Kommentar

Hagen und die Gefahr der „verlorenen Generation“

Michael Koch, Redaktionsleiter.

Michael Koch, Redaktionsleiter.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Ist Hagen bundesweit ein Beispiel für die Gefahr, dass eine „verlorene Generation heranwächst “? Google spuckt das aus. Und hat wohl Recht.

Irgendwie ist es schon zu einer Währung geworden: Was taucht in einem Google-Alert auf? Also in einer automatisierten Abfrage bei der Internetsuchmaschine, die einem per Mail jeden Tag zu einem Suchbegriff Ergebnisse zu neusten Nachrichten liefert.

Am liebsten würde man da als Hagener lesen, dass wir tolle Aktivitäten im Bauhaus-Jahr unternehmen. Oder dass sich neue Firmen ansiedeln. Doch in den letzten Tagen schwappte in meinem Google-Alert zu Hagen immer wieder das Zitat der stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, auf. Die hatte Ergebnisse des von der Bertelsmann-Stiftung geförderten „Ländermonitors berufliche Bildung 2019“ kommentiert, dabei auf regionale Unterschiede in ganz Deutschland hingewiesen und den Satz gesagt: „Wir dürfen aber nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hagen, Eberswalde oder Flensburg eine verlorene Generation heranwächst.“

Hagen also bundesweit als Synonym für eine „verlorene Generation“? Man könnte das als überzeugter Hagener mit Entsetzen von sich weisen. Man könnte auf alle die Bemühungen verweisen, die es schon gibt. Aber die Fakten des Reports sprechen eine andere Sprache. 2009 kamen bundesweit im Schnitt auf 100 Bewerber knapp 89 Stellen, heute sind es fast 97. Super. Aber regional gibt es riesige Unterscheide. In Passau in Bayern kommen auf 100 Bewerber 129 offene Stellen. In Hagen in sind es dagegen nur 80. Und ausländische Jugendliche und Bewerber mit Hauptschulabschluss haben es besonders schwer.

Man kann jetzt den Google-Alert anders einstellen oder fordern, dass die Formel dahinter anders programmiert wird, damit mehr gute Nachrichten kommen. Das macht aber die Sache nicht besser. Wir müssen noch viel ehrlicher an dem Problem arbeiten, noch eine ordentliche Schüppe drauflegen. Denn die Vize-DGB-Chefin hat Recht: Wir dürfen uns keine verlorene Generation leisten.

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