuhr ist auch ein Fotokünstler

Worauf Belgin abzielt: Nuhr ist nicht nur Bühnen-, sondern auch Fotokünstler und hat an der ehemaligen Folkwangschule in Essen Bildende Kunst studiert und als Fotograf zahlreiche Ausstellungen in Galerien und Museen gehabt. Seine Bilder zeigen Motive aus vielen Ländern rund um den Erdball.

Nuhr weilt derzeit im Urlaub und war für unsere Redaktion nicht zu erreichen. „In der Sprache kann ich ironisch sein, in Bildern erscheint mir die Welt eher ernst“, wird er anlässlich einer früheren Ausstellung in der Essener Galerie Obrist zitiert. Die bildnerische Arbeit sei ihm jedoch genauso wichtig wie die Arbeit auf der Bühne. Dass er mit der einen Form mehr Leute erreiche, „sagt weder etwas über die Qualität der Arbeit aus, noch über den Grad der Intensität“.

Auschwitz zeigt sich als surreal-schönes Idyll

Die Ausstellung von Stephan Kaluza trägt den Titel „Unruhig wandern“. Vor sechs Jahren hat der Künstler Auschwitz (polnisch: Oświęcim), gelegen am Fluss Soła und etwa 50 Kilometer westlich von Krakau, besucht. 2020 jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers zum 75. Mal.

In einem Interview mit Ralph Güth im Ausstellungskatalog des Polnischen Instituts Düsseldorf berichtete Kaluza über seine Begegnung jenseits der Lager: „Ein Blick durch den Zaun nach draußen zeigt selbst hier liebliche Felder. Ein ähnliches Szenario bietet sich einem direkt vor der Gedenkstätte Auschwitz; auf der anderen Seite der Legionov-Straße zeigen sich baumbestandene Auen, die Soła fließt wenige Meter vor dem KZ ruhig dahin. An diesem Sommertag waren es weit über 30 Grad, die Bewohner Oświęcims gingen zum Baden an den Fluss, zumeist Familien, junge, alte Menschen, man stellte die Liege auf und ließ es sich gut gehen – so wurde es fotografiert, im Rücken die Gedenkstätte an das Grauen, das hier stattfand, vor mir fast ein surreal-schönes und vor allen Dingen unerwartetes Idyll, ich kam hierher um Auschwitz zu fotografieren, ein Drehen des Körpers genügte, um das Gegenteil aller Assoziationen zu diesem Ort vorzufinden.“

Fragile und zerstörbare Malerei

Die Bilder Kaluzas täuschten denn auch häufig Idylle vor, beschreibt Museumsdirektor Belgin, was die Ausstellungsbesucher erwarten dürfen: „Eine störende zweite Instanz schleicht sich bald ein. Der Malerei wird die Farbe entzogen, so dass die Gemälde zunehmend zu verblassen scheinen.“ Am Ende eines solchen Prozesses stehe eine nahezu weiße Fläche, das Nichts.

Dieser Ansatz verstehe sich kritisch als Hinweis auf menschliche Eingriffe in die Natur, welche weder eine Konstante noch ewig sei: „Die Malerei Kaluzas zeigt sie eher als fragil, als zerstörbar und hilflos. So, wie sich die Natur aus dem Sichtfeld des Menschen zu entziehen scheint, scheint die Naturschönheit in ihrer Gänze zu verschwinden.“

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