Serie: So arbeitet Hagen

Hagen: Objektbetreuer geht mit offenen Augen durch die Welt

Dirk Löser verbringt gerade in den Sommerferien viel Zeit im Lehrschwimmbecken der Hauptschule Vorhalle. Hier verschlingen Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten viel seiner täglichen Arbeit.

Dirk Löser verbringt gerade in den Sommerferien viel Zeit im Lehrschwimmbecken der Hauptschule Vorhalle. Hier verschlingen Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten viel seiner täglichen Arbeit.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Früher sagte man Hausmeister, heute Objektbetreuer. „Die Arbeit ist vielschichtiger geworden“, weiß Dirk Löser.

Man könnte es Berufskrankheit nennen, was Dirk Löser da passiert, wenn er durch einen Raum geht. Gewohnheit aus dem Job des Hausmeisters heraus – vielmehr Objektbetreuers, wie seine Tätigkeit bei der Stadt Hagen mittlerweile benannt ist. „Ich gehe nicht wie jeder gewöhnliche Nutzer von A nach B. Ich schaue ganz automatisch nach Piktogrammen und Schildern, die mir über den Weg laufen“, schildert der 53-Jährige. Selbst im Hotel im Urlaub sei das so. „Meine Frau fragte mich einmal, ob ich das schöne Bild an der Wand gesehen habe“, erzählt er. Natürlich habe er das nicht, lacht er kopfschüttelnd, denn er habe stattdessen die Brandschutzanlage genauer unter die Lupe genommen.

Wenn Dirk Löser über seinen Beruf als Objektbetreuer der Gemeinschaftshauptschule Vorhalle ins Erzählen kommt, dann merkt er schnell, dass er aufgrund der Vielschichtigkeit der Aufgaben gar nicht weiß, wo er mit dem Beschreiben anfangen und wo aufhören soll. „Sehen Sie, das habe ich noch gar nicht erzählt“, ist ein Satz, der immer wieder im Gespräch mit ihm fällt. Hausmeister – das sei kein Mann mehr, der „mit grauem Kittel und Besen über den Hof flitzt“, lacht er. Hausmeister – das sind hunderte an Fragen, die immer berücksichtigt werden müssen. Funktionieren die Alarmfunktionen in der Behindertentoilette? Ist die Schließtechnik der Brandschutztüren noch einwandfrei? Fehlt in den Klassenräumen Mobiliar? Was ist mit den Aufzügen? Lassen sich die Fenster richtig öffnen, sind noch alle Feuerlöscher am Platz? Die Reihe ließe sich unendlich fortsetzen.

„Jeder Gang ist eine Tätigkeit. Ich gehe viel offener durch ein Gebäude, mache viele Dinge einfach im Vorbeigehen“, versucht er erklärend in Worte zu fassen. Dirk Löser weiß, wo die Wasserleitungen des Gebäudekomplexes herlaufen und wo die Lüftungs- und Klimaanlage. Natürlich kennt er deren technischen Aufbau. Er weiß, wo irgendwann einmal irgendetwas verlegt wurde.

Und bei allen diesen Dingen sind wir noch nicht beim Lehrschwimmbecken der Schule und dessen Betreuung angekommen, die dem 53-Jährigen ebenso obliegt. Die mehrstufige Prozedur der Oberflächendesinfizierung. Die täglichen Wasserproben. Die richtige Mischung der Chemikalien, die dem Wasser aus Hygienegründen beigefügt werden müssen und die wie eine Wissenschaft für sich klingen. „Ja, da könnte ich Ihnen auch Stunden drüber erzählen“, winkt Dirk Löser ab.

Relikte aus alter Zeit finden sich lediglich noch im alten Tarifvertrag für Schulhausmeister. „In dem stehen ein grauer Arbeitskittel und eine Schirmmütze als Arbeitskleidung festgeschrieben“, erzählt Dirk Löser schmunzelnd. Natürlich verlange dies heute niemand mehr.

„Der Beruf hat definitiv einen Wandel vollzogen“, betont der 53-Jährige. Gerade durch die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996 habe ein Umdenken eingesetzt, wenn es um den Brandschutz gehe. Es sei nun ein essenzieller Aufgabenbereich des Objektbetreuers. „Es wurde viel investiert und die Prüfungen für vorsorgenden Brandschutz sind sehr wichtig geworden. Wir haben einen sehr detaillierten Aufgabenkatalog, in dem festgelegt ist, welche Überprüfungen zu welchem Zeitpunkt vorgenommen werden müssen“, schildert Dirk Löser.

Neben den vielen technischen Dingen und organisatorischen Aufgaben wie das Koordinieren der Reinigungskräfte und die stetige Absprache mit Schulleitung und Lehrpersonal, die seinen Arbeitsalltag bestimmen, sind es auch viele kleinere handwerkliche Tätigkeiten, die zu seinem Job gehören. Wasserhähne wechseln, kleinere Reparaturen durchführen.

Kontakt mit den Schülern

Auch wenn die Gebäudesicherheit absolute Priorität hat, darf beim Job des Schulhausmeisters natürlich auch das Menschliche nicht vergessen werden. Hier bekommt der Beruf doch wieder etwas von seinem Ursprünglichen zurück, wenn es um den Kontakt zu den Schülern geht. „Wenn ein Schüler von einem Lehrer vor die Tür gesetzt wurde, stelle ich mich schon dazu und suche das Gespräch“, schildert Dirk Löser. Er versuche, den Kindern zu erklären, warum der Lehrer so gehandelt habe und animiere sie dazu, das, was sie nun ärgere, besser bei ihm loszuwerden als später wieder im Klassenraum. „Die Schüler erzählen mir viel als Vertrauensperson, weil sie wissen, dass es bei mir gut aufgehoben ist“, bemerkt er schmunzelnd. „Das versetzt einen ja auch ein bisschen zurück in seine eigene Schulzeit, als man selbst Unsinn gemacht hat“, lacht er.

„Was ich wirklich schön an meinem Beruf finde ist, dass ich meinen Tag gar nicht richtig planen kann.“ Es gebe immer wieder etwas Neues und Unvorhergesehenes, das ihm über den Weg laufe. „Jeder Tag ist wie ein Überraschungsei“, sagt er.

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